A w A k E

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Awake, restless, serious, pensive.


1. Schlafensgehzeit!
Eingekuschelt in meine beiden Decken, liege ich in meinem Bett. Entweder habe ich noch eine Folge meiner Lieblingsserie geschaut oder ein paar Seiten in meinem aktuellsten Buch gelesen, bevor ich meine Augen geschlossen habe. Mein Körper fühlt sich schlaff und erschöpft an, braucht wie jede Nacht eine Erholung vom Tag. Wer kennt es nicht, dass das Gehirn trotz des Erschöpfungszustandes des Körpers erst so richtig aufdreht? Der Wunsch nach dem Schlaf wird nicht erfüllt, da sich plötzlich Erinnerungen aus dem Verstand schälen, die ursprünglich als verarbeitet gegolten haben. Als zweite Abendüberraschung malt das Gehirn sich zukünftige Szenarien aus, an die man selbst tagsüber nicht denken wollte. Eine innere Unruhe entsteht und Bilder blitzen vor dem inneren Auge auf, die einen aufwühlen. Eine Zeit lang lasse ich mich von den Gedanken mitreißen und wälze mich im Bett umher in der Hoffnung auf einer Seite die Ruhe wiederzufinden. „Ich bin müde und will endlich schlafen!“, denke ich. Sich aufzuregen macht es allerdings nur noch schlimmer.

Was kann ich tun?

Leider gibt es keinen Ausschalter der Gedanken, aber es wird Zeit gegen die aufwühlenden Gedanken anzugehen. Die schnelle Abfolge von Blitzgedanken gilt es zu verlangsamen. Oft hilft es mir mich auf meine Sinne zu konzentrieren und mir etwas vorzustellen, was mich beruhigt. Meistens ist es ein Wasserfall, der in mir beginnt zu rauschen. Ich sehe wie das Wasser an den Felswänden entlang fällt, höre die Wasserströme, rieche den Geruch von nassen Steinen und Algen, schmecke das frische Wasser und fühle die Kälte und das Nass der Wassertropfen in meinem Gesicht. Meine Gedanken kreisen nur noch um den Wasserfall, der meine anderen Gedanken davonplätschern lässt. Gelingt es mir nicht, gehe ich meine Sinne mehrere Male durch und versuche mich an einer Art Selbsthypnose. An schlechten Einschlaftagen hilft mir der Versuch jedoch nicht. Jedes kleinste Geräusch und kleinster Lichtstrahl kann störend sein. Wenn nicht Mal Lesen hilft, obwohl die Augen vor Müdigkeit am Austrocknen sind, dann wird das Einschlafen noch lange dauern. Jede Minute Schlaf kommt einem vor wie ein Goldschatz, wenn man Probleme beim Einschlafen hat. Inzwischen hängt sogar ein Säckchen mit Lavendel neben meinem Bett, da der Geruch eine beruhigende Wirkung auf mich hat. Fehlen mir vielleicht nächtliche Rituale? Sollte ich anstatt einen Regentanz eine Art Schlaftanz veranstalten oder Gute-Nacht Lieder singen?

Selbst wenn ich es dann geschafft habe, heißt es nicht automatisch, dass man ausgeschlafen ist. Saß ich gestern gar nicht auf der Couch und habe Netflix geschaut, sondern war ich feiern und habe einen über den Durst getrunken? So fühlt es sich nämlich an. Darf ich meinen Körper nicht zwingen zu schlafen, sondern sollte ich mich fügen und den Schlafmangel akzeptieren? Steht am nächsten Tag ein großes Ereignis an und ich kann vor Aufregung nicht einschlafen, dann habe ich einen Grund, warum ich es nicht kann, was mich auf eine seltsame Art und Weise beruhigt.  Ist die Frage „Warum?“ beantwortet, stellt sich ein sicheres Gefühl ein, denn ich meine zu Wissen, was in mir vorgeht. Kann ich keinen Grund nennen, warum ich weder gut einschlafen kann noch warum ich nicht erholsam schlafe, dann verbreitet sich ein unsicheres Gefühl in mir. Wenn es keine offensichtliche Ursache ist, muss ich tiefer in mich hineinschauen. Wie so oft muss ich mich selbst mit Gedankengängen konfrontieren, um die Quelle der Unruhe auszumachen. Ich stelle Theorien auf, denn vorerst muss ich herausfinden ob ich wegen vergangenen oder aktuellen Ereignissen unruhig bin. Die abendlichen Gedankengänge müssen nicht negativ sein. An manchen Tagen habe ich sogar das Gefühl, dass der Tag nicht ausreicht, da ich gewisse Gedanken nicht zu Ende gedacht habe, die ich gerne zu Ende gebracht hätte. Der Schlaf unterbricht dann meinen „Flow“ an Gedanken. Erst wenn sie sich zu Gedankenschleifen entwickeln und mich grübeln lassen, dann wirkt sich das kontraproduktiv auf meinen Schlaf aus.

Der Schlaf ist eine Wissenschaft für sich. Täglich schlafe ich 8-9 Stunden, die wie im Fluge vergehen, wenn ich dann einschlafen konnte und nicht ständig in der Nacht aufwache. Was sich kurzweilig anfühlt, ist ein großer Teil meines Lebens. Ein Wimpernschlag und 8 Stunden meines Tages sind vergangen als würde es sie nicht gegeben haben. Die restlichen 16 Stunden sind meine aktive Teilnahme am Tag – so denke ich zu Mindestens. Was ist, wenn mein Unterbewusstsein mich lenkt wie in meinen Träumen? Es fühlt sich an als würde ich selbstgesteuert denken und handeln, aber kommt es nicht wie beim Träumen aus den Tiefen meines Bewusstseins? Was steuert mich? Ich möchte nicht dauerhaft unkonzentriert zu sein. Beispielsweise vergesse ich gelegentlich die Namen von mir schon lange bekannte Menschen, was durchaus peinlich werden kann. Es fühlt sich an als wäre mein Gedächtnis ein Sieb, nur dass dieser Sieb nicht nur überflüssiges Wissen aussiebt, sondern auch wichtige Termine aussortiert.  Bin ich müde und sind meine Augen getrübt, mache ich schneller Fehler und könnte mich in unangenehme oder gefährliche Situationen bringen. Wenn ich die Straße überquere, ohne den Verkehr aufmerksam zu verfolgen, kann ich mit höherer Wahrscheinlichkeit angefahren werden. Der Schlaf ist meine eigene Absicherung meiner Konzentrationsfähigkeit, meiner Laune und meiner Belastbarkeit. Fehlt er, so gerät mein biologisches System ins Wanken, da es sich nicht erholen konnte.
Mein Wachzustand ist die einzige Möglichkeit meine bewusste Gehirnaktivität zu nutzen.
Diese Autonomie möchte ich mir nicht von meinem Schlafmangel nehmen lassen.
Es ist die fehlende Schlafroutine, die mich wanken lässt. Es heißt: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ Ich denke, vor allem der Körper ist ein Gewohnheitstier, denn seine Bedürfnisse sollen bestenfalls gleichermaßen und regelmäßig erfüllt werden. Kaum habe ich eine Woche eine geregelte Schlafengeh- und Aufstehzeit schlafe ich besser – ist das immer der Fall? Der Schlaf ist unberechenbar, so wie meine Gefühle.


2. Der Film „Wach“
Apropos Schlafen und Wach sein:
Vor einigen Tagen habe ich auf Youtube den Film „Wach“ von Kim Frank, produziert vom ZDF/Das kleine Fernsehspiel und Funk, geschaut.
In dem Drama starten die 17-jährigen Freundinnen Charlotte (C.) und Nike das Experiment ohne Drogen so lange wach zu bleiben, wie sie können. Es ist ihr Ausbruch aus dem Ghetto, in dem sie wohnen, aus ihrer Perspektivlosigkeit und aus ihrer scheinbar sinnlosen Existenz. Die Schlaflosigkeit der beiden ist anfangs ein Rausch von Macht über sich selbst, der jedoch nicht die Realität verdrängen kann. Auf der Kamera dokumentieren die beiden ihre Erlebnisse, die ihre Höhen und Tiefen im Leben aufdecken.

C. und Nike dokumentieren ihr Wach- Experiment mit der Kamera. Es wirkt wie ein Dokumentarfilm durch die subjektive Kameraeinstellung von C. und Nike im Wechsel, die den Zuschauer das Gefühl gibt im Geschehen involviert zu sein. Teilweise werden jedoch auch Sequenzen von Videos oder Interviews eingeblendet, wo ein Voice-over von C. miteingespielt wird oder die Kameraführung wechselt in Totale Aufnahmen.Die Voice-overs und die eingebledeten Videos (etc.) sind fester Bestandteil des Filmes und sind die ausschlaggebenden Momente, in denen existenzielle Fragen
Was ist meine Rolle als junger Mensch auf dieser Welt?
und aktuelle, tabuisierte Themen
Flüchten wir uns in den Konsum und in Pronos, als das wirkliche Leben zu leben?
angesprochen werden.
Der Film setzt sich mit dem gesellschaftlichen Konsumverhalten in Bezug auf Werbung, Profit und der resultierenden Veränderung des Verständnisses des eigenen Lebens auseinander. Es wird auch die Lieblosigkeit in Beziehung und die Vermarktung von Sex thematisiert. In erster Linie geht es jedoch um die beiden Protagonistinnen die aus der unteren Gesellschaftsschicht kommen und aus ihrem Leben ausbrechen wollen, um sich zu finden und ihr Leben mit Bedeutung zu füllen. Allerdings wird meiner Meinung nicht genug auf die eingeblendeten Informationen, z.B. Tiervideos, dokumentarische Videos, Lehrvideos etc., eingegangen. An der Stelle wäre eine längere Ausführung der Kritik angebracht, genau wie es mich als Zuschauer interessieren würde, was die Beweggründe der Protagonistin sind, diese Gedanken zu haben, was nur teilweise erkennbar ist.

Die wechselhafte Kameraführung hingegen macht die Handlung spannender und als Zuschauer kann man sich besser in die Lage der Protagonisten versetzen, die in elektrisierende als auch in gefährliche Situationen geraten. Neben der erzeugten Spannung durch die Kamera, ist der Film in einem eher dunkleren Licht gedreht, was eine bedrückende und erwartungsvolle Stimmung bewirkt.
Zu guter Letzt finde ich, dass die beiden Schauspielerinnen die Charaktere, ihre intensiv Freundschaft und auch die Zwiespältigkeit zwischen Freude und Verzweiflung gut darstellen.

Resümierend finde ich, dass die provokativen Denkanstößen reflektierter dargestellt werden könnte, aber ich finde die Kritik interessant und habe sie in meine Gedanken aufgenommen. Wenn du Filme magst, die sich außerhalb der Norm bewegen und einfach mal etwas anderes ist, dann ist dieser ein guter für dich. Wenn du abends nicht schlafen kannst, wach und unruhig bist, dann schau‘ diesen Film und sei mit den Protagonisten zusammen wach.

3.Die Jagd nach Hormonen
ein von mir geschriebener Innerer Monolog von C. aus dem Film „Wach“
Wir haben keine Kontrolle über unseren Schlaf oder über das Einschlafen, sondern nur über das Wach sein. Es ist eine Illusion, die Kontrolle über sein Verhalten zu haben, denn wir werden ständig beeinflusst. Bist du unglücklich, dann musst du dir ein neues Lebensgefühl erkaufen, bist du unzufrieden mit dir selbst, kaufst du dir neue Klamotten, fühlst du dich einsam, schaust du dir deine Likes auf Instagram an. Im Leben gilt es nichts zu pauschalisieren, jeder Mensch ist individuell und reagiert auf unterschiedlichste Reize und ist auf andere Art und Weise beeinflussbar, doch im Grunde jagen wir unsere Hormone. Dopamin fürs Glück, Melatonin für den Schlaf, Adrenalin für den Kick – sie erhalten uns und unseren Stoffwechsel am Leben, doch sie sind der Ursprung der Sucht. Ist es die Werbung, die uns in den Konsumrausch führt? Sind wir es nicht selbst, die ständig auf der Suche nach Rausch sind? Sind es die Ängste, die mich nachts wach liegen lassen? Gefühle mit Drogen betäuben, zerstreut die Probleme nicht. Unsicherheiten mit Kleidung zu kaschieren, verändert deine innere Haltung nicht. Ängste mit Ablenkungen zu verdrängen, löst sie nicht in Luft auf. Wir alle wissen es und tun es trotzdem.. Selbst wenn wir glücklich und zufrieden wäre, dann könnten wir nicht genug kriegen. Erst nach dem Kauf der neuesten Schuhe könnten wir aufatmen, denn erst dann ist unser Gefühl ein leichteres.
„Jede Minute wird in Deutschland ein Kind geboren.
Einer mehr dem eingeredet wird er braucht das neue iPhone [..].
Einer mehr der sich selbstverwirklichen muss.
Du kannst schön sein, wenn du den Lippenstift kaufst.
Du kannst jemand sein wenn Du diese Klamotten kaufst. Dieses Auto. Dieses Haus. Hoffnungen machen Sie uns. Falsche Hoffnungen. Und wir fallen drauf rein.“
(Zitat C., 18:42; Film Wach)
Unser Glück braucht nicht nur seinen  eigenen Wert, sondern wir müssen es mit materiellem Glück verbessern. Ohne Konsum fühle ich mich leer, denn es fehlt der Rausch. Vom täglichen Hoffen auf den nächsten Tag, der ein bessere zu werden verspricht, werde ich müde, anstatt wach. Egal ob es ein guter oder schlechter Tag war- ich brauche meinen Schlaf, denn ich brauche eine Denkpause. Hoffnungen habe ich in meinen Schlaf gesetzt, der mich in eine andere Dimension getragen hat, weit weg von meiner wachen Realität. Das Unterbewusstsein hat die Macht und bastelt aus meinen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen einen 8 stündigen Film, der in mir abgespielt wird. 8 Stunden Zuschauer seiner Selbst sein, dann fängt es wieder an: Das Verlangen nach mehr. Ich brauche den Konsum, um mich selbst zu vergessen. Die Jagd nach Hormonen hört nie auf. Doch dieses eine Mal wollte ich wach sein und meine wache Realität fühlen, anstatt ihr mit Leere zu begegnen. Nike und ich werde das Wachsein für uns selbst durchziehen, denn wir wollen ab heute selbstbestimmt sein. Ich will mich selbst jagen, ohne mich einzuholen, will mich selbst bestrafen, ohne mir weh zu tun. Es ist mir egal, was mit uns passiert, so lange ich meinen Puls fühle, Nikes Lächeln durch die Linse meiner Kamera sehen kann, den Rauch meiner Kippe schmecke und die Kälter der Nacht auf der Haut fühlen kann. Mein Bewusstsein soll in eine andere Art Rausch geraten: In den Rausch der Freiheit. Ergibt es Sinn in dieser schnelllebigen Welt stehen zu bleiben? Wir verdecken alle Uhren, als würde es die Zeit nicht geben, denn wir bleiben wach. Da ist niemand mehr, der Nike und mir die Zeit vorschreiben kann, in der wir leben, niemand mehr, der uns mit Regeln erdrücken kann. Die Zeit schränkt uns nur ein, macht uns Hoffnung, dass wir heilen, aber ich bleibe stehen, denn ich will mich erleben, ohne auf die Uhr zu schauen. Normalerweise schaue ich auf Uhr, doch es ist gleichgültig welches Datum oder welches Jahr ist, denn es fühlt sich an, als würde nichts passieren. Unsere Wohnung ist im gleichen Plattenbau wie sonst, mein Weg zur Schule ist der gleiche, wir rauchen immer noch den gleichen Scheiß, das Geld fehlt in unseren Portemonnaies und wir warten auf Veränderungen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto unbedeutender fühle ich mich. Was soll aus uns Kindern werden, deren Leben seit Beginn ihrer Lebenszeit keinen Sinn in ihrem Leben sehen? Es scheint als hätten wir bereits die dunkelsten Abgründe gesehen, aber was ist wenn das erst der Anfang war? Diese Angst umschließt mich, denn ich sehe in diesen Abgründen keine Zukunft. Ich will gesehen werden, raus aus dieser Scheiße und nicht in diesem Zyklus gefangen sein. Existenz und Leben verschmelzen zu einem, allerdings ist meine Existenz seit meiner Geburt gegeben und diese mit Leben zu füllen ist meine Entscheidung. Ständig bombardiere ich mein Gehirn mit Fragen, suche nach dem Sinn und meiner Erfüllung im Leben. Doch ich finde keine Antworten. Ich bin eine Suchende und gehe das Risiko nur auf weitere Leere zu treffen. Ich bin Carlotta und ich bleibe wach.

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Tired. Sleepy. Dreaming.

Dinner for one – Pastaprobleme

Wenn ich in diesem Sommer nicht kraftlos unter unserem Ventilator auf der Couch gelegen habe, dann habe ich schöne Sachen erlebt.
Bis mein Studium im Oktober beginnt, hatte ich demnach Zeit mir vorzunehmen, was ich will. Zuerst war das ein seltsames Gefühl keine Verpflichtung zu haben. Wie fühlt es sich an jeden Tag Wochenende zu haben? Ich bin es nicht gewöhnt nichts zu tun und mir graulte es ein wenig davor. Wofür würde ich jeden Tag aufstehen?
Von Zeit zu Zeit war es für mich einfacher an mir vorbei zu leben, denn in meiner Freizeit wollte ich mich nicht mehr mit mir beschäftigen, da der Alltagsstress mir schon genügte. Wieso sollte ich mir zusätzlich emotionalen Stress aufbürden?  Ich merkte wie ausgelaugt ich war, denn ich brauchte Ruhe. Diese Ruhe wollte ich mir jedoch nicht geben. Zweifel an meiner Routine wollte ich einfach nicht zulassen, denn dann würde ich zu viel nachdenken. Der einzige Weg auszubrechen, wäre es, mir eine Veränderung zu schaffen, doch ich wollte nicht aus meinem sicheren Versteck kriechen. Diese Gedanken überforderten mich. Ich fühlte mich machtlos und feige, doch ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte, um aus meinem Versteck zu kommen. Hinterfrage ich einen Bereich in meinem Leben, geraten die anderen ebenfalls ins Wanken.
So dachte ich zu Mindestens vor einigen Monaten…

Meine Freizeit, die im Juli begonnen hat und bis Oktober weiterhin anhält, war der „Day One“ als mein neues Ich.  Ich erstellte mir im Kopf einen Schlachtplan. Die wichtigste Frage, die mich seit dem jeden Tag begleitet, ist: „Was will ich wirklich?“ Und ich merkte wie schwierig das ist. Wie kann ein Mensch, der vor dem Supermarktregal steht und nicht weiß ob er die kleinen Fussili Nudeln oder die langen Spagettinudeln essen möchte und deswegen bestimmt fünf Minuten vor dem Regal steht, entscheiden wie das Leben in den nächsten Monaten weitergehen soll?

Denn wenn ich die Fusilli Nudeln nehmen sollte, dann würde ich keine Tomatensauce machen wollen, denn dafür würde sich die Spagettinudeln besser eignen. Allerdings würde ich dann einen Auflauf machen müssen, wofür ich mich für weitere Gemüsesorten entscheiden müsste, was das ganze verkomplizieren würde. Also würde ich klassische Spagetti mit Tomatensauce essen. „Oder will ich doch lieber einen Auflauf machen? Mein Appetit lenkt mich eher zum Auflauf mit einer hellen Sauce und Brokkoli als Gemüse hin, aber ist es mir der Aufwand dann wert nochmal zur Gemüseabteilung zu laufen, wo ich eben erst war?“, würde ich mir denken, während ich beide Nudelpackungen in der Hand halten würde.
Diese Gedankenschleifen könnte ich ewig weiterführen, aber das würde zu Nichts führen und erst Recht nicht zu einer Entscheidung. Das Nudeldilemma veranschaulicht den Schwierigkeitsgrad, der besteht, wenn eigene Entscheidungen abgewägt werden müssen. Im Nudelfall könnte ich einfach beide Nudelsorten kaufen und mich später entscheiden, aber am Ende kann es nur ein Gericht werden, was ich mir koche. Es ist wichtig dabei ein Ziel vor Augen zu haben. Wenn ich etwas kochen möchte, dann brauche ich ein Rezept. Normalerweise würde ich in einem Kochbuch nachschauen, um ein Rezept gewohnheitsmäßig nach zu kochen, aber es soll schließlich mein eigenes Rezept werden.

Das Wichtigste, was ich in Bezug auf Entscheidungen gelernt habe, ist, dass der Bauch meist der Schlüsselpunkt ist. Wie beim Essen und bei der Liebe, so gehen ebenfalls Entscheidungen durch den Magen. Wenn mein Bauch kribbelt und sich unbeschwert anfühlt, dann ist es ein gutes Omen für die Entscheidung. Wenn mein Magen sich allerdings etwas flau anfühlt und sich bei dem Gedanken zusammenzieht und erst später wieder entspannt, dann weiß ich, dass ich meine Optionen nochmal überdenken sollte. Dabei spielt auch die körperliche Verfassung eine große Rolle. Seitdem ich mich mehr auf die Bedürfnisse meines Körpers einstelle, habe ich das Gefühl auch etwas von ihm zurückzubekommen, denn vorher kämpften wir eher gegeneinander, als dass wir friedlich zusammenlebten. Natürlich gibt es Ausnahmen, jedoch bemühe ich mich bei meinen Entscheidungen neben meinem Bauchgefühl mein körperliches Wohlbefinden zu berücksichtigen, denn ich möchte mich rundum gut fühlen können. Mein Ziel ist es, herauszufinden, was mich glücklich macht und dieses Ziel werde ich ohne meinen Körper, an denen mein Gehirn (meine Seele, meine Gedanken, meine Persönlichkeit usw.) überlebensbedingt gebunden ist, nicht erreichen können. Meine Entscheidungen sind abhängig von meiner psychischen als auch physischen Verfassung, die ich intuitiv bewerte. Bin ich krank, bleibe ich Zuhause. Das ist die logische Schlussfolgerung. Wäre da nicht der Wille, der sich nicht klar herauskristallisiert. Will ich überhaupt Pasta essen oder muss ich mir doch ein Rezept für Pizza heraussuchen? Um meinen Willen zu verstehen, helfen mir Theorien nicht weiter. Was die Welt mir zu bieten hat kann ich nur ausmalen, aber wissen kann ich es erst, wenn ich sie gesehen habe. Wie heißt es doch gleich? „Probieren geht über studieren.“

Mein Rezept für diesen Sommer war es, so viel zu erleben wie es nur möglich ist, da ich keinen Idee aufschieben wollte . Das war meine Motivation nach der ich mein Rezept zusammenstellte, um mich glücklich zu fühlen. Kein Zeitfenster würde mich einschließen, denn meine Pläne, waren nur abhängig von meinen eigenen Entscheidungen. Vor einiger Zeit fühlte ich mich eingeengt von Verpflichtungen und meinen Funktionen unterlegen, doch nun sehe ich Pflichten als meine eigenen Entscheidungen an. Eingesperrt sein, kann ich nur von meiner Angst nichts außerhalb meiner Gewohnheiten zu finden, was ich kann und was mich erfüllt. Bringt mich diese Angst voran?
Diesen Sommer erkannte ich, dass ich jeden Tag nur für mich selbst aufstehe. Niemand würde mich aus dem Bett zerren können, wenn ich es nicht wollte, da nur ich den Entschluss fassen kann, jeden Tag erleben zu wollen. Die Angst vor meinen veränderten Verantwortungen  hat mich gestoppt, doch es ist meine alltägliche Herausforderung meine Angst beiseitezuschieben. Jeder Tag, den ich für mich annehme, ist der erste Schritt zu neuen Entscheidungen.  Bist du bereit für dein eigenes Rezept?

Und nun heißt es, die Ärmel hochkrempeln und bon Appétit!

Von Büchner zum Baden

#Tagebuch

Das Gefühl eine innere Leere zu haben und doch alles auf einmal zu fühlen, ist eine  innere Unruhe, die weder mit Musik hören noch mit dem Zeichnen zu bekämpfen ist. Die Dauerschleife im Kopf rattert munter weiter. Das Gefühl, das niemand auf der Welt einen versteht, ist präsent. Ich fühle mich alleine. Andauernd wird dieses Gefühl ausgelöst und schwirrt dann wie eine Alarmglocke über meinem Kopf, die mir sagt, dass ich hier nicht hingehöre. Ich fühle mich als wäre ich ständig auf der Durchreise, obwohl ich stets jede Woche an den selben Orten bin, den selben Menschen begegne, die immer gleichen Gedanken habe. Wäre ich auf der Durchreise, dann hätte ich vielleicht ein spannendes Leben. Jeden Tag würde ich neue Dinge erleben, neue Eindrücke von Natur und Menschen sammeln können, tief durchatmen können. Wie Büchner zu seiner Lebenszeit sagte: „Die Finsternis wogte über mir, mein Herz schwoll in unendlicher Sehnsucht[..]“. Eins meiner Lieblingszitate von Büchner stammt aus Dantons Tod, wo Danton auf Julies Frage „Glaubst du an mich?“, antwortet, „Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab, wir sind sehr einsam“(Akt 1, Z.10.14). Diese Einsamkeit ist die Art Einsamkeit, die ich spüre. Selbst wenn ich in Begleitung bin, selbst wenn ich ich mich einer Person hingebe, so ist diese Mühe nur ein Akt der Äußerlichkeit, da der Schutz der eigenen, sensiblen, dicken Haut keine Tiefgründigkeit zulassen kann. Es ist vergebens gegen das Gefühl anzukämpfen, da man in Zweisamkeit keiner Einsamkeit entfliehen kann. Was ist das in mir, was mich so leblos macht?

Das einströmende Wasser in die Badewanne hört sich an wie ein sprudelnder Wasserfall, der seine blau glänzenden Tränen an einen Fluss abgibt, der sich durch die Täler schlängelt und die Erde befeuchtet. Die Sehnsucht pflanzt sich hinter meiner Stirn im Zentrum des Denkens an. Den Wasserdampf auf meinem Gesicht spürend, stelle ich mir vor aus dem Zugfenster zu schauen und die Weiten der Felder vor mir zu sehen. Das Rattern der Zugräder auf den Schienen löst in mir ein entspannendes Gefühl aus, obwohl ich meistens nur das Ruckeln spüre, anstatt es zu hören, da ich meine Ohren gewohnheitsmäßig mit den Schallwellen der Musik betäube. Der Geruch vom Sommer, vom frischgemähten Gras, vom angezündeten Grill kriecht in meine Nasenlöcher und für einen Moment kehrt in mir eine Ruhe ein. Schnell öffne ich meine Augen, um mich zu vergewissern, ob ich den Wasserhahn zudrehen muss, damit die Badewanne nicht überläuft. Noch benebelt von den lebhaften Sommerträumen schaue ich in die Badewanne, die fast bis zum Rand mit Wasser befüllt ist und über und über mit Schaum bedeckt ist. Die einst geschenkte Badekugel kann heute ihre Premiere feiern und macht der Beschreibung des „Schaumbads“ alle Ehre. Es ist eine Ausnahme, dass ich überhaupt in Erwägung gezogen habe zu baden, da ich ein absoluter Duschmensch bin. Einmal im Jahr kann ich mich jedoch dazu aufraffen ein Bad zu nehmen und heute sollte wohl dieser Tag sein. Nachdem ich nachdenklich in den Schaum gestarrt habe, streife ich mir meine Kleidung ab, lege sie auf den Boden und drücke auf „Play“, sodass eine Melodie des ersten Liedes meiner Playlist den Raum erfüllt. Zögerlich wage ich mich in das warme Badewasser hinein. Zuerst versinken die Füße, dann die Oberschenkel, dann der Bauch samt Bauchnabel, dann die Arme und schließlich die Schulter in dem orangenen Wasser. Nur mein Kopf guckt noch aus dem Schaumbad heraus. Nach einiger Zeit des ruhigen Liegens im Badewasser schwebt der eigene Körper nur in den Wasseratomen als würden sie sich an die eigenen Form anschmiegen wie die Luft es tut. Einerseits entspannt die Wärme des Wassers die von der Woche erschöpften Glieder, andererseits erscheint meiner Haut die dauerhafte Wärme fremd. Ich möchte schwitzen, kann es aber nicht, da ich ja im Wasser liege. Plötzlich spüre ich wie meine Brust auf und ab tanzt. Der Rhythmus meines Herzschlages ist deutlich in der Hebung und Senkung des Brustkorbes wahrzunehmen. Mein Herzschlag hat alles andere als eine beruhigende Wirkung auf mich- im Gegenteil: Ich hasse das Geräusch und das Pumpen des Herzens. Wenn ich einen Herzschlag höre, dann habe ich immer Angst, dass dieses Geräusch unerwarteter Weise abrupt stoppt( Drama baby, Drama). Während meines Versuches eine Entspannungsphase aufzubauen, driften meinen Gedanken wieder ab. Ich versuche wieder an die Sommergefühle in mir heranzukommen. Mir hat diese Ruhe gefehlt. Einen Moment Ruhe brauchte ich für mich. Diese Ruhe macht mir Angst, aber manchmal gewinnt der Körper  gegen den Kopf. Ich versuche meine Gefühle zu akzeptieren.

Die Hitze der Badewanne fängt an meinen Kreislauf anzugreifen. Ich entscheide mich aus der Badewanne auszusteigen, da die Hitze wie ein Bauklotz auf meiner Brust liegt und meine Atemwege zuschnürt. Ruckartig erhebe ich mich aus der schaumigen Brühe, bemerke aber erst im Stand wie wackelig meine Beine von der Hitze geworden sind. Langsam neige ich meinen Kopf zum Spiegel, in dem ich mein Gesicht und meinen schaumbedeckten Körper wiedererkenne. Das Badeerlebnis ist zu Ende. Heilfroh aus der Wanne heraus zu sein, wickle ich meinen Körper in meinen Bademantel, ziehe in meinem Zimmer meine Jogginghose und ein T-Shirt an und lege mich in mein warmes Bett. Bevor ich einschlafe denke ich noch weiter, bis mein Gehirn endlich den Ausschalter gefunden hat.

 

Die Blogckade

Kaskade oder Blockade? Schon im letzten Jahr habe ich mir vorgenommen aus meinem Blog „mein Projekt“ zu machen. Wenn ich es aus einem negativen Standpunkt betrachte, dann bin ich gescheitert. Mein Blog ist genauso leer wie vor ein paar Monaten. Klar, ich habe so einige Beiträge veröffentlicht, aber es war nicht „mein Projekt“. Es hat sich nicht so angefühlt. An jedem Tag warte ich auf den einen Geistesblitz, der mich erfasst oder eine Inspiration, die meine Kreativität stimuliert. In so vielen Monaten gehe ich leer aus. Wie kann ich überhaupt erwarten, dass ich einen Schreibfluss habe, wenn ich bloß auf ihn warte, anstatt meine Gedanken selbst zu provozieren? Es könnte allerdings sein, dass ich davor Angst habe meine Gedanken zu veröffentlichen. Die Frage „Was denken die anderen über mich?“ ist tief in mir verwurzelt, auch wenn es an sich gesehen keinen Grund gibt mir den Kopf über die Köpfe von fremden Menschen zu zerbrechen.

Was machen eigentlich Autoren, wenn sie eine Schreibblockade haben? Schreiben sie wirklich darüber, dass sie eine Blockade haben? Bin ich jetzt ein Autor, weil ich das mache? Wahrscheinlich eher nicht. Ich bin ein „Blogger“ oder versuche einer zu sein. Tue ich das? Was möchte ich eigentlich mit meinem Blog „erreichen“? Im Prinzip möchte ich mit dem Blog an sich nichts erreichen. Ich freue mich, wenn andere Leute Interesse zeigen und das lesen, was ich geschrieben haben. So oft frage ich mir „Was habe ich zu sagen? Gibt es was zu sagen?“, aber vielleicht sollte ich diese hinterfragende Seite in mir in dem Moment stumm stellen. Der Blog ist für mich da, wenn ich etwas teilen möchte. Selbst, wenn es niemand lesen würde, ich habe dann den Mut aufgebracht mich mitzuteilen (und wenn es nur mit mir selbst ist). Der Blog ist Teil meiner eigenen Therapie, die manchmal eher stagniert und manchmal fortschreitet. Meine „Blogckade“ hat sich über einen doch längeren Zeitraum gezogen, da ich das Gefühl hatte viel zu viel zu sagen zu haben. Mein Kopf ist immer noch überladen. Meine Gedanken sind immer noch unsortiert. Im Gegensatz zu den „Blogckade“ Zeiten, kann ich kurzzeitig ein Thema in meinem Kopf festhalten – so wie jetzt.

Ich schreibe auch erst seit kurzem wieder Tagebuch, was mir enorm hilft meine Gedanken zu sortieren. Es ist ein langer Prozess, aber jeder klare Gedanke kann ein Schritt zu einer reflektieren Lösung zu kommen. Ich lese mir, wenn ich wieder ein Überangebot an Gedanken und Gefühlen habe, meine alten Tagebucheinträge durch und reflektiere, was sich in mir verändert hat. Immer wieder fällt mir dabei auf wie viel in mir und in meiner Umgebung passiert ist. Durch die ständige Verarbeitung von inneren und äußeren Reizen vergesse ich immer wieder, wie viel sich in der kurzen Zeit für mich geändert hat. Die eigene, kleine Welt ist stetig im Wandel, was zur Selbstverständlichkeit wird, doch was für einen selbst eine große Leistung sein kann.

Die Blockade bezog sich nicht nur aufs Schreiben, sondern auch aufs Zeichnen und Malen. Ich bin wirklich froh, dass ich diese Blockaden im Kopf teilweise überwunden habe (fürs Erste).

 

Psycho1
Spaltung der Dimensionen