#Writingfriday Meinerts Flugversuch

Samstag
Der Himmel ist blau und frei von Kondenstreifen der Flugzeuge, Wolken oder Vogelschwärmen. Gibt es wirklich Menschen, die der Chemtrails Verschwörungstheorie glauben, dass die Kondensstreifen am Himmel in der Realität Chemikalien sind, die uns Manipulieren, damit fremde Mächte die Weltherrschaft an sich ziehen? Ich schmunzle bei dem Gedanken, denn warum sollte jemand der die Weltherrschaft an sich reißen möchte seine Opfer in einen panischen Zustand versetzten, anstatt sie in Sicherheit und Entspannung zu wiegen? Ich verwerfe den Gedanken wieder und schaue wieder aus dem Fenster.
Die Sonne kann ungehindert auf die Erde strahlen, die Pflanzen mit Energie versorgen und die Menschen und Tiere zum Schwitzen bringen. Dieser so weit entfernte Feuerball hat unser Leben unter Kontrolle. Schon bei dem Gedanken an UV-Strahlen, greife ich zur Sonnencreme mit dem höchsten Lichtschutzfaktor. Nachdem ich meinen Körper auf die Srahlenbelastung vorbereitet habe, kann ich das Haus verlassen. Auf dem Weg in den Garten laufe ich an dem Haken mit meiner Cappie vorbei, nach der ich nicht griff, denn wie Fahrradhelme schützen sie einen zwar, sehen aber dementsprechend komisch auf meinem unförmigen Kopf aus. Ich gehe raus in den Garten und atme die frische Luft ein. Ruhe ist mir dabei nicht gegönnt, denn die Nachbarn mähen seit 10Uhr morgens ihren Rasen,trimmen die Hecken oder flambieren ihre Pflastersteine, um das lästige Unkraut zu verbrennen. Das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Windes durch die Blätter ist nur noch eingeschränkt zu hören.
Ohne eine Glasscheibe zwischen meinem Blick und der Außenwelt, schaue ich mir erneut den Himmel an. „Nach dort oben soll ich fliegen?“, denke ich und versuche die Zweifel es zu schaffen aus dem Weg zu räumen.

Freitag: Wie alles anfing..
Gestern saß ich entspannt im Garten, trank meinen selbst gemachten Himbeersmoothie und versuchte meine Augen zu entspannen, da ploppte eine Nachricht auf meinem Handy auf. Meine Freunde würden sich um 23Uhr vor dem Freibad treffen. „Seid ihr bescheuert? Ich breche doch nicht in ein Freibad ein“, wollte ich erst in die Gruppe schreiben, zögerte dann aber. Mir war nicht Wohl bei dem Gedanken etwas illegales zu machen. „Es geht ja nicht darum, dass wir den Schwimmbad Besitzer um sein Geld bringen wollen, sondern lediglich um den Kick. Selbst wenn wir erwischt werden, wird das als ein Streich abgetan und wir bekommen eine Verwarnung. Ins Gefängnis wandert keiner deswegen“, erinnerte ich mich an die beruhigenden Worte meiner Freundin. Überzeugt hatte sie mich jedoch nicht. Noch nie zuvor bin ich irgendwo eingebrochen, denn mir fehlt auch der Spaß an der kriminellen Energie, oder? Wieso sollte ich irgendwo einbrechen? Um bei einem Trinkspiel, bei dem eventuell die Frage „Bist du schon Mal irgendwo eingebrochen?“ aufkommt, von dieser einen Geschichte berichten zu können? Das ist es mir keinesfalls wert. Meine Finger tippten die Absage in das Handy ein, ich brauchte nur noch auf das Absende Zeichen zu drücken. Das unwohle Gefühl war noch da, aber gegensätzlich zu dem kam Neugierde in mir auf. Jeden Tag befolgte ich unzählige Regeln, ohne es überhaupt zu bemerken. Achte darauf, dass du den Müll immer trennst, zur Schule, Arbeit etc. erscheinst du immer pünktlich, wobei pünktlich meistens ja fünf Minuten vorher sind, damit du dich vorbereiten kannst, Arbeitskleidung anziehen kannst usw. Im Zug darfst du nur auf den vorgegebenen Sitzen sitzen, da die erste Klasse eben teurer ist und der hintere Bereiches des Zuges ist für Fahrräder und Kinderwägen. Beim Decken des Tisches liegt die Gabel innen und das Messer außen. Auf dem Fußweg gehst du auf der rechten Seite, damit dich andere überholen können, selbst zu Fuß bleibst du auch um 3Uhr morgens, wenn niemand anderes am Straßenverkehr teilnimmt, an der roten Ampel stehen. Natürlich ist es sinnvoll Regeln zu haben, denn diese verleihen einem Sicherheit und Kontrolle und regeln das gesellschaftliche Leben. Doch auch, wenn diese Regeln oftmals Sinn für mich ergeben, regen sie mich an manchen Tagen auf. Ich bin frei und trotzdem ist meine Freiheit geregelt, was soll das denn? Ich merkte wie ich insgeheim mit ins Freibad gehen wollte. 16:42Uhr zeigte mir die Uhr auf meinem Handy an. Einige Stunden hatte ich noch Zeit bis zum Einbruch. Ich entschloss mich dazu spontan zu sein. Ich würde nichts in die Gruppe schreiben und entweder um 23Uhr am vereinbarten Treffpunkt sein oder mich schlafen legen.

