Ich bin ein Gestalter?

Heute auf der U-Bahn Anzeige:

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Ich versteh‘ nur Bahnhof

Fast 20% der Menschen in Deutschland sind an der Armutsgrenze oder von sozialer Ausgrenzung betroffen.

Was sagt mir das als U-Bahn Fahrer?  Ich weiß jetzt, dass 1/5 der deutschen Bevölkerung arm oder sozial benachteiligt ist. Doch was wird aktiv dagegen gemacht? Stimmt diese Zahl überhaupt? Welche Menschen wurden in die Statistik mit einbezogen? Was sagt mir das überhaupt? Ist es ein Fakt und ein Aufruf? Für mich bleiben da so viele offene Fragen, die ich der Anzeigetafel stellen würde. Doch im Endeffekt lösen weder Zahlen noch grässliche Fakten etwas in mir aus – denn es ist zur Normalität geworden. Wenn es keine Schlagzeile wie „Jahrhundert- Brände erschaffen ganze Geisterstädte“, „IS bekennt sich zum Attentat“ oder „Schwerer Autounfall auf der A2: Mehrere Tote“ sind, dann ist es kein normaler Tag.  Die Überflutung von schlechten Nachrichten bewirkt bei mir, dass mein Gehirn versucht die Ängste nicht zuzulassen. Die große Frage wäre schließlich: „Was wäre, wenn ich betroffen wäre? Würde mir jemand helfen?“  Ich denke es ist ein Selbstschutz-Mechanismus nicht alles Unglück dieser Welt an mich heranzulassen.  Gleichzeitig fühl‘ ich mich hilflos, da ich mich selbst schuldig fühle nichts konkretes dagegen zu machen. Da ich weder vor Reichtum trotze, noch ein breites Zeitfenster habe, gestaltet sich ein Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten als schwierig für mich. Wie ist das bei euch? Macht ihr euch Gedanken darüber?  Es ist bei mir ein Gefühl, das unter der Oberfläche brodelt:“ Ich möchte etwas verändern!“  Ich bin wie alle anderen der 80 Millionen Deutschen ein Gestalter dieser Gesellschaft.  Für sich selbst muss man im Endeffekt selbst entscheiden wie man diese Verantwortung nutzt. Was möchte ich mit dieser Verantwortung erreichen? Was ist der Anspruch der Gesellschaft und was sind meine eigenen Bedürfnisse? Als Gestalter ist man frei in seinem Handeln, kann bunter, lauter, verrückter, träumerischer denken als es in der Realität ist. Graue, trübe Landschaft kann für einen kurzen Moment in den eigenen Augen in allen regenbogenfarben Strahlen, doch verändert sich erst, wenn man jeden Graudenker ansteckt, bis er einem glaubt und hilft die Landschaft wieder bunter zu gestalten.

Endlich, endlich.

Yeah, yeah, since you been gone
And all you’d ever hear me say
Is how I picture me with you
That’s all you’d ever hear me say
But since you been gone
I can breathe for the first time
I’m so moving on, yeah yeah

Since u been gone – Kelly Clarkson

Dieser Song drückt für mich den Befreiungsschlag nach dem Beenden einer unerwiderten Freundschaft und Liebe aus.
Das könnten Gedanken zu diesem Song sein:

Trotz des Wissens über die unerwiderten Gefühle, das fehlende Bemühen und Interesse der Person, kann ich mich nicht trennen. Ich hadere mit mir selbst, da die Behauptung man könne ohne die Person nicht glücklich weiter leben, fest verankert ist. Die einseitige Liebe zerstört einen, aber anstatt loszulassen klammere ich mich an jeden Strohhalm. Jede Energie wende ich auf, um Anerkennung von dieser Person zu erhalten – ohne Erfolg. Man selbst bleibt dieser kleine Geist im Leben des anderen, ohne eine Kausalität dafür. Vielleicht meint es die Person nicht ein Mal böse, sondern bemerkt es einfach nicht. Die andere Möglichkeit wäre, dass es der Person einfach komplett gleichgültig ist. Der Fokus ihrer Wahrnehmung schließt mich nicht mit ein.  Erst als ich den Entschluss fasste zu gehen, merkte diese Person, dass ihr meine Aufmerksamkeit fehlt. Die Frage ob die Person diese Aufmerksamkeit überhaupt vermisste, ist eine andere. Für mich jedoch war diese Entscheidung ein Eingeständnis. „Die Zeit, die ich für die Person an Gedanken und emotionale Tiefgänge aufwendete, soll nicht mehr verschwendet sein!“ Dann merkt man wie der Druck auf dem Herzen entweicht. Der eigene Selbstwert beginnt sich wieder aufzubauen, da ich nun genug bin. Endlich sind diese Pflichtgefühle der Person gegenüber wie aufgelöst. Endlich bin ich genug.

Since u been gone…
Since u been gone…

White Smoke

We all have a weakness
Some of ours are easier to identify
Look me in the eye

And ask for forgiveness
We’ll make a pact to never speak
That word again, yes, you are my friend

We all have something that digs at us
At least we dig each other

So when weakness turns my ego up
I know you’ll count on the me from yesterday

If I turn into another
Dig me up from under what is covering
The better part of me

Sing this song
Remind me that we’ll always have each other
When everything else is gone

Incubus- Dig

The weakness of each of us makes us so interesting.  Life wouldn’t be the same without failure. The only reason why we feel like we do, is our ability to trust. To trust in yourself is a lifetime-destination. To trust in each other is the chance of being loved. To trust delightfully in love could be your relief or your destruction. But what is it about all these sorrows? In the end we only have each other, when everything else is gone.
Everything’s gone like white smoke. Inhale the smoke in innocent lungs, exhale it into the predatory air. The white smoke floats upon your head, strokes gently your soft hair and vanishes forever. We never met, we only felt, trusting in each other’s effects.

 

 

 

Homophobie ist voll schwul!

Olivia Jones„Liebe für alle?“– aber sowas von!
Der Christopher Street Day in Hamburg war so eindrucksvoll, voller Farben, voller Freude und Feierlaune. Die Ehe für alle wird nun endlich zur Realität! Die Straßenparade ging durch die geschmückte Hamburger Innenstadt. An Laternen, Geländern, an U-Bahn Stationen und an Schaufenstern waren regenbogenfarbene Fahnen, lustige Sprüche und ausgefallene Flyer angebracht. Luftballons fliegen über die Köpfe der friedlich-stolzen Masse hinweg. Der Marsch wurde von Elektro-, Techno-, Rock- und Popmusik begleitet, da die Festzüge wie riesige Schiffe die Menschen in die richtige Richtung leiteten. Ich kam mit vielen Menschen schnell ins Gespräch und sei‘ es nur ein Kompliment über Kleidung, Schminke oder das jeweilige Plakat, was empor gehoben wurde bis der Arm lahm geworden ist. Die Leichtigkeit mit der die Menschen diesen Tag erlebten war so inspirierend wie es wenige Feste sind – es ist eine Empfehlung für jeden, der Mal eine ordentliche Portion Liebe, gute Laune und Inspiration vertragen kann. „Free Hugs“ oder “ Free Kisses“ sind an jeder Ecke zu vergeben, sodass sich niemand benachteiligt fühlen muss.

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Es ist einfach großartig, wenn sich Tausende versammeln, um einfach nur stolz zu sein sie selbst zu sein. Egal welcher Sexualität, welcher Gesellschaftsgruppe, welcher Nationalität oder welcher Identität ich mich zuordne- das Gefühl „Hier ist ein Fleckchen Erde an dem ich sein darf, wer ich sein will“  ist so stärkend und lässt einen hoffen, die Welt mit positiver Energie überschütten zu können. Nicht nur am Christopher Street Day sollten Herzen und Ohren geöffnet, Komplimente und Meinungen ausgetauscht werden – jeder Tag sollte ein Tag wie dieser sein.

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„Lass‘ dich nicht unterkriegen! Sei frech und wild und wunderbar“, sagte Astrid Lindgren schon einmal. Also mal‘ ich mir die Welt, wie sie mir gefällt!

 

Zeitraffer

[…|When my time comes
Forget the wrong that I’ve done
Help me leave behind some
Reasons to be missed
Don’t resent me
And when you’re feeling empty
Keep me in your memory
Leave out all the rest
Leave out all the rest

Forgetting all the hurt inside
You’ve learned to hide so well
Pretending someone else can come
And save me from myself […]
-Leave out all the rest: Linkin Park

Vergessen werden ist eine undefinierbare Angst, die einen um Vergebung betteln lässt. Vergebung für die unvermeidbaren Fehler, die man im Laufe seines Leben gemacht hat. Die Zeit eines Jeden wird kommen, die Zeiten des Bereuens werden kommen, wenn man sie nicht vermeidet. Nicht die Fehler bereuen, sondern das Fallenlassen des eigenen Selbst. Was ist mein Sinn auf diesem Planeten zu existieren? Was hinterlasse ich auf der Welt wenn meine Zeit zu Ende geht? In der Zuneigung anderer Menschen liegt die Kraft die Vergänglichkeit zu vergessen. Die Außenwelt soll die glückliche Fassade anschauen, dann zweifeln, dass jeder vergangen Schmerz in sich trägt. Doch man sehnt sich nach einer Person, die einen vermissen wird. Eine Person, die ohne dich nicht weiß, was sie tun soll. Ein egoistischer Gedanke, aber ein wahrer.  Ist der Anspruch zu groß? Wird es am Ende doch nur ein Grabstein mit einem eingemeißelten Namen sein, der andere an einen erinnern lässt? Diese Fragen werde glücklicherweise wohl niemals beantwortet werden. Wie wichtig es auch ist, von anderen unterstützt zu werden, geliebt zu werden, letztendlich steht man mit seinen eigenen Beinen auf der Erdkugel und rennt gegen die Zeit an. Die Zeit, die das Privileg des Menschen ist. Die Zeit, die das Verhängnis des Menschen ist. Immer wieder kreuzt die Zeit unseren Weg, hinterlässt ihre Spuren, doch im Endeffekt ist man es alleine, der sie mit seinen Händen zu etwas formt. Leere Stunden können zu den Besten werden.

Würde der Alltag nicht unaufhörlich seine Schlingen immer mehr um die Seelen von Millionen von Menschen schnüren. Tag ein, Tag aus, gucken beispielsweise Büromenschen auf die Uhr in ihrem Büro. Der Minutenzeiger schleicht gerade zu über das Ziffernblatt, der Stundenzeiger scheint eingefroren zu sein. Um 18Uhr ist dann im besten Fall Arbeitsschluss. Alle packen ihr Zeug zusammen, verabschieden sich vom Arbeitskollegen, stellen ihre Kaffeetasse zurück in die Gemeinschaftsküche, verlassen ausgelaugt das Büro. Der Weg nach Hause ist jeden Tag der Gleiche. Entweder geht es ab ins Auto, das die immer gleichen Kreuzungen überquert, das an den immer roten Ampeln anhält , das die immer vollgestopften Straßen befährt. Oder es geht in die U-Bahn, wo das Gedränge schon freudig auf einen weiteres, müdes Gesicht wartet. Rush Hour. So stell ich mir zu mindestens den Ablauf vor. Kaum Zuhause angekommen, scheint die Uhr sich zu verändern. Die Zeiger spielen verrückt. Jede Minute vergeht wie im Flug. Alles Gute, was der Mensch für sich und andere tut scheint so viel schneller zu vergehen, so viel schneller zur Erinnerung zu werden. Seien es wohltätige Arbeiten in einer Organisation, sei es das Zusammentreffen in einem Verein, sei es das gemütliche Bad am Abend, sei es das in Decken eingekuschelte Seriengucken. Jegliches Flehen und Klagen ist überflüssig. Die Zeit verläuft trotzdem. Sie gibt einem ein Leben Zeit, Dinge zu tun, die es anderen Menschen möglich machen uns zu vermissen. Noch wichtiger: Die uns selbst zu dem machen, was wir sind. Wo sind die Zeiten geblieben, in denen die Seele mehr wert ist als die Pflicht?

Kein Tag.. zu spät, zu ändern, was einem nicht passt.
Kein Tag.. zu spät, sich aufzuraffen.
Kein Tag.. zu spät, zu rebellieren.
Kein Tag.. zu spät, Licht in das Dunkle zu bringen.

Applaus!

C’est la société!

So oft klagt man über die Gesellschaft. Eine Gesellschaft voller Gesichter, die einem unbekannt sind. Wie maskierte kreuzen sich die Wege vieler Persönlichkeiten und doch bleibt man auf der halben Strecke der Zwischenmenschlichkeit liegen. Am Ende des Tages ist man auf sich selbst gestellt, ist für sich selbst verantwortlich.
Selbst in Beziehungen “ strecken  [wir]  die Hände nacheinander aus, aber es ist vergeblich Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab- wir sind sehr einsam“ (Dantons Tod, Georg Büchner) – was so viel bedeutet wie, auch wenn es äußerlich die Liebe zu sein scheint, die wir geben und nehmen, ist jeder menschliche Kontakt doch vergebens, weil wir am Ende des Tages einsam für uns sind. Sehr ernüchternde Annahme würde ich mal sagen. Doch ist es wirklich die Gesellschaft, die uns formt? Sind wir es nicht, die sich immer mehr vergessen, um massentauglich zu sein? Jedes Individuum bestimmt wie das Erscheinungsbild der Mehrheit ist. Ohne Individuen gibt es keine Mehrheit, ohne ein einzelnes Klatschen gibt es kein Beifall. In der begrenzten Zeit des Lebens liegt es an jedem einzelnen seinen Beitrag zum Beifall zu vergrößern, seine Stimme zu erheben. Ce n’est pas la société Es ist leicht sich in der namenlosen Gesellschaft zu verlieren, hingegen es eine Herausforderung wird sich selbst treu zu bleiben, sich selbst zu finden.

Brückenromatik

Unsere Blicke sind wie Brücken, die ins Nirgendwo führen.
Jeden Tag versuchen einen Punkt zu fixieren
und doch den Augenblick verlieren.
Walküren, die nach Hoffnung suchen
Auf den Brücken der gleichbleibenden Tage.
Alle Welt spricht von Veränderung,
doch lebt lieber in der Illusion
Der Perfektion.
Kann es sein, so wie ich denke?
Unsere Gedanken sind wie Brücken, die ins Nirgendwo führen.
Das Gerüst bleibt eine Baustelle,
der Wegweiser bleibt verschwunden.
Das Nirgendwo wird eines Tages
das Glück entfachen,
der Grund sein, warum wir jeden Tag zusammen lachen.
Am Anfang  ist es scheinbare Zeitverschwendung.
Am Ende ist es die Erfüllung.

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Schwarz auf Display

Nichtsahnend schlender ich durch die Feldwege. Kopfhörer im Ohr, Wasserflasche in der Hand, Sonnenbrille auf der Nase. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich fühle wie sich meine Vitamin- D- Speicher einmal wieder so richtig füllen. Der Wind kitzelt meine Nase und seit langem fühle ich mich in der Natur wieder geborgen, anstatt unerwünscht. Normalerweise signalisiert einem das Deutschlandwetter, dass man sich ja nicht aus dem Haus wagen sollte, denn ansonsten wird man mit heftigen Regengüssen, Gewitter und eisigem Nordseewind bestraft. Doch seit kurzem scheint die Natur wieder versöhnlicher gestimmt zu sein – mein Glück. Die Farben der Frühblüher kommen in dem gelben Sonnenlicht viel besser zur Geltung und die Frühlingsgerüche werden nicht so schnell vom Wind vertrieben wie sonst, sondern erfüllen die ganze Stadt.

Diing- der Bildschirm wird hell und eine Whatsapp Nachricht ploppt auf. Meine Träumerei während des idyllischen Spaziergangs wird unterbrochen. Während meine Augen die Nachricht überfliegen, erhöht sich mein Puls schlagartig. „Wie kannst du nur..?“, ist die Vorschau der Nachricht und ich weiß direkt, dass ich mal wieder irgendwas vergessen habe. Auch wenn es nur eine Nachricht ist, lässt sie einen doch nicht kalt. Die Daumen fliegen nur so über den Touch-Screen, damit sich die Zeilen schneller vervollständigen. Die Umgebung, die ich mit fortschreitenden Schritten passiere, nehme ich kaum mehr wahr.
Egal wie sehr die Leute darüber reden, dass die Handynachrichten eine immer größere Distanz zwischen Sender und Empfänger schüren als dass es sie zusammenbringt, man kann nicht behaupten, dass diese Nachrichten keine immer größere Bedeutung bekommen. Das Display depersonalisiert zwar die Konversation, aber im Endeffekt bleiben es die selben Aussagen nur ohne Gesichtsausdruck. Zudem ist ein viel schnellerer Informationenaustausch möglich, während man seine Antwort besser durchdachen kann, weil der Gegenüber nicht im Bruchteil einer Sekunde deine Antwort einfordern kann. Langsam werden meine Daumen taub vom ununterbrochenen Schreiben. Probleme können verschoben werden, in dem man das Handy einfach zur Seite legt. In einem wirklichen Gespräch kann man nicht einfach die Person zur Seite schieben, in eine Schublade ablegen und erst später wieder herausholen, wenn man dann das passende Argument gefunden hat. Nach dem Modell von Schulz-von-Thun kann man nicht „nicht kommunizieren“. Jede Art von Antwort- selbst wenn es keine Antwort gibt- gibt eine Antwort auf meine Frage. Und so ist es auch mit dem Antworten auf die Whatsappnachricht. Durch diese Kommunikation ist ein großes Problempotential vorhanden, da jede Art der Kommunikation schnell in eine negative Botschaft umgewandelt werden kann. Außerdem heißt ein schneller Informationenfluss nicht, dass Probleme schneller geklärt sind, weil die Vielzahl der Nachrichten einen schnell das eigentliche Problem vergessen lassen, da man sich schon längst in das nächste Problem reingesteigert hat. Nebenbei können in den vielen Nachrichten auch viele Zusagen getätigt worden sein, sodass jeder Terminplaner nur überstrapaziert wird. Das schnelllebige Nachrichtenverschicken lässt langfristige Dinge vergessen. Worte sind so schnell verschickt, doch alle versprochenen Dinge nur so schwer umzusetzen. Kleinigkeiten sind der Grund für die Erklärungsnot. Kleinigkeiten sind schwarz auf Display gespeichert. Die Krankheit von dem Nachrichtenfluss abhängig zu sein gilt schon längst nicht mehr als Krankheit. Ich blicke von meinem Display auf und realisiere erst, was mit mir geschehen ist. Ich bin wirklich krank oder? Wie kann ich mich mitten an diesem schönen Tag mit diesen belanglosen Problemen aufhalten? Anstatt mich weiter zu freuen wie schön das Wetter ist, starre ich wie ein willenloser Zombie auf das Stück Plastik, was sich Smartphone nennt und antworte meinem provokanten Streitschreiber. Entschlossen schreibe ich den letzten Satz der Nachricht zu Ende, atme tief durch und stecke das Smartphone in meine Hosentasche. Das kann warten – ich muss mal kurz den Tag zu Ende leben!

Langersehnte Freiheit und doch findet man immer neue Arten sich selbst zu verpflichten, um zu etwas gezwungen zu sein. Muss man jede Nachricht sofort beantworten? Ich denke nicht. Den Tag zu Ende leben und dann zu antworten kann auch mal eine Lösung sein. In diesem Sinne: Genießt das schöne Wetter!

Was wenn doch?

Neulich:
Auf Youtube habe ich versucht mich inspirieren zu lassen und bin da tatsächlich auf einige Dinge gestoßen, die meine Aufmerksamkeit erregt haben. Unter anderem wurde in dem einen Video über Zukunftsängste, Zweifel und gesellschaftliche Beeinflussung gesprochen – dabei kam dieser Song, den ich wie die Youtuberin als Gedicht gelesen schöner finde, in meinen Kopf. Es gibt so Texte von Menschen, die man liest und sich selbst so mit diesen paar Zeilen identifizieren kann als wären es eigen gedachte Worte. Allerdings ist diese Art von Identifikation noch schöner, da man die angesprochene Kritik bewusster mit sich selbst reflektiert und man sich fragt – möchte ich diese Person sein? Oder möchte ich diese Person bleiben?
Diese kleine Anregung soll zu vielen weiteren Denkweisen auffordern. Viel Spaß beim Lesen des Auszuges! Ein optimistischer Blick in die Ferne ist die Motivation von morgen seine Träume zu verwirklichen.

Stell dir vor wir Menschen würden von nun

an nur noch Dinge tun die wir wirklich gerne tun,

sprich aus Liebe handeln und fortan

all das lassen was wir hassen

Was wäre dann?

Dann gäbe es in unserem Land endlich gutes Fernsehen

Weil die Fernsehmacher Fernsehen machten das sie selber gern sehn.

Statt um die Quote um die sich dort alles dreht

Ginge es auf einmal nur um pure Qualität

Desweiteren fehlte dann hierzulande jede Spur

Von lieblos hingerotzter Zweckarchitektur

Plötzlich wären unsere Städte Stätten der schieren Freude

Statt Ansammlung kalter deprimierender Gebäude

Es gäbe keine Nerv tötende Werbung mehr

Weil sie ohnehin komplett überflüssig wär
Denn ausnahmslos jedes Produkt das existiert

Wäre dann mit Hingabe und Liebe produziert

Die Werber würden nicht mehr ihr Talent verschwenden

Sondern sich fortan der guten Sache zu wenden

Einer Sache die sie künstlerisch und inhaltlich erfüllt
Und eben nicht mehr Werbung machen für Nestle oder die Bild

Plötzlich handelten wir alle aus authentischem Gefühl

Und nicht mehr aus Angst und marktwirtschaftlichem Kalkül

Wir folgten unserem Herzen und unseren Gelüsten

Statt das zu tun von dem wir glauben, dass wir es tun müssten

Wir würden uns entfalten und neu gestalten

Und nicht mehr tun was unsere Alten für richtig halten

Die sich klammern an vermeintliche Tugenden und Sitten

Unter denen sie absurderweise selber früher litten.

Wir trauten uns wir selbst zu sein und unkonventionell

 

Und studierten kaum noch Jura oder BWL

Oder sagen wir so Betriebswirt oder Jurist

Wird dann nur noch der wer es wirklich gerne ist.

Wir alle würden einen Beruf ausüben

Den wir wirklich gern tun und von ganzen Herzen lieben

Die gute Laune würde steigen ganz egal wohin man guckt

Und ganz nebenbei auch das Bruttosozialprodukt

Die richten Leute wären Ärzte oder Richter

Lehrer und Beamter, und die Falschen wären nicht da

Die richtigen Leute wären Bäcker oder Bänker

Krankenschwestern oder Staatenlenker

Erst die Arbeit dann das Vergnügen

Diesem Dogma bräuchten wir uns nicht mehr fügen

Denn das Vergnügen fänge ja dann

Schon für uns direkt schon bei der Arbeit an.

Und wie schön ist es wenn man bei einem Menschen erkennt

Er brennt für was er tut und ist in seinem Element

Und wie schön ist es sich mit solchen Menschen zu umgeben

Die für das was sie tun leben

Ich glaube, dass ist echt das Schönste was es gibt

Wenn man das was man tut, leidenschaftlich liebt.

Man tut damit sich nicht nur selbst einen Gefallen

sondern, letzten Endes, allen.

Vermutlich sagen Sie, dass funktioniert doch nie

Na, ihre Hirngespinste, reine Utopie

Wenn alle täten was sie lieben, wo kämen wir denn da hin

Das hat doch alles überhaupt gar keinen Sinn

Wir unterwerfen uns lieber weiterhin dem Joch

Denn das kann ja gar nicht klappen…

…was wenn doch?

…was wenn doch?

– Bodo Wartke, Das falsche Pferd

Hohles Zeug

Leere
Eine Leere, die im Herzen Sprünge bewirkt. Ich zittere in den Fingern, bin so aufgeregt, dass ich brenne. Eine Mischung zwischen Ekstase und Kollaps. Alle Sinne sind geschärft und dennoch so betrunken sein. Nicht die Art von Betrunken, die betäubend wirkt, sondern die Art, die einem schlecht werden lässt. Das Gefühl zwischen sich übergeben und den Druck herausschreien. Keine Erlösung in Sicht, nur der immergraue Alltag. Wie ein pechschwarzer Smog erhebt sich das Gefühl, wendet sich gegen dich, bohrt sich in die Lungen bis der Atem stillsteht. Doch der Körper gibt nicht auf, was die Seele längst verloren hat.

„Achtung: Ihre Gefühle sind leider nicht vorrätig“

Die Existenz voller Leere

Die Meere voller blau

Der Sinn sei ein Grund

Hieß es

Als ich dich traf‘

Wir standen vorm Abgrund

Voller Leere diese Welt

Liebe sei ein Beflügler

Lügner voller Enthusiasmus

Fühl‘ mich nicht rein

In die Marterie

Liege bloß im Bett

Schau‘ diese 0-8-15 Serie

Warum so leer?

Klär‘ mich auf