Eine Frage des Glücks

Das Glück ist nur für diejenige eine Frage, die es nicht fühlen.
Dann kommen Fragen auf wie Glück entsteht, denn man sieht es bei jedem außer bei einem Selbst.
Das hat nichts zwangsläufig etwas mit den äußeren Lebensumständen zu tun – sondern vielmehr mit der Eigenwahrnehmung und mit dem Gefühl des Glückes nicht würdig zu sein.

Ich frage also: Ist es eine Frage des Glücks, wer auserwählt wird diesen Schatz in sich zu tragen, ohne sich um dessen Verlust sorgen zu müsse?
Oder ist es eine allgemeine Sorge nie wirklich glücklich zu sein? Selbst, wenn es Trauer, Angst und Wut in jedem Leben gibt- wie bleibt das innere Glück konstant?

Auch das glücklichste Leben ist nicht ohne ein gewisses Maß an Dunkelheit denkbar, und das Wort Glück würde seine Bedeutung verlieren, hätte es nicht seinen Widerpart in der Traurigkeit

Carl Gustav Jung

Mein Lebenslauf

Ich renne, renne
Meine Füße sind leicht
Meine Leidenschaft brenne
Ich fühle mich reich

Ich renne, renne
Durch Alleen, durch den Wald
Durch Straßen, durch Gassen
Ich fühl‘ mich befreit

Ich renne, renne
Vor mir nur davon
Vor mir ist‘s geheim
Zeit hab ich gewonnen


Für einen Moment befreit
Von Sorgen, von der Last
Das ist es nicht wert
Wenn ich mich verpass‘


Ich renne und renne
Denk’ an meine Seele
Denk‘ an meine Gesunheit
Ich bin mit mir unvereint

Ich renne, renne
Den ganzen Weg zurück
Den Brücken entgegen
Ohne mich fehlt das Herzstück

Für einen Moment befreit
Denke ich,habe mich wieder
Denke ich,renne nie wieder
Vor mir davon.

Umzugsgehabe.

21 ist eine schöne Zahl, um ausziehen. So sehe ich das Ganze. Schon seit etlichen Jahren habe ich von meiner eigenen Wohnung geträumt und die Idee mal mehr mal weniger verfolgt. In gewisser Weise habe ich Unabhängigkeit vom Elternhaus erstrebt, die ich durch meine eigene Organisation meines Lebens, die Arbeit, das selbst verdiente Geld und meine Freunde etc. angekratzt habe. Doch am Ende des Tages konnte ich mich in das weiche Tuch des Elternhauses fallen lassen, was mich garantiert hält, falls ich es brauche. Das ist ein schönes Gefühl von Sicherheit, was ich niemals missen möchte, aber dieses Tuch ist eben auch die Abschirmung von der Realität sich selbst so ein Tuch erschaffen zu müssen. „Eines Tages, wenn ich ausgezogen bin.“, fingen viele meiner Gedanken an und endeten in einem Traum wie, „dann möchte ich ein riesiges Bücherregal im Wohnzimmer haben“, der so weit entfernt zu sein schien. Jetzt bin ich seit einigen Tagen ausgezogen und was mich am wenigsten interessiert ist, ob ich ein Bücherregal im Wohnzimmer habe. Klar, irgendwann wird das für mich wieder an Bedeutung gewinnen und ich werde für ein Bücherregal sparen, aber ich habe in meiner romantisierten Vorstellung des Ausziehens nicht bedacht, dass ich erst wieder über ein Bücherregal in meiner Wohnung nachdenke, wenn ich mich „Zuhause“ fühle. Wie krass ist es eigentlich zu wissen 21 Jahre in dem gleichen Haus gewohnt zu haben und von einem Tag auf den anderen ist alles anders?

Vor meiner neuen Wohnung. Da lachte ich noch, weil ich die Kisten noch nicht 4 Etagen hochgeschleppt hatte.

Die erste Nacht in meiner neuen Wohnung ist gut verlaufen. Mein Schlaf war dafür, dass ich normalerweise in neuen Umgebungen den instinktiven Nacht- Fluchtmodus spüre, angenehm.
Am ersten Morgen machte ich mich dann daran die ersten Kartons auszuräumen. Mein Kleiderschrank und meine Kommode füllten sich mit meiner Kleidung, meinen Erinnerungsstücken, Ladekabeln, Stiften, Schmuck und Blöcken. Mein Schreibtisch wirkte immer zugestellter mit jedem Blatt, was ich darauf legte. Als ich fertig war, sah die Wohnung aus, als wäre sie lebendiger. Trotzdem dachte ich bei jedem Teil, was ich aus einem der Umzugskartons nahm und in den Schrank oder die Kommode legte: „Es loht sich gar nicht die Dinge auszupacken, wenn ich bald wieder nach Hause fahre.“ Erst nachdem ich diesen Gedanken gedacht habe, fiel mir auf, dass mein Zimmer in meinem Elternhaus leer steht. Kein Möbelstück ist in meinen alten vier Wänden zurückgeblieben. „Diese Wohnung ist mein neues Zuhause und ich werde nie mehr mit meinen Eltern zusammen in diesem Haus wohnen“, ist aktuell immer noch ein Gedanke, der mich beschäftigt und den ich noch nicht ganz akzeptieren kann.

Einerseits stimmt mich das traurig, dass die Zeit des „Zuhause Wohnens“ vorbei ist. Unzählige Erinnerungen verbinde ich mit diesem Haus, die, als ich noch dort wohnte, lebendig und nahbar waren. Jetzt, wo ich außerhalb dieses Hauses wohne, scheinen die Erinnerungen für mich weiter weg zu sein. Die Ferne zu meinem Kindheits- Nest, distanziert auch meine Gedanken davon, oder nicht? Andererseits ist es ein Beginn einer neuen, aufregenden Zeit für mich, der mein „Erwachsen sein“ prägen wird. Die erste Wohnung ist eine erste Erfahrung alleine zu wohnen und sich zu organisieren. Es ist das erste Mal, dass ich mir selber ein Zuhause schaffen muss, da es zuvor immer von meinen Eltern erschaffen wurde. Doch was sind meine Ansprüche an ein Zuhause? Oder ist es im Endeffekt der Gewöhnungseffekt, dass ich nur lange genug hier wohnen muss, um mich „Zuhause“ zu fühlen?

Mein sicherer Hafen

Es gab Tage und Monate, wo mir mein altes Zuhause nicht das „Zuhausegefühl“ gegeben hat, wie es das sonst tat. Ich fühlte mich nicht gut oder habe mich mit meinen Eltern gestritten etc. In jedem Leben gibt es denke ich Momente, wo man am liebsten seine sieben Sachen packen würde und gehen würde, aber im Endeffekt war mir immer bewusst, dass ich das Glück habe einen sicheren Hafen zu haben. Egal, was ich erleben würde oder wenn ich Angst habe, kann ich in mein Zimmer gehen und fühle mich geschützt von der Außenwelt. „Hier bin ich sicher, egal was passiert!“

Dieses Erlebnis zu haben, dass das Grundbedürfnis Sicherheit, erfüllt werden kann, ist eine enorme Erleichterung für den Alltag. Dieses Zuhausegefühl entspringt aus der Sicherheit heraus, die sich aus Vertrauen und Geborgenheit zusammensetzt. Und dieses Zuhausegefühl gilt es ab dem Tag meines Auszugs für mich in dieser neuen Wohnung zu entdecken:
Was kann mir hier Vertrauen geben?
Wodurch fühle ich mich geborgen?

Zu meinem Glück ziehe ich mit meiner besten Freundin zusammen, mit der ich auf diesem schaukelnden Gefühlsboot umhertreibe. Früher dachte ich, der Schritt des Umzugs ist nur das Ankommen an einem aufregenden, neuen Hafen und nicht gleichzeitig auch das Loslassen des sicheren, alten Hafens.

Entsteht mein Vertrauen in meine neue Wohnung durch Erfolgserlebnisse und Geborgenheit durch die Gewöhnung an die neue Umgebung? Oder ist es ein Gefühl, dass aus meinem inneren heraus durch die Akzeptanz und der Annahme der Unsicherheit und der Imperfektion ist?

Umzugs(de)mut

Zum Umziehen gehört eindeutig Mut für mich, den ich so gar nicht wahrgenommen hatte bisher.
Einen Neuanfang an einem neuen, wenn auch bekannten Ort zu starten, bedeutet auch Distanz zu der gewohnten Wohnumgebung herzustellen.

Kommt mit der Distanz zu meinem Elternhaus auch eine neue Form von Wertschätzung zustande?
Selbstverständlichkeiten werden plötzlich zu Besonderheiten. In der ersten Woche meines Umzuges wollte ich mir eine Tomatensauce kochen, wofür ich alles notwendige besorgt hatte – bis auf die Zwiebeln. Bei meinen Eltern waren Dinge wie Zwiebeln, Knoblauch, Mehl, Zucker..etc. einfach immer vorhanden. Selbst wenn ich dort für die Familie einkaufen war, musste ich sowas beinahe nie kaufen – weil es eben immer da war. Jetzt stand ich da mit all‘ den Zutaten und Zwiebeln fehlten. Ich musste erstmal lachen – einfach weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass wir Zwiebeln im Schrank haben. Das war einer der Momente, wo mir deutlich wurde wie angenehm und bequem es wirklich ist Zuhause eine/n Manager*in – in meinem Fall meine Mama – zu haben.
Plötzlich ist man auf sich allein gestellt, wenn der Klempner einen Wasserhahn reparieren soll und fragt, wo sich das Wasser ausstellen lässt. „Gute Frage – nächste Frage“ dachte ich mir im ersten Moment und hätte am liebsten meinen Vater angerufen. Der weiß sowas nämlich! Natürlich habe ich den Wasseranschluss dann noch gefunden, aber im ersten Moment ist es so unerwartet, dass ich selber nun die „wissende Person“ bin, der die Wohnung gehört.

Selbstständigkeit und Verantwortung übernehmen sind Schlüsselwörter, die ohne das eine nicht funktionieren können. Ich kann nicht selbstständiger werden, ohne neue Verantwortung zu übernehmen, aber es ist doch noch mal ein Unterschied sich dessen bewusst zu werden. Ich bin froh endlich diesen Mut aufgebracht zu haben auszuziehen, den viele meiner Freunde schon vor mir gefasst haben – aus unterschiedlichsten Gründen. Ich merke nur, dass es mir enorm den Druck nimmt, zu wissen, dass ich diese Entscheidung für mich treffen konnten und nicht aus unangenehmen Beweggründen heraus. Ich wurde mutig, weil mein Leben mutiger werden soll!
Gleichzeitig verbinde ich diesen Mut mit der Dankbarkeit zu wissen, dass ich, selbst wenn es noch dauert bis ich mein neues „Zuhausegefühl“ entwickelt habe, immer ein Zuhause haben werde.

Z – Zusammengehörigkeit
U – Ursprung
H – Haus
A – Anker
U – Ungefiltert
S – Sicherheit
E – Erinnerungen


Denn das Ausziehen ist ein sich „Nackt machen“ in einer anderen Art und Weise. Ich erkenne neue Seiten an mir, die unter dem behüteten Deckmantel des Familienhauses verborgen geblieben wären.

Danke Mama, danke Papa – für euch & eure Unterstützung.

Zeitraffer

[…|When my time comes
Forget the wrong that I’ve done
Help me leave behind some
Reasons to be missed
Don’t resent me
And when you’re feeling empty
Keep me in your memory
Leave out all the rest
Leave out all the rest

Forgetting all the hurt inside
You’ve learned to hide so well
Pretending someone else can come
And save me from myself […]
-Leave out all the rest: Linkin Park

Vergessen werden ist eine undefinierbare Angst, die einen um Vergebung betteln lässt. Vergebung für die unvermeidbaren Fehler, die man im Laufe seines Leben gemacht hat. Die Zeit eines Jeden wird kommen, die Zeiten des Bereuens werden kommen, wenn man sie nicht vermeidet. Nicht die Fehler bereuen, sondern das Fallenlassen des eigenen Selbst. Was ist mein Sinn auf diesem Planeten zu existieren? Was hinterlasse ich auf der Welt wenn meine Zeit zu Ende geht? In der Zuneigung anderer Menschen liegt die Kraft die Vergänglichkeit zu vergessen. Die Außenwelt soll die glückliche Fassade anschauen, dann zweifeln, dass jeder vergangen Schmerz in sich trägt. Doch man sehnt sich nach einer Person, die einen vermissen wird. Eine Person, die ohne dich nicht weiß, was sie tun soll. Ein egoistischer Gedanke, aber ein wahrer.  Ist der Anspruch zu groß? Wird es am Ende doch nur ein Grabstein mit einem eingemeißelten Namen sein, der andere an einen erinnern lässt? Diese Fragen werde glücklicherweise wohl niemals beantwortet werden. Wie wichtig es auch ist, von anderen unterstützt zu werden, geliebt zu werden, letztendlich steht man mit seinen eigenen Beinen auf der Erdkugel und rennt gegen die Zeit an. Die Zeit, die das Privileg des Menschen ist. Die Zeit, die das Verhängnis des Menschen ist. Immer wieder kreuzt die Zeit unseren Weg, hinterlässt ihre Spuren, doch im Endeffekt ist man es alleine, der sie mit seinen Händen zu etwas formt. Leere Stunden können zu den Besten werden.

Würde der Alltag nicht unaufhörlich seine Schlingen immer mehr um die Seelen von Millionen von Menschen schnüren. Tag ein, Tag aus, gucken beispielsweise Büromenschen auf die Uhr in ihrem Büro. Der Minutenzeiger schleicht gerade zu über das Ziffernblatt, der Stundenzeiger scheint eingefroren zu sein. Um 18Uhr ist dann im besten Fall Arbeitsschluss. Alle packen ihr Zeug zusammen, verabschieden sich vom Arbeitskollegen, stellen ihre Kaffeetasse zurück in die Gemeinschaftsküche, verlassen ausgelaugt das Büro. Der Weg nach Hause ist jeden Tag der Gleiche. Entweder geht es ab ins Auto, das die immer gleichen Kreuzungen überquert, das an den immer roten Ampeln anhält , das die immer vollgestopften Straßen befährt. Oder es geht in die U-Bahn, wo das Gedränge schon freudig auf einen weiteres, müdes Gesicht wartet. Rush Hour. So stell ich mir zu mindestens den Ablauf vor. Kaum Zuhause angekommen, scheint die Uhr sich zu verändern. Die Zeiger spielen verrückt. Jede Minute vergeht wie im Flug. Alles Gute, was der Mensch für sich und andere tut scheint so viel schneller zu vergehen, so viel schneller zur Erinnerung zu werden. Seien es wohltätige Arbeiten in einer Organisation, sei es das Zusammentreffen in einem Verein, sei es das gemütliche Bad am Abend, sei es das in Decken eingekuschelte Seriengucken. Jegliches Flehen und Klagen ist überflüssig. Die Zeit verläuft trotzdem. Sie gibt einem ein Leben Zeit, Dinge zu tun, die es anderen Menschen möglich machen uns zu vermissen. Noch wichtiger: Die uns selbst zu dem machen, was wir sind. Wo sind die Zeiten geblieben, in denen die Seele mehr wert ist als die Pflicht?

Kein Tag.. zu spät, zu ändern, was einem nicht passt.
Kein Tag.. zu spät, sich aufzuraffen.
Kein Tag.. zu spät, zu rebellieren.
Kein Tag.. zu spät, Licht in das Dunkle zu bringen.

Gedanken sind frei.

Unsere Gedanken sind in unserem Kopf. Ströme von Gedanken fließen jede Sekunde hindurch, sind so unkontrollierbar wie das Leben. Gefühle und Wissen sind vereint in dem individuellen Kosmos, mit dem man nichts anfangen kann, wenn die Gefühle wie ein Gefängnis sind und das Wissen wie ein innerlicher Druck. Man soll stets alles hinterfragen und nicht dem Strom folgen, sich abheben, um etwas zu sein, und trotzdem die Regeln befolgen. Ein Spiel mitspielen, welches schon gespielt wurde. Was wäre denn, wenn wir alle wir selbst sein könnten?

Die Wolke sieht aus als würde sie dem Gebäude jegliche Kraft geradezu aussaugen. Wie eine höhere Macht, die Gedanken lenkt.