Das Freibad war etwas außerhalb der Stadt. Es hatte nicht nur ein chlorhaltiges Schwimmbad mit Sprungtürmen draußen, sondern auch ein Naturbad. Wären wir lebensmüde gewesen, hätten wir auch nachts durch das Naturbad von dem Ufer, das nicht zum Schwimmbad gehört, schwimmen können. Da hätte ich allerdings gekniffen, denn ertrinken wollte ich vorerst nicht! Mit wachsweichen Knien trat ich in die Pedale um zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren. Die anderen warteten schon auf mich. „Wir haben darum gewettet, dass du nicht kommst Meinert“, begrüßte mich Tilo, der schon mehrere Male umsonst schwimmen gegangen ist. Ich war eine der glücklichen Persönlichkeiten, dessen Vorname aus dem Sprachgebrauch gestrichen wurde. Wann es angefangen hat, weiß ich nicht, aber so lange ich denken kann, werde ich mit meinem Nachnamen gerufen. Eigentlich dachte ich, dass das ein Privileg der Männer ist, die Fußball spielen. Bei meinem Bruder in der Mannschaft gab es zwei Tobias. Da ein Tobias automatisch Tobi genannt wird, mussten sie sich für den zweiten Tobi eben eine Alternative einfallen lassen. Den einen Tobias und den anderen Tobi zu nennen ist zu kompliziert, also hieß der andere seit dem Tag an nur noch Kreßmann. Ich spielte zwar nicht Fußball und war auch nicht verwechslungsgefährdet mit einem Namensvetter, aber ich heiße seit der 5. Klasse bei meinen Freunden nur noch Meinert. Während ich noch daran dachte, das selbst meine Eltern meinen Namen ebenfalls selten sagen, sah ich wie Tilo Annika den fünf Euro Schein überreichte, der wohl sein Wetteinsatz gewesen war. „Du schuldest mir fünf Euro“, sagte Tilo und setzte danach sein Standard Grinsen auf, bei dem man sich nicht sicher sein konnte ob er einen Spaß machte oder nicht. Eine kurze Weile schwiegen wir uns an, bis die anderen beiden eintrudelten. Wir waren zu fünft.

Johann, der regelmäßig ins Fitnessstudio geht, machte für uns die Räuberleiter. Allerdings sah ich ihm an, dass es selbst für ihn nicht so locker flockig war unser Körpergewicht zu halten wie er es anfangs behauptete. Zugegebenermaßen könnte das auch daran liegen, dass wir auch keine hilfreiche Körperspannung an den Tag (oder eher an die Nacht) legten. Außerdem hatte ich eine leichte Höhenangst, die mir in solchen Momenten nicht zugute kam. Es war mein erstes Mal über einen Zaun zu klettern, der deutlich größer war als ich. Nach ein paar Anläufen stand ich endlich auf der anderen Seite des Zaunes. Nach gefühlten Ewigkeiten hatten es die anderen dann auch geschafft, denn ich wurde ungeduldig. Wie viel Zeit blieb uns, bis es jemand bemerken würde? Vielleicht war es nicht schlau einen Schwimmbadeinbruch an einem Wochenende zu planen, wo es durchaus öfter als in der Woche vorkam, das Menschen um diese Uhrzeit noch unterwegs sind. Die Gruppe steuerte direkt auf die Sprungtürme zu. Meinetwegen hätten wir auch wieder umkehren können, das Grundstück illegaler weise zu betreten, hatte mir schon für den Kick gereicht. „Jetzt sind wir schon Mal hier, da können wir auch schwimmen gehen. Der ganze Aufwand würde sich sonst gar nicht lohnen“, sagte Annika, die mein Unwohlsein bemerkt hatte und mich versöhnlich an die Hand nahm, um mich in die Richtung der Gruppe zu ziehen.

Für alle Fälle hatte ich mir ein Sandwich mitgenommen, was ich mir gönnte, während die anderen einen Salto nach dem anderen von dem Sprungturm machten. Selbst Tilo schaffte es nach dem 2. Rückenklatscher einen vernünftigen Salto hinzulegen. Denn seine große Klappe, konnte seine Unbeweglichkeit nicht kaschieren. Man konnte ihnen ansehen, dass sie das nicht zum ersten Mal machten. „Meinert, jetzt bist du dran!“, rief jemand vom Sprungturm. Es war ziemlich dunkel und zu schwach beleuchtet, dass ich nicht erkennen konnte, wer auf dem Sprungturm stand. Mir war klar, dass dieser Spruch irgendwann kommen würde, aber es war schließlich auch meine eigene Schuld. Ich hätte mich auch einfach schlafen legen können. Wobei ich von mir selbst bis dahin erstaunt war, dass ich ihn Ruhe mein Sandwich essen konnte, ohne rumzunörgeln nach Hause zu wollen. Der Einbruch fühlte sich nicht an wie einer, was mich ernsthaft wunderte. „Was soll’s, sie werden eh nicht locker lassen, das Sandwich kann ich auch später aufessen“, ergab ich mich meinem Schicksal. „Mensch, so kennen wir dich gar nicht – ohne Widersprüche. Gut, dass ich diesmal keine Wette abgeschlossen habe. Du komische Braut..“,sagte Tilo noch und ging dann den anderen hinterher, die sich eine Pause auf den Handtüchern gönnten. Ich kletterte die glitschig, nasse Leiter nach oben. Die fünf Meter waren für mich schon eine enorme Überwindung. Ich kniff die Augen zu, als ich auf dem Sprungbrett angekommen war. „Los, du schaffst das“, schrie Annika vom Handtuch aus in meine Richtung. Schön, dass sie noch den Druck erhöhte. Ich fühlte mich wie in einem schlechten Teenie Film, wo die sonst ausgegrenzte Person bei den Machenschaften der beliebten Leuten mitmachen darf und die Filmemacher zeigen wollten in was ein Dilemma sich die Person durch den Gruppenzwang verirrt und sich am Ende wahre Freunde sucht. Der Unterschied war, dass meine Freunde einfach eine Neigung zu unnötigen Gefahrensituationen haben und ich mich selbst in für mich unangenehme Situationen begebe. Keiner hat mich gezwungen mitzukommen. Ein Meinert sollte auch mal „Nein“ sagen können, aber ich schien es wohl noch nicht kapiert zu haben, wann die Zeit für ein „Nein“ gewesen wäre. Das traurige daran ist, dass mir die Höhe mehr Angst bereitet als ein Einbruch in ein Schwimmbad. Habe ich vielleicht doch eine kriminelle Energie?
„So langsam wird’s echt langweilig, mach mal hin da oben!“, schaltete sich Johann ein.
Ich tastete mich langsam nach vorne, versuchte mir einzureden, dass die anderen den Sprung auch überlebt hatten. Vermissen würden sie mich, wenn ich bei dem Sprung sterben würde und meine Leiche an diesem Bade-Spaß-Ort im Wasser umherschwirren würde. Würde auf meinem Grabstein dann als liebevolles Andenken nur mein Nachname stehen? „Reiß‘ dich zusammen“, murmelte ich laut vor mich hin. Nur noch ein Schritt nach vorne trennte mich von dem Fall in die Tiefe. Den Gedanken die Treppe wieder runterzuklettern war genauso schlimm, denn wenn ich dort fallen würde, würde ich nicht in einem Becken voller Wasser landen, sondern im schlimmsten Fall mit meinem Steißbein auf dem Betonboden landen. „Du musst!“, dachte ich. Kurz überlegte ich noch ob ich die Augen zu oder auf machen sollte. „Du lässt sie auf! Es kommt nicht alle Tage vor, dass du dich deiner Höhenangst stellst, dann schau‘ dir zu mindestens bei dem Erfolg zu.“ Die Entscheidung ist gefallen. Mit aller Kraft stieß ich mich vom Sprungbrett ab und verließ mit meinen Füßen den Erdboden. Doch anstatt innerhalb von Sekunden das Nass an meinen Zehenspitzen zu fühlen, sah ich wie mein Körper in der Luft stand. Ich fiel nicht wie es das physikalische Gesetz der Gravitation vorschreibt, sondern ich schwebte ganz gemächlich in Richtung des Erdbodens. Ist das illegal als nicht diplomierter Physiker gegen die Naturgesetzte zu verstoßen? Wie ist das nur möglich?
Direkt biss ich mir in meine Hand. Nichts veränderte sich, es waren nur noch ein paar Zentimeter bis ich auf der Wiese landete. Ich träumte nicht verdammt. Zur Sicherheit zwickte ich mir in meine Wange, riss die Augen auf und ich sah meinen Körper in der Luft schweben. Ich konnte es nicht fassen, doch ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass ich keine Drogen eingenommen hatte. Selbst die Himbeeren im Smoothie gegoren wären und von einem Magic Mushroom Pilz befallen wären, könnten sie nicht derartige Halluzinationen hervorrufen. Verzweifelt versuchte ich zu verstehen, was mit mir passierte und ob ich nun komplett durchdrehte. Wie ein Vogeljunges fuchtelte ich mit meinen Armen in der Luft herum, als könnte ich damit die Richtung, in die ich fliegen wollte, steuern. „Lass mich wieder runter!“, wollte ich rufen, doch wen konnte ich beschuldigen? Wie fremdgesteuert schwebte ich zu meiner Erleichterung weiter in Richtung Erdboden.
Als meine Füße wieder auf dem festen Boden standen, musste ich mich erstmal sammeln. Verwirrt stapfte ich zu meinen Freunden zurück, während ich mir eine Lüge überlegte. Mein erster Gedanke war einfach nichts zu sagen und zickig auf die Frage, ob ich gesprungen sei, zu reagieren. Die Wahrheit würde mir niemand abkaufen.
Ich gestand ihnen die Treppe wieder runtergeklettert zu sein. „Wir haben dich gar nicht die Treppe runtergehen sehen. Bist du nicht sogar gesprungen?“, fragte mich Annika. „Du bist doch gesprungen, nur es war gar kein Wassereinschlag zu hören“, fügte Tilo noch erstaunt hinzu. „Nein, ich wollte springen, hab mich aber im letzten Moment dagegen entschieden. Ich dachte ich packe es, aber ich konnte mich einfach nicht überwinden. Was redest du überhaupt für einen Quatsch?“, entgegnete ich, „von hier kann man das doch kaum sehen, ihr habt es euch wohl so sehr gewünscht, dass ihr euch das schon einbilden wolltet.“ Ich schaute in prüfende Gesichter, die aber wohl keine Lust auf eine weitere Diskussion hatten. Erstaunt von der Leichtigkeit eine Lüge über meine Lippen zu bringen, setze ich mich auf mein Handtuch. Die anderen waren wirklich leicht zu überzeugen, doch was mache ich jetzt?

Gestern war ein wirklich komischer Tag. Nachdem wir das Schwimmbad wieder verlassen hatten, trennte ich mich von der Gruppe mit der Begründung Kopfschmerzen zu haben und nach Hause zu wollen. „So schlimm ist es auch nicht, dass du nicht gesprungen bist“, lenkte Tilo ein, der meinen Vorwand durchschaut hatte, aber ich beharrte auf den Kopfschmerzen und fuhr in die Richtung meines Zuhauses. Statt wirklich direkt ins Bett zu gehen, kletterte ich Zuhause auf unseren Apfelbaum. Wenn ich im Schwimmbad nicht nur halluziniert habe, dann müsste ich ja theoretisch auch von unserem Apfelbaum herunter schweben können. Gesagt, getan. Es fühlte sich zwar eher wie ein Selbstmordkommando an, da es eine sehr abwegige Idee ist sich von einem Baum zu stürzen, um zu testen, ob die Superkraft „Fliegen“ für die Menschheit ab hier und ab heute existiert oder nicht. Schlimmsten Falls würde ich mir ein paar Knochenbrüche zulegen und besten Falls würde ich fliegen können. Meinem unspektakulären Leben, was ich sehr liebe, könnte ich dann Adieu sagen. Ich hatte einen Frosch im Hals, musste mich ständig räuspern. Bis zum Morgengrauen würde ich auf dem Boden liegen mit sämtlichen Knochenbrüchen, wenn mich meine Eltern aus dem Haus nicht hören. Haben sie ihr Schlafzimmerfenster offen stehen gelassen? Für eine kurze Sekunde überlegte ich ins Haus zu gehen und nachzuschauen, sodass ich nicht eine ganze Nacht auf unserem ungemähten Rasen liegen müsste, wenn ich nicht fliegen könnte. Wie das klingt- als wäre es wirklich realistisch, dass ich fliegen könnte. Das ist absurd. Meine Füße suchten schon den absteigenden Ast zum Erdboden, doch meine Arme argumentierten gegen die Füße, klammerten sich an dem oberen Ast fest, um mir die Entscheidung zu erschweren. „Soll ich so verrückt sein, meinen Halluzinationen glauben und springen?“, sprach ich die Frage laut aus.

Samstag
Als kleines Mädchen hatte ich Wellensittiche als Haustiere. Heutzutage finde ich es bedenklich Wellensittiche in einem Wohnzimmer zu halten, selbst wenn der Käfig eine angemessene Größe hätte, was er niemals hat. Hielt ich die Vögel gefangen, weil ich neidisch war, selbst nicht fliegen zu können? Mit dem Argument, dass die Tiere nicht in ihrem natürlichen Lebensraum sind, könnte man sich gegen jede Art von Haustier aufbäumen, aber das ist es gar nicht. Es geht mir speziell um die Vögel, deren Fortbewegungsmittel einfach still gelegt wird durch die Stangen des Käfigs. Auch die eine Stunde am Nachmittag, wo die Vögel dann das Wohnzimmer zum Rumfliegen nutzen konnten, brachte sie der Freiheit auch nicht näher. Was für ein trauriges Wellensittich Leben, ohne dass die Wellensittiche überhaupt wussten, das außerhalb der Scheibe ein ewig andauernder Freiflug möglich wäre. Menschen fliegen nicht. Menschen träumen nicht fliegen zu können, denn es ist evolutionsbiologisch nicht möglich. Menschen haben keine Flügel, also können sie nicht fliegen. Vögel haben Flügel, können fliegen, aber als Haustier sollen sie nicht fliegen, damit sie bei ihrem Besitzer bleiben.
Die Komik an der Geschichte ist, dass ich mich jetzt wie mein Wellensittich Stitchi fühle. Für mich gibt es keinen offensichtlichen Käfig, denn ich kann nicht offensichtlich fliegen. Dachte Stitchi nicht auch daran eines Tages einen Freiflug machen zu können, ohne gegen eine Scheibe zu fliegen? Öffentlich zu zeigen, dass ich etwas außerhalb unserem logischen Wissenstandes Zustande bringe, ist nicht möglich. Die erste Reaktion wäre sicherlich, dass ich ausgelacht werden würde. Wenn ich dann bewiesen hätte, dass ich fliegen kann, würde es vorerst geleugnet werden. Dann würde sich die Neugierde einschalten und dann würde geforscht werden. Meine Menschenqualitäten würden in den Hintergrund gerückt werden, denn ich wäre ab dem Zeitpunkt ein Forschungsobjekt. Vielleicht würde sogar die Frage aufkommen, ob ich überhaupt noch ein Mensch wäre, denn Menschen können nicht fliegen. Wäre ich dann ein Vogelmensch? Oder würde ich einen komplizierten lateinischen Namen zugeschrieben bekommen und wäre dann ein Homo vogulus meinertfluegelus? Das wichtigste wäre Regeln und Gesetze zu verabschieden. Ich könnte jederzeit in den Flugraum eindringen und den Flugverkehr gefährden. Wenn eine Drohne schon angemeldet werden muss, wäre ein 1,60 Meter großer Homo vogulus meinertfluegelus ein größeres Problem. Wenn ich dann noch eine Kamera in der Hand hätte beim Fliegen wäre ich schon fast als gefährlich einzustufen, da ich Spionage betreiben könnte. Der deutsche Geheimdienst würde mir auf die Spur kommen, mich zu Spionage Zwecken „rekrutieren“ und mich nach Amerika, Nord Korea und Russland schicken. Abhörgeräte sind out, da könnten sie doch einfach auf den Vogelmenschen zurückgreifen. Von außen sehe ich so unscheinbar und unauffällig aus wie immer, obwohl ich in Wirklichkeit der neue Spionage Kampfjet wäre. Falls die deutsche Regierung kein Interesse an mir hätte oder gar Angst vor mir hätte, würde ich sicherlich eine Schlagzeile in der Zeitung bekommen und in die Psychiatrie geschickt werden. „Sie behauptet fliegen zu können“ und dann fälschen sie ein Video, was sie als Quelle angeben, auf dem sich jemand von einem Garagendach stürzt und sich schwer verletzt, anstatt zu fliegen. Die Leute würden den Artikel schneller vergessen als die leere Milch im Kühlschrank, mit dem Kopf schütteln und sich dem Sportteil der Zeitung widmen, während ich darum bitte wieder ganz normal in Schwimmbäder einbrechen zu können wie jeder normale Jugendlicher auch.
Oder sie würden mich an die Wissenschaft verkaufen, wobei besser gesagt meine genetischen Codes, damit wir unsere Rasse soweit modifizieren könnte, sodass bald jedes neugeborene Kind fliegen kann. Ich merke wie mein Nacken schmerzt, da ich ununterbrochen in das Blau des Himmels starre, so als würde ich mich in eine Hypnose versetzen wollen. Selbst wenn ich ab heute fliegen kann, werde ich dieses unendliche blau, was uns nicht in die Galaxie schauen lässt, niemals durchdringen können. Ich atme hörbar aus, denke ein letztes Mal an die Folgen meiner Verwandlung in einen Vogelmenschen. Das, was mich wohl am meisten stören würde, wäre, dass ich nie wieder eine Ausrede hätte zu spät zu kommen. „Vor mir ist eine Entenfamilie geflogen, die nicht auf die von mir berechnete Mindestgeschwindigkeit gekommen ist, um pünktlich zu kommen. Was sollte ich machen, ausweichen? Das ist unmöglich, da es nur diese eine Flugbahn zur Schule gibt“, würde ich verzweifelt rumdrucksen und dann doch nachsitzen müssen. Außerdem müsste ich bestimmt andauernd für meine Eltern einkaufen fliegen und ja, es wäre umweltfreundlicher, aber sicherlich nicht rückenschonend für mich. Irgendwann hätte ich einen Einkaufsbuckel und die Leute würden mich erst Recht für verrückt halten. Dann bräuchte ich mir nur noch einen Besen zwischen die Beine zu klemmen und ich wäre die stadtbekannte Hexe. Doch was wäre, wenn ich fliegen könnte, ohne dass es die von Regeln gefesselte Gesellschaft mitbekommt?
Meine Entscheidung ist gefallen. Meine verrückten, regelfernen Freunde werden diejenigen sein, mit denen ich das Fliegen teilen werde. Anstatt mir das Leben mit einer kompletten Geheimhaltung zu erleichtern, erschwere ich es mir wahrscheinlich eher damit, dass ich es ihnen erzähle, aber sie wissen so gut wie alles über mich und ich über sie. Es wird sicherlich damit enden, dass meine Freunde sich neue Mutproben für mich ausdenken, die über einen Schwimmbadeinbruch hinaus gehen werden. Mutproben im „Spring mit verbundenen Augen von der Sporthalle“ Kaliber werden sicherlich in Erwägung gezogen, denn Mutproben gehören zu unsere Freundesgruppe dazu wie die Erdbeere zu den Nüssen – es ist absurd und man würde es auf den ersten Blick nicht erwarten, aber es ist eine unveränderliche Eigenschaft der Gruppe.
Dicht halten werden sie hundertprozentig, denn im Gegensatz zu den anderen Menschen, die ich kenne, geht es meinen Freunden nicht um Aufmerksamkeit oder um „Coolness“, sondern lediglich darum in unserer Gruppe Spaß zu haben. Selbst wenn sie es jemand anderem erzählen würden, dann denke ich, dass ihnen eine blühende Fantasie zugesprochen werden würde. Soweit würde es aber nicht kommen.
Ich dachte noch an meine Nacht und Nebel Aktion, in der ich vom Apfelbaum gesprungen bin und unversehrt, voller Adrenalin in meinem Bett lag und mir die Welt nicht mehr erklären konnte und tippte eine Nachricht in unsere Schwimmbad Gruppe. Heute um 23Uhr am Schwimmbad werde ich die Schulphysik und die Naturgesetze widerlegen, das Weltbild meiner Freunde erschüttern und mein neues Doppelleben begrüßen. Glücklich greife ich nach dem Wasserglas und puste in das Glas, sodass die Blubberblasen meine Nase kitzeln konnten. Die Menschheit schreibt viele verrückte Geschichten, doch ich würde mein Geheimnis ihr vorbehalten, denn ich wollte frei sein.

Festivallaune

Liquicity 18

Eine neue Art von Urlaub

Der Festivaltrend zieht sich durch viele Länder und lässt Festivals wie z.B. Tomorrowland stetig wachsen. Tausende von Menschen strömen zu riesige Feld- oder Betonlandschaften, zu Wiesen oder zu Flugplätzen, die in eine Festivallandschaft verwandelt werden. Die Stages sind oftmals richtige Kunstwerke, die einen individuellen Spirit verbreiten mit ihrer Architektur, Beleuchtung und ihrer Größe. Selbst einfach gehaltene Stages werden mit spacigen Festivalgänger mit Ganzkörperanzügen, Glitzer Make-Ups, Zauberstäben, Seifenblase, Jogginghosen, Tüllröcken, Gummistiefeln, Bandanas, Gesichtsaufklebern, Feenflügel, Blumenketten, Cowboyhüten, Pailettenjacken, Latzhosen, Capes, Kronen (uvm.) geschmückt. Natürlich laufen auch „normal gekleidete“ Leute übers Gelände, die genau wie Glitzerfanatiker ihr Teil zur Festivalgemeinde beitragen, auch wenn es nur ein Lächeln auf dem Gesicht ist. Wenn das Lächeln für kurze Zeit verschwindet, wenn man an dem Bereich der Dixi-Klos vorbeigeht, so kommt es beim Fühlen der Bässe und der Musik schnell wieder zum Vorschein. Die Festivalluft ist durchmischt mit dem miefigen Geruch der Campingplätze, , dem Schweiß der tanzenden und grölenden Menge, dem Qualm tausender Kippen, dem Duft der Essensbuden und dem Geruch der umliegenden Natur – was gibt es schöneres?

Karussell aufm Festival 

#Festivalvibes

Ist man auf einem Festival, lebt man für einige Tage in einer Alternativwelt, in der man frei und ungezwungen ist. Es ist eine Art Hippielifestyle, den man als Festivalgänger lebt. Egal wer du bist, du bist aufgenommen in die Festivalgemeinschaft, denn du bist mit jedem einzelnen durch deine Leidenschaft zur Musik verbunden. Die Musik ist das Bindeglied und das,was die Massen bewegt. Alle lassen ihre Hüften schwingen, reißen ihre Arme indie Luft und atmen die „positive Vibes“ ein.

Auf meinem letzten Festival habe ich getanzt als würde ich das letzte Mal in meinem Leben tanzen. Ich muss ausgesehen haben wie eine wildgewordene Irre, die ihren Körper nicht mehr kontrollieren kann, aber ich habe nichts wahrgenommen außer der Musik und der Bewegungen der Massen in dem riesigen Zelt. Neben mir tanzte ein Mädchen, das genauso durchgeschwitzt war wie ich und das mich glücklich anlächelte. Es ergab sich, dass wir mit einigen anderen in einer Art Kreis tanzten. Es hat unglaublich Spaß gemacht mit diesen fremden Menschen das Gleiche teilen zu können, obwohl wir uns nicht kannten. Ich kannte weder ihre Namen noch konnte ich ihre Sprache sprechen, aber durch diesen gemeinsamen Moment, waren wir kulturunabhängig und schwebten in einem Raum ohne Barrieren. Ich fühlte mich als ein anonymer Mensch unter Tausenden, aber ich  fühlte mich nicht einsam – eher im Gegenteil. Gedanken wie „Was denken andere über mich?“, fallen weg, denn niemand stellt Erwartungen an dich, wer du bist oder was du machst, zu Mindestens dachte ich mir das, denn im Alltag habe ich oft das Gefühl, dass mich dieser Gedanke mich hemmt in meinem Tun . Du kannst einfach sein.  
Das Wichtigste ist jedoch, dass du die Reise mit Personen antrittst, denen du vertrauen kannst, denn selbst in dieser friedlichen Atmosphäre braucht es jemanden, auf den man sich verlassen kann. Freunde machen ein Festival erst komplett.
Wenn ich mich sicher und vertraut fühle, dann kann ich das auch selbstbewusst nach außen tragen. Die Anonymität in der Masse kann ich aufrechterhalten, ohne mich einsam zu fühlen oder ich kann sie abstreifen wie eine Hülle und mich nach außen öffnen. Es ist ein Tanz zwischen Abgrenzung und Annäherung, zwischen Vertrautheit und Fremdheit, zwischen Zaghaftigkeit und Neugier. Ich kann mich von der Welle tragen lassen und weiß zugleich, dass ein kleines Boot hinter jeder Welle wartet und mich zurück ans Ufer bringt, wenn es mir zu viel wird. 
Doch wenn du tanzt denk‘ nicht nach, sondern lebe den Moment! 
Beim Tanzen lässt man die Musik aus seinem Körper auf die Tanzfläche strömen,während man beim Singen die Musik einatmet und durch seine Adern fließen lässt. Normalerweise singe ich unter der Dusche oder im Auto zur Musik meiner Musikbox(weil Radiomusik ist nur in Ausnahmefällen erträglich), aber auf einem Festivalgibt es kein „Ich traue mich nicht“. Wie in einem Bällebad lässt man sich in die Melodie hineinfallen. Wie in einem Rausch bewegt sich mein Körper durch das Vibrieren des Bodens und durch der durchdringende Bass, der in meinem Zwerchfellabgefangen wird. 

Kein Druck lastet auf mir, ich kann einfach loslassen, unkontrolliert ich selbst sein.

Zwischen Glücksgefühlen und Dixi-Klos

Die Füße sind taub vom Tanzen, die Klamotten sind bis auf die Unterhose nass geschwitzt, die Dosenravioli sind in deinem Magen geblieben und alle sind glücklich und zufrieden.
Das ist das Geheimnis der Festivalgemeinde – alle kommen aus dem Grund eine gute Zeit zu haben. Seien es die Künstler, die meist eine grandiose Bühnenshow hinlegen oder der freundliche Zeltnachbar, der auf ein Bierchen vorbeikommt. Es ist ein Ort der „Free Hugs Schilder“ und der guten Laune.
Natürlich sind Festivals ebenso Orte, wo man sich über Dixi Klos aufregt (die man sich mit tausenden Menschen teilen muss), sieht wie abschreckend Drogenkonsum sein kann, Mitleid mit den Sanitätern hat und wo man sich wünscht, dass das Frischegefühl nach der Dusche länger anhält. Das Duschen ist je nach der Organisation eines Festivals ein Grauen oder ein Geschenk. Doch selbst wenn die Duschen nicht den eigenen, hygienischen Ansprüchen entspricht, dann ist es in dem Fall egal. In dem Moment, wo das Wasser den Körper hinunterläuft, fühlte ich mich jedes Mal wie neugeboren, denn für einige Zeit roch ich nach Blumenduft, anstatt nach Schweiß.
Im Zelt miefte es am nächsten Tag nach verbrauchter Luft, die einem in der Nacht jegliche Flüssigkeit aus dem Körper gesogen hat, sodass ich mit einer staubtrockenen Kehle und geschwollenen Augen aufwachte. Außerdem sind die Zeltnachbarn eine Partygemeinde für sich geworden, die bis spät in die Nacht Randale auf dem Zeltplatz gemacht haben, was vielen anderen den Schlaf gekostet hat.
Doch ohne dieses Campingerlebnisse, über die ich am Ende des Tages immer lachen kann, wäre es nicht das Gleiche! Das gehört zu dem Festival-Hippie-Lifestyle dazu.

Zu guter Letzt gibt es bei mir meistens noch ein selbstgemachtes Phänomen, was mich jedes Mal wieder auf die Palme bringt. Meine Festivaltasche ist wie mein Urlaubskoffer vollgepackt bis beinahe der Reißverschluss aufplatzt und trotzdem vergesse ich meistens die wichtigsten Dinge. Hauptsache ich habe alle meine Schminksachen und meinen Festivalschmuck dabei, alles andere fügt sich schon. So dachte ich zu Mindestens, als ich meine Tasche packte, was mich abends im Zelt wieder eingeholt hat, da ich meine Fleesedecke vergessen habe und gefroren habe.
Was tut man nicht alles für ein Outfit mehr in der Tasche?
Mit dem Festival- Hype entstehen auch neue Fashion Styles.
Je auffälliger, verrückter, bunter, detailreicher,aufregender, desto besser, oder? Das ist sicherlich Geschmackssache, aber die künstlerischen Outfits oder extravagantes Augen-Make-Ups geben der Festivalgemeinde einen unvergesslichen Touch. Wie ein Besucher im Museum schlenderte ich über die umfunktionierten Äcker und betrachtete aufwendig gestylte Menschen, die wie Figuren in einem Kunstwerk vor mir erschienen sind. Einerseits wirkt es surreal auf einer umgewandelten Kuh- oder Pferdeweide gestylte Frauen und Männer zu sehen, die den Acker mit sich im Takt bewegenden Schritten ebnen, andererseits hat dieser vereinte Gegensatz von Natur und kreierter Künstlichkeit eine inspirierende Wirkung auf mich, gerade weil es nicht ins Bild passt. 
Anmerkung:Die Fashionstyles sind natürlich festivalabhängig, denn auf anderen Äckern muss man sich gegen die willkürlichen Wetterlaunen rüsten – raus mit den Gummistiefeln, der Regenjacke und der Buddelhose und rein in die Schlammschlacht!
Anstatt einer Glitzerwelt und Feenstaub, gibt es hier nur Schlamm im Stiefel und Alkoholfahnen aufm Acker! 


Denk an all‘ das, was dich glücklich macht und lass‘ das Kribbeln in dir leben wie dein Lieblingssong in deinem Kopf. 

Kritik und Kultur

„Was machen die Menschen schon auf Festivals außer Tanzen, Drogen nehmen und Müll hinterlassen?“
Schattenseiten hat jeder Trend und es stimmt, dass keine innovativen, intellektuell hochwertige Diskurse ausgetragen werden, die die Welt verändern. Der ein oder andere nimmt Drogen und räumt seine Plastiktüten nicht weg, sondern lässt sie liegen, was ziemlich schade ist oder klaut auch Wertgegenstände anderer. Nicht jeder achtet auf seine Mitmenschen, die Umwelt oder auch auf sich selbst, aber das ist Bestandteil des Alltags und der Festivaltage zugleich, was verbesserungsbedürftig ist, um es freundlich zu formulieren. Das auszublenden wäre eine sehr starke Verzerrung dieser Art von Festivität, da es nicht nur einen Blickwinkel auf diese Freizeitaktivität gibt. Dieser „Urlaubs-Trend“ist kritisch zu betrachten meiner Meinung nach wie so viele, beispielsweise wie der boomende Kreuzfahrttourismus. Als Teilnehmer dieser Veranstaltung kann ich für mich selbst nur darauf achten meine sieben Sachen bei mir zu behalten, meinen Müll wegzuräumen und dankbar dafür zu sein mir diese drei Tage voller Konzerte gönnen zu können.  

Einerseits können Festivals eine Partyszenerie im „Project X“ Stil sein, andererseits sind sie auch kulturelle Großveranstaltungen (im traditionellen Sinne auch Festspiele)*.
Sind sie eine Art interaktive Kulturveranstaltungen? Eine Mischung aus Kirmes, Konzerte und Campingplatz ist ein Festival, an dem Festivalgänger in jeder Hinsicht teilnehmen können und ihre Zeit in der mehrtägigen Inszenierung selbst gestalten können. Es ist eine Flucht aus der ernsthaften Realität und lässt einen in eine neue Realität eintauchen, die permanent auf Spaß ausgerichtet ist. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Dort tanzen die Fans vor der Stage, da hinten kreischen andere ihr Adrenalin aus dem Körper raus, während sich das Fahrgeschäft in atemberaubender Geschwindigkeit um die eigene Achse dreht und am Ende des Geländes sitzen mehrere Freundesgruppen auf ihren Campingstühlen, sippen an ihren Bierdosen und kochen Nudeln auf einem Campingkocher. Wo du auch hinschaust, es macht sich eine Zufriedenheit breit, die auf der Liebe zur Musik gründet. Musik ist eins der wichtigste kulturellen Erben, die von Generation zu Generation weitergetragen werden und die über soziale Konstruktionen wie z.B. Nationalitäten hinaus gehen. Ein Festival ist eine Plattform für den Austausch von Musikliebhabern, Musikkultur und Entertainment.

Hurricane ’17

Was ist diese Zeit für mich?


Die dreitägige Festivalzeit ist eine intensive Zeit, da man quasi Extremsport betreibt  und zugleich von Eindrücken überschüttet wird, weswegen Festivals auch nur temporäre Vergnügen sind. Drei Tage Festival sind vollkommen ausreichend für den Körper (und vor allem für die Ohre, Stimmbänder und Füße), jedoch habe ich jedes Mal neue, unvergleichliche Erinnerungen geschaffen, die kein Strandurlaub je ersetzen könnte. Die ganze Zeit an der frischen Luft Spaß haben, lässt den Kopf frei werden.
Für mich ist die Festivalkultur, die die empfundene Normalität der eigenen, kulturellen Gesellschaft  verwischt und eine neue Diversität von Kulturen zusammenfügt, eine Art Friedenszeit. Die Festivalkultur entsteht durch die Festivalgemeinde, deren Teilnehmer als Grundvoraussetzung die Liebe zur Musik teilen, wodurch eine direkte Verbundenheit resultiert, was das kurzweilige Zusammenleben ungezwungen und locker gestaltet.  Vor den Bühnen, in unmittelbarer Nähe zu den Stars und ihrer Musik, können alle beim Tanzen und Mitsingen Dampf ablassen und Party machen, wonach die meisten durch die körperliche Aktivität ziemlich ausgeglichen sind, was ebenfalls zu einer entspannten Atmosphäre beiträgt. 
Sicherlich ist man abeschnitten von der Außenwelt, die sich mich ernsthaften Problemstellungen auseinandersetzt, aber gerade in dieser friedlichen Atmosphäre kann ich reflektieren was sich in dieser Außenwelt, in der ich lebe, abspielt und wie der friedliche Aspekt der Festivals in diese Welt mitgenommen werden kann. 
An Festivaltagen scheinen alle Anwesenden, die sich zu der Festivalmasse zugehörig fühlen, auf ihre Gemeinsamkeiten zu achten, anstatt auf ihre Unterschiede fokussiert zu sein.  
Wie können wir unseren Alltag mit dem Festivalgefühl der Ausgelassenheit und Freiheit schmücken?


Liquicity 18

*https://www.duden.de/rechtschreibung/Festival