Umzugsgehabe.

21 ist eine schöne Zahl, um ausziehen. So sehe ich das Ganze. Schon seit etlichen Jahren habe ich von meiner eigenen Wohnung geträumt und die Idee mal mehr mal weniger verfolgt. In gewisser Weise habe ich Unabhängigkeit vom Elternhaus erstrebt, die ich durch meine eigene Organisation meines Lebens, die Arbeit, das selbst verdiente Geld und meine Freunde etc. angekratzt habe. Doch am Ende des Tages konnte ich mich in das weiche Tuch des Elternhauses fallen lassen, was mich garantiert hält, falls ich es brauche. Das ist ein schönes Gefühl von Sicherheit, was ich niemals missen möchte, aber dieses Tuch ist eben auch die Abschirmung von der Realität sich selbst so ein Tuch erschaffen zu müssen. „Eines Tages, wenn ich ausgezogen bin.“, fingen viele meiner Gedanken an und endeten in einem Traum wie, „dann möchte ich ein riesiges Bücherregal im Wohnzimmer haben“, der so weit entfernt zu sein schien. Jetzt bin ich seit einigen Tagen ausgezogen und was mich am wenigsten interessiert ist, ob ich ein Bücherregal im Wohnzimmer habe. Klar, irgendwann wird das für mich wieder an Bedeutung gewinnen und ich werde für ein Bücherregal sparen, aber ich habe in meiner romantisierten Vorstellung des Ausziehens nicht bedacht, dass ich erst wieder über ein Bücherregal in meiner Wohnung nachdenke, wenn ich mich „Zuhause“ fühle. Wie krass ist es eigentlich zu wissen 21 Jahre in dem gleichen Haus gewohnt zu haben und von einem Tag auf den anderen ist alles anders?

Vor meiner neuen Wohnung. Da lachte ich noch, weil ich die Kisten noch nicht 4 Etagen hochgeschleppt hatte.

Die erste Nacht in meiner neuen Wohnung ist gut verlaufen. Mein Schlaf war dafür, dass ich normalerweise in neuen Umgebungen den instinktiven Nacht- Fluchtmodus spüre, angenehm.
Am ersten Morgen machte ich mich dann daran die ersten Kartons auszuräumen. Mein Kleiderschrank und meine Kommode füllten sich mit meiner Kleidung, meinen Erinnerungsstücken, Ladekabeln, Stiften, Schmuck und Blöcken. Mein Schreibtisch wirkte immer zugestellter mit jedem Blatt, was ich darauf legte. Als ich fertig war, sah die Wohnung aus, als wäre sie lebendiger. Trotzdem dachte ich bei jedem Teil, was ich aus einem der Umzugskartons nahm und in den Schrank oder die Kommode legte: „Es loht sich gar nicht die Dinge auszupacken, wenn ich bald wieder nach Hause fahre.“ Erst nachdem ich diesen Gedanken gedacht habe, fiel mir auf, dass mein Zimmer in meinem Elternhaus leer steht. Kein Möbelstück ist in meinen alten vier Wänden zurückgeblieben. „Diese Wohnung ist mein neues Zuhause und ich werde nie mehr mit meinen Eltern zusammen in diesem Haus wohnen“, ist aktuell immer noch ein Gedanke, der mich beschäftigt und den ich noch nicht ganz akzeptieren kann.

Einerseits stimmt mich das traurig, dass die Zeit des „Zuhause Wohnens“ vorbei ist. Unzählige Erinnerungen verbinde ich mit diesem Haus, die, als ich noch dort wohnte, lebendig und nahbar waren. Jetzt, wo ich außerhalb dieses Hauses wohne, scheinen die Erinnerungen für mich weiter weg zu sein. Die Ferne zu meinem Kindheits- Nest, distanziert auch meine Gedanken davon, oder nicht? Andererseits ist es ein Beginn einer neuen, aufregenden Zeit für mich, der mein „Erwachsen sein“ prägen wird. Die erste Wohnung ist eine erste Erfahrung alleine zu wohnen und sich zu organisieren. Es ist das erste Mal, dass ich mir selber ein Zuhause schaffen muss, da es zuvor immer von meinen Eltern erschaffen wurde. Doch was sind meine Ansprüche an ein Zuhause? Oder ist es im Endeffekt der Gewöhnungseffekt, dass ich nur lange genug hier wohnen muss, um mich „Zuhause“ zu fühlen?

Mein sicherer Hafen

Es gab Tage und Monate, wo mir mein altes Zuhause nicht das „Zuhausegefühl“ gegeben hat, wie es das sonst tat. Ich fühlte mich nicht gut oder habe mich mit meinen Eltern gestritten etc. In jedem Leben gibt es denke ich Momente, wo man am liebsten seine sieben Sachen packen würde und gehen würde, aber im Endeffekt war mir immer bewusst, dass ich das Glück habe einen sicheren Hafen zu haben. Egal, was ich erleben würde oder wenn ich Angst habe, kann ich in mein Zimmer gehen und fühle mich geschützt von der Außenwelt. „Hier bin ich sicher, egal was passiert!“

Dieses Erlebnis zu haben, dass das Grundbedürfnis Sicherheit, erfüllt werden kann, ist eine enorme Erleichterung für den Alltag. Dieses Zuhausegefühl entspringt aus der Sicherheit heraus, die sich aus Vertrauen und Geborgenheit zusammensetzt. Und dieses Zuhausegefühl gilt es ab dem Tag meines Auszugs für mich in dieser neuen Wohnung zu entdecken:
Was kann mir hier Vertrauen geben?
Wodurch fühle ich mich geborgen?

Zu meinem Glück ziehe ich mit meiner besten Freundin zusammen, mit der ich auf diesem schaukelnden Gefühlsboot umhertreibe. Früher dachte ich, der Schritt des Umzugs ist nur das Ankommen an einem aufregenden, neuen Hafen und nicht gleichzeitig auch das Loslassen des sicheren, alten Hafens.

Entsteht mein Vertrauen in meine neue Wohnung durch Erfolgserlebnisse und Geborgenheit durch die Gewöhnung an die neue Umgebung? Oder ist es ein Gefühl, dass aus meinem inneren heraus durch die Akzeptanz und der Annahme der Unsicherheit und der Imperfektion ist?

Umzugs(de)mut

Zum Umziehen gehört eindeutig Mut für mich, den ich so gar nicht wahrgenommen hatte bisher.
Einen Neuanfang an einem neuen, wenn auch bekannten Ort zu starten, bedeutet auch Distanz zu der gewohnten Wohnumgebung herzustellen.

Kommt mit der Distanz zu meinem Elternhaus auch eine neue Form von Wertschätzung zustande?
Selbstverständlichkeiten werden plötzlich zu Besonderheiten. In der ersten Woche meines Umzuges wollte ich mir eine Tomatensauce kochen, wofür ich alles notwendige besorgt hatte – bis auf die Zwiebeln. Bei meinen Eltern waren Dinge wie Zwiebeln, Knoblauch, Mehl, Zucker..etc. einfach immer vorhanden. Selbst wenn ich dort für die Familie einkaufen war, musste ich sowas beinahe nie kaufen – weil es eben immer da war. Jetzt stand ich da mit all‘ den Zutaten und Zwiebeln fehlten. Ich musste erstmal lachen – einfach weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass wir Zwiebeln im Schrank haben. Das war einer der Momente, wo mir deutlich wurde wie angenehm und bequem es wirklich ist Zuhause eine/n Manager*in – in meinem Fall meine Mama – zu haben.
Plötzlich ist man auf sich allein gestellt, wenn der Klempner einen Wasserhahn reparieren soll und fragt, wo sich das Wasser ausstellen lässt. „Gute Frage – nächste Frage“ dachte ich mir im ersten Moment und hätte am liebsten meinen Vater angerufen. Der weiß sowas nämlich! Natürlich habe ich den Wasseranschluss dann noch gefunden, aber im ersten Moment ist es so unerwartet, dass ich selber nun die „wissende Person“ bin, der die Wohnung gehört.

Selbstständigkeit und Verantwortung übernehmen sind Schlüsselwörter, die ohne das eine nicht funktionieren können. Ich kann nicht selbstständiger werden, ohne neue Verantwortung zu übernehmen, aber es ist doch noch mal ein Unterschied sich dessen bewusst zu werden. Ich bin froh endlich diesen Mut aufgebracht zu haben auszuziehen, den viele meiner Freunde schon vor mir gefasst haben – aus unterschiedlichsten Gründen. Ich merke nur, dass es mir enorm den Druck nimmt, zu wissen, dass ich diese Entscheidung für mich treffen konnten und nicht aus unangenehmen Beweggründen heraus. Ich wurde mutig, weil mein Leben mutiger werden soll!
Gleichzeitig verbinde ich diesen Mut mit der Dankbarkeit zu wissen, dass ich, selbst wenn es noch dauert bis ich mein neues „Zuhausegefühl“ entwickelt habe, immer ein Zuhause haben werde.

Z – Zusammengehörigkeit
U – Ursprung
H – Haus
A – Anker
U – Ungefiltert
S – Sicherheit
E – Erinnerungen


Denn das Ausziehen ist ein sich „Nackt machen“ in einer anderen Art und Weise. Ich erkenne neue Seiten an mir, die unter dem behüteten Deckmantel des Familienhauses verborgen geblieben wären.

Danke Mama, danke Papa – für euch & eure Unterstützung.

Schön für mich?

Was ist, wenn man keinen extrinsischen Grund hat sich hübsch zu machen?
Da ich in meiner Quarantänezeit viel Zeit und keinerlei Sozialkontakte hatte, hätte ich die Chance ergreifen können mich „verwahrlosen“ zu lassen – zu Mindestens zwei Tage länger keine Haare waschen als sonst. Anfangs habe ich diese Chance genutzt, doch mit der Zeit war das kein so befriedigendes Gefühl wie ich es gedacht habe. Auf dieses „Verwahrlosen lassen“ habe ich mich aus dem Grund gefreut, da ich mich frei von gedanklichen Zwängen machen konnte, da die Frage „Was denken andere über mich?“ für eine gewisse Zeit nicht existent war. Doch es ist keine Freiheit, die man gerne hat, denn darunter leidet die Motivation sich für sich zu pflegen.
Was ist, wenn ich mich schön für mich mache?

Im Alltag bin ich auch eher in dem Team, das mit Jogginghose/Sport-Leggings, ungeschminkt mit wirrem Knödel-Dutt und bequemen Schuhen das Haus verlässt, aber am Wochenende (und selten an Wochentagen) habe ich Lust mich zu schminken und figurbetonter anzuziehen. Das ist meine Art mich „Hübsch machen“ und das löst dieses Gefühl vorm Spiegel aus, wo ich mich darauf freue mich der Welt zu präsentieren. Vorausgesetzt man hat einen guten Tag, ein gutes Selbstwertgefühl und ein gutes Selbstbewusstsein.
Doch sind diese Kriterien erfüllt, dann löst an diesen genannten Tagen das „Hübsch machen“ richtige Endorphine aus. Ich kreiere die äußerlich beste Version von mir selbst, die ich dann genießen kann. Ein Tag voller Zufriedenheit mit sich und seinem Aussehen kann den Selbstliebe- Akku fürs erste ein wenig auffüllen.

Get yourself someone who looks at you the way I look at this orange!
It will better be yourself first.

Das äußere Erscheinungsbild stark zu kontrollieren, z.B. durch häufige Friseurbesuche, exzentrisches Schminken, perfekte Kleidung usw. wird meiner Erfahrung nach oft als eitel oder arrogant betrachtet, aber es geht nicht um die ausschließliche Konzentration auf das Aussehen.
An diesem Tag ging es für mich darum mich wohl in meiner Haut zu fühlen und darauf zu hören, was ich brauchte. Ich brauchte eine ausgiebige Dusche mit Gesichtsmaske, Peeling und wohlriechender Creme, eine Haarmaske, dezente Mascara, aber auffälligen Lippenstift und ein figurbetontes Outfit. Mit lauter Musik konnte ich gutgelaunt ein wenig durch das Haus tanzen und mich freuen, da mir mein Spiegelbild gefiel. Ich beschloss Fotos von mir zu machen – aber keine Handy-Selfies, sondern der gute Fotoapparat wurde herausgeholt. Meinen Bruder konnte ich schließlich überreden ein paar Bilder von mir zu machen. Und ich fühlte mich gut, denn ich fühlte mich in meiner Haut so wohl wie lange nicht mehr. Ohne Zeitdruck konnte ich den ganzen Tag mit mir verbringen, ohne dass mir langweilig wurde. Das war ein ganz neues Erlebnis für mich nach einer turbulenten Zeit. Die Sonne strahlte heller, die Blätter wirkten grüner und die Luft ließ sich besser atmen.
Dieser Tag gehörte meiner guten Laune und meinem Optimismus.

Im Nachhinein schämte ich mich für mein „Ich fühle mich schön und attraktiv“, denn es kam mir albern vor. Wozu das Ganze?
Natürlich kann ich meine Fotos bei Social Media teilen, auf Reaktionen von anderen Personen hoffen, aber was würde mir das für mich bringen?
Es fühlt sich nicht ehrlich an zu sagen, dass ich es für mich tue. Ich bin aus meiner Euphorie entrissen worden, denn es ist nicht mehr der Tag der Selbstliebe. Die Selbstzweifel verdrängen meine Euphorie über dieses positive Selbsterlebnis.
Was kann ich tun, um diese Euphorie zurückzuerlangen?
Wäre es vielleicht aus den Zweifeln heraus gut die Fotos zu posten, um mich daran zu erinnern wie es war, als ich mich selbst gut fand an diesem Tag?
Ich mache mich schön für mich, damit ich mich an Tagen, wo ich vergesse mich von Innen oder Außen schön zu finden, erinnern zu können, dass ich schön sein kann.
Die Frage „Was denken andere über mich?“ sollte nicht erneut in meinen Fokus geraten, denn durch diese Frage denke ich, dass ich durch das Posten solcher Bilder als „Oberflächlich“ und „Selbstsüchtig“ abgestempelt werde oder schlimmer noch: Ich erkenne, dass ich nicht schön bin und bin am Ende verletzter als vorher. Durch äußere Reaktionen würde die Wahrheit, die ich nicht erkennen kann, ans Licht kommen. Was ist wenn ich mich mit falschen Augen sehe?
Mein Aussehen ist bei weitem nicht alles, aber es ist ein Bestandteil meiner Identität.
Denn das äußere Erscheinungsbild ist die Wiedererkennung meiner Person und nicht jeder hat tiefsinnigere Information über mich und meine Gedanken hinter der Fassade, sodass nur noch die Bewertung des Äußeren stattfindet. Und ob ich es möchte oder nicht..das Innere und das Äußere beeinflussen sich gegenseitig. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Die äußere Fassade schützt das Innere – und mache ich mich nicht verletzlicher, wenn mein Innenleben meinem äußeren Erscheinungsbild entspricht und wäre gegensätzliches Verhalten zu meinen Gefühlen?
Die zweifelnden Gedanken führen zu einer Verunsicherung, die weder für mich noch meine Außenwelt einen Nutzen haben. Außerdem gibt es auch ein Lebensszenario, was ich schon oft durchlaufen habe (wie wahrscheinlich Millionen andere Menschen auch), wo man versucht seine eigene negative Gefühlswelt zu überschminken, damit es niemand merkt wie meine Realität gerade ist. Meistens hat es seinen Zweck erfüllt und man fühlte sich zwar genauso schlecht wie vorher, wurde darauf aber nicht angesprochen. In manchen Fällen hat diese Dissonanz zwischen dem Innenleben und dem äußeren Erscheinungsbild jedoch dazu geführt, dass das „schöne Äußere“ die Stimmung wieder gehoben hat. Das eine kann ohne das andere nicht existieren.
Es ist menschlich Probleme oder auch negative Stimmungen für sich behalten zu wollen.
Es macht mich nicht weniger authentisch und ich sollte lediglich darauf achten, worauf ich Lust habe.

Ich habe von der äußerlichen Schönheit eine eigene Vorstellung und dieses Bild in meinem Kopf übertrage ich auf die Ansprüche an meine eigene Schönheit. Stichwort – Perfektionismus!
Oft wird Schönheit mit Oberflächlichkeit in Verbindung gebracht, da der Fokus weg von der viel wichtigeren, charakterlichen Schönheit gelenkt wird.
Trotzdem ist meiner Meinung nach das Wohlfühlen in seinem Körper durch seine eigene Schönheit, die man in dem Moment erkennt, ein wichtiger Nährboden für die Selbstliebe.
Dieses Erkennen der eigenen Schönheit (ob im Gammellook oder in der Abendgarderobe) führt dazu das Grundbedürfnis von Liebe und Akzeptanz nur durch sich selbst zu erfüllen. Ich schaffe keine Abhängigkeit, denn ich bin mir in dem Moment selbst genug.

Das „Hübsch machen“ ist ein aktives Auseinandersetzen mit dem eigenen Körper. Durch das Eincremen schaue ich intensiver in den Spiegel und sehe vielleicht eine neue Sommersprosse oder einen neuen Leberfleck, der mir im Eifer des Gefechts nicht aufgefallen wäre. Durch das Überlegen, was ich am besten anziehe, achte ich mehr darauf, welche Schnitte meiner Körperfigur schmeicheln. Ich schaue mich an wie ich bin und vergesse mich nicht im Spiegel zu sehen. Die Isolation zu den Sozialkontakten und die Isolation zu außenstehenden Meinungsbildern bedeutet nämlich nicht, dass ich diese Auseinandersetzung mit mir pausieren muss. Und wenn ich ein Bild von mir posten möchte, was ich als „schön“ bezeichnen würde, dann sollte ich es tun. Schön für mich sein kann mich nur stärken, denn dann kann das Innere nur von dieser Erkenntnis Gebrauch machen.
Das wünsche ich mir von mir – das ich mich so annehmen kann wie ich bin – angefangen bei dem äußeren Erscheinungsbild bis hin zum charakterlichen Innenleben.

Mein neues Mantra sollte sein: Es ist okay sich schön zu fühlen und das zu zeigen!
Was ist dein Mantra, wenn es um die eigene Empfindung von Schönheit geht?


Nie wieder Wochenende

Seit Kindheitstagen liebe ich Hörbücher, die Krimi, Liebes – und Fantasiegeschichten erzählen und mich mit ihrer Kreativität faszinieren. Verschiedenste Stimmen – ob enthusiastisch oder beruhigend – haben mich täglich begleitet.
Später habe ich Interviews und Lifestyle Podcasts für mich entdeckt, doch ob es fiktive Erzählungen sind oder reale Lebensgeschichte:
Es gibt Stimmen, die einen emotional berühren oder die einen anstoßen sich selbst zu hinterfragen.

Brich‘ dein Herz
Eine dieser Stimmen gehört der australischen Reisebloggerin und Fotografin Sorelle Amore. Sie ist für mich eine charakterstarke, inspirierende Frau und ein Vorbild, da ihre Willensstärke der Grund ist, warum sie ihr Glück gefunden hat und die beste Version ihrer Selbst geworden ist.
Einige Worte von ihr sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

In einem Video schildert sie eine Situation im Supermarkt*:
Eine Verkäuferin sprach sie beim Einpacken der Lebensmittel mit den Worten,“ Endlich ist es Freitag, oder?“, an. Und Sorelle schaute sie verwirrt an, da sie den Sinn hinter der Aussage nicht verstanden hat. Für sie war der Freitag kein besonderer Tag – „I did’nt get her point“. Denn für sie gibt es kein Ende der Woche, auf das sie hinarbeiten muss, da sie mit ihrer Arbeit nicht aufhören will. Die Abrechnung am Ende der Woche fehlt, denn der Freitag vergeht für sie genauso schnell wie der Montag.

„Ja, endlich ist es Wochenende!“, wäre meine Antwort gewesen.
Doch was bedeutet das eigentlich? Nur in zwei Tagen der Woche bin ich zufrieden mit meinem Leben? Nur wenn ich frei habe werde ich mein Job des Geldes wegen mögen?Das Jobleben scheint wie eine Bürde zu sein, die man nicht loswerden kann.
Warum sehe ich es als Pflicht an zu meiner Arbeit/meinem Studium/meinem Projekt zu gehen?
Ist es nicht die größere Bürde meine spaßige Zeit auf die arbeitsfreien Stunden zu reduzieren?
Ich bin in der glücklichen Lage mir aussuchen zu können, was ich aus meinen noch geschätzt 65 Jahren auf dieser Welt mache.
Immer wenn die Pflicht das Weckerklingeln abstellt und nicht die eigene Hand, die ihre Pflichten zu ihrem Werkzeug macht, dann ist ein guter Arbeitstag verloren gegangen. Meine Arbeit soll den Zweck haben meine Fähigkeiten auszubauen, mich weiterzubilden und mich zu fordern.
Ist es nicht am wichtigsten über sich selbst hinauswachsen zu können, um Neues lernen zu können?
Ob im Privatleben oder im Arbeitsalltag, ich brauche diesen verschwommenen Blick der Zeit, denn ich will das Zeitgefühl verlieren und mich nicht von einer Minute zur nächsten retten.
Jeder hat Tage, Wochen oder auch Monate, die einem endlos vorkommen, da es in der Phase tausend schönere Dinge geben könnte als sie acht Stunden auf der Arbeit zu verbringen. Die Arbeitspersönlichkeit ist schließlich eine andere, denn wenn es mir schlecht geht interessiert das keinen – in dem Fall muss ich meinen Job machen, professionelle Gefühle annehmen und eine Persönlichkeit sein, die erwünscht ