Dinner for one – Pastaprobleme

Wenn ich in diesem Sommer nicht kraftlos unter unserem Ventilator auf der Couch gelegen habe, dann habe ich schöne Sachen erlebt.
Bis mein Studium im Oktober beginnt, hatte ich demnach Zeit mir vorzunehmen, was ich will. Zuerst war das ein seltsames Gefühl keine Verpflichtung zu haben. Wie fühlt es sich an jeden Tag Wochenende zu haben? Ich bin es nicht gewöhnt nichts zu tun und mir graulte es ein wenig davor. Wofür würde ich jeden Tag aufstehen?
Von Zeit zu Zeit war es für mich einfacher an mir vorbei zu leben, denn in meiner Freizeit wollte ich mich nicht mehr mit mir beschäftigen, da der Alltagsstress mir schon genügte. Wieso sollte ich mir zusätzlich emotionalen Stress aufbürden?  Ich merkte wie ausgelaugt ich war, denn ich brauchte Ruhe. Diese Ruhe wollte ich mir jedoch nicht geben. Zweifel an meiner Routine wollte ich einfach nicht zulassen, denn dann würde ich zu viel nachdenken. Der einzige Weg auszubrechen, wäre es, mir eine Veränderung zu schaffen, doch ich wollte nicht aus meinem sicheren Versteck kriechen. Diese Gedanken überforderten mich. Ich fühlte mich machtlos und feige, doch ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte, um aus meinem Versteck zu kommen. Hinterfrage ich einen Bereich in meinem Leben, geraten die anderen ebenfalls ins Wanken.
So dachte ich zu Mindestens vor einigen Monaten…

Meine Freizeit, die im Juli begonnen hat und bis Oktober weiterhin anhält, war der „Day One“ als mein neues Ich.  Ich erstellte mir im Kopf einen Schlachtplan. Die wichtigste Frage, die mich seit dem jeden Tag begleitet, ist: „Was will ich wirklich?“ Und ich merkte wie schwierig das ist. Wie kann ein Mensch, der vor dem Supermarktregal steht und nicht weiß ob er die kleinen Fussili Nudeln oder die langen Spagettinudeln essen möchte und deswegen bestimmt fünf Minuten vor dem Regal steht, entscheiden wie das Leben in den nächsten Monaten weitergehen soll?

Denn wenn ich die Fusilli Nudeln nehmen sollte, dann würde ich keine Tomatensauce machen wollen, denn dafür würde sich die Spagettinudeln besser eignen. Allerdings würde ich dann einen Auflauf machen müssen, wofür ich mich für weitere Gemüsesorten entscheiden müsste, was das ganze verkomplizieren würde. Also würde ich klassische Spagetti mit Tomatensauce essen. „Oder will ich doch lieber einen Auflauf machen? Mein Appetit lenkt mich eher zum Auflauf mit einer hellen Sauce und Brokkoli als Gemüse hin, aber ist es mir der Aufwand dann wert nochmal zur Gemüseabteilung zu laufen, wo ich eben erst war?“, würde ich mir denken, während ich beide Nudelpackungen in der Hand halten würde.
Diese Gedankenschleifen könnte ich ewig weiterführen, aber das würde zu Nichts führen und erst Recht nicht zu einer Entscheidung. Das Nudeldilemma veranschaulicht den Schwierigkeitsgrad, der besteht, wenn eigene Entscheidungen abgewägt werden müssen. Im Nudelfall könnte ich einfach beide Nudelsorten kaufen und mich später entscheiden, aber am Ende kann es nur ein Gericht werden, was ich mir koche. Es ist wichtig dabei ein Ziel vor Augen zu haben. Wenn ich etwas kochen möchte, dann brauche ich ein Rezept. Normalerweise würde ich in einem Kochbuch nachschauen, um ein Rezept gewohnheitsmäßig nach zu kochen, aber es soll schließlich mein eigenes Rezept werden.

Das Wichtigste, was ich in Bezug auf Entscheidungen gelernt habe, ist, dass der Bauch meist der Schlüsselpunkt ist. Wie beim Essen und bei der Liebe, so gehen ebenfalls Entscheidungen durch den Magen. Wenn mein Bauch kribbelt und sich unbeschwert anfühlt, dann ist es ein gutes Omen für die Entscheidung. Wenn mein Magen sich allerdings etwas flau anfühlt und sich bei dem Gedanken zusammenzieht und erst später wieder entspannt, dann weiß ich, dass ich meine Optionen nochmal überdenken sollte. Dabei spielt auch die körperliche Verfassung eine große Rolle. Seitdem ich mich mehr auf die Bedürfnisse meines Körpers einstelle, habe ich das Gefühl auch etwas von ihm zurückzubekommen, denn vorher kämpften wir eher gegeneinander, als dass wir friedlich zusammenlebten. Natürlich gibt es Ausnahmen, jedoch bemühe ich mich bei meinen Entscheidungen neben meinem Bauchgefühl mein körperliches Wohlbefinden zu berücksichtigen, denn ich möchte mich rundum gut fühlen können. Mein Ziel ist es, herauszufinden, was mich glücklich macht und dieses Ziel werde ich ohne meinen Körper, an denen mein Gehirn (meine Seele, meine Gedanken, meine Persönlichkeit usw.) überlebensbedingt gebunden ist, nicht erreichen können. Meine Entscheidungen sind abhängig von meiner psychischen als auch physischen Verfassung, die ich intuitiv bewerte. Bin ich krank, bleibe ich Zuhause. Das ist die logische Schlussfolgerung. Wäre da nicht der Wille, der sich nicht klar herauskristallisiert. Will ich überhaupt Pasta essen oder muss ich mir doch ein Rezept für Pizza heraussuchen? Um meinen Willen zu verstehen, helfen mir Theorien nicht weiter. Was die Welt mir zu bieten hat kann ich nur ausmalen, aber wissen kann ich es erst, wenn ich sie gesehen habe. Wie heißt es doch gleich? „Probieren geht über studieren.“

Mein Rezept für diesen Sommer war es, so viel zu erleben wie es nur möglich ist, da ich keinen Idee aufschieben wollte . Das war meine Motivation nach der ich mein Rezept zusammenstellte, um mich glücklich zu fühlen. Kein Zeitfenster würde mich einschließen, denn meine Pläne, waren nur abhängig von meinen eigenen Entscheidungen. Vor einiger Zeit fühlte ich mich eingeengt von Verpflichtungen und meinen Funktionen unterlegen, doch nun sehe ich Pflichten als meine eigenen Entscheidungen an. Eingesperrt sein, kann ich nur von meiner Angst nichts außerhalb meiner Gewohnheiten zu finden, was ich kann und was mich erfüllt. Bringt mich diese Angst voran?
Diesen Sommer erkannte ich, dass ich jeden Tag nur für mich selbst aufstehe. Niemand würde mich aus dem Bett zerren können, wenn ich es nicht wollte, da nur ich den Entschluss fassen kann, jeden Tag erleben zu wollen. Die Angst vor meinen veränderten Verantwortungen  hat mich gestoppt, doch es ist meine alltägliche Herausforderung meine Angst beiseitezuschieben. Jeder Tag, den ich für mich annehme, ist der erste Schritt zu neuen Entscheidungen.  Bist du bereit für dein eigenes Rezept?

Und nun heißt es, die Ärmel hochkrempeln und bon Appétit!

New York, Baby!

Eine Stadt in denen alle Welt zu einer bunten Einheit verschmilzt. Die Hände in den Freiheitswind gereckt, den Hudson River bestaunend sehne ich mich nach dem Ende meines Abiturs. Endlich raus in die weite Welt! Neue Menschen, neue Emotionen und neue Blickwinkel des Lebens kennenlernen. Die Heimat verlassen und neue Länder hinter den Urlaubsbildern, Fernsehnachrichten und Erfahrungsberichten auf eigene Faust erkunden. Das Leben wartet! Ob ich bereit für diese Art von Verantwortung bin? Ich weiß es nicht, aber ich werde alles in meiner Macht stehende versuchen, um mein Leben selbst gestalten zu können.

New York ist für mich representativ für Amerika in dem Sinne, dass die Menschen trotz ihrer hohen Bevölkerungsanzahl und trotz ihrer Unterschiede emtional gebunden sind. Die Liebe zu ihrem Vaterland ist spürbar. Überall hängt die amerikanische Flagge, überall werden die Feriertage wie der Independence Day oder der St. Patricks Day ausgelassen gefeiert. Am Ground Zero habe ich das Leid nachempfunden , was die Amerikaner durchleben mussten. Dieser 11. September hat das Land verändert, die Menschen trauern lassen, die Angst vor Anschlägen verstärkt, das Misstrauen erweckt, aber auch die Menschen zusammenwachsen lassen, eine Einheit geschaffen und eine unendliche Kraft von Hilfsbereitschaft und Hoffnungsgebern erweckt. Damit möchte ich Amerika nicht in den Himmel loben – überall auf der Welt ist es verbesserungsbedürftig. Gewalt,Hass und Rassismus müssen weiterhin bekämpft, eine Grundlage für Arbeitlsose sollte geschaffen werden etc., aber der Eindruck vom Urlaub war weitgehend positiv. Auf dem New Yorker Time Square war an dem einen Tag zB. eine Demonstration für „Justice“ gegen „Brutality of the Police“ gegenüber den Schwarzen, die einfach ergreifend war, weil alle Menschen dort, ob schwarz oder weiß, sich einfach Gerechtigkeit gewünscht haben, was sie voller Leibskräften herausgebrüllt haben.

Das normale Leben lernt man als Tourist natürlich nicht kennen, aber im Supermarkt trifft man doch auf den einen oder anderen Amerikaner, mit dem man ein Pläuschchen halten kann. Eine schöne Stadt, die wirklich eine kleine eigene Welt ist. So abseits von der Realität und doch so nah am Erfolg und am Scheitern. Auf der einen Seite sind die anzugtragenden Männer und die Louboutin Pumps der Frauen, die über den Asphalt stolzieren, auf der anderen Seite sitzen die Bettler in den Ecken der 24- Stunden beleuchteten Läden, die teilweise aufdringlich und teilweise trauernd, zurückgezogen um Geld beten. Wie lebt denn der „Durschnittsamerikaner“? Wie ist das Leben wirklich hier? Als Tourist kann man solche Fragen nicht beantworten, aber eines Tages werde ich hoffentlich für mich eine Antwort darauf finden.

Die Sehenswürdigkeiten hingegen sind simple zu beschreiben: „incredible“! Auf unserem Trip haben wir die Freiheitsstatue, Ground Zero, das Memorial Museum,die Brooklyn Bridge, das MOMA, das Empire State Building, Madame Thaussads, ein Discovery Star Wars Museum, den Central Park besucht und eine Bustour durch Harlem und die Bronx gemacht. Erst nach einer Zeit realisiert man die ganzen Bilder im Kopf, die man gesammelt hat. New York – ich werde irgendwann wiederkommen!🇺🇸❤️

Eindrücke von der New York Tour:

Brooklyn Bridge
Freiheitsstatue

Ground Zero, 9/11 Memorial

Empire State Building
Demonstration, Time Square

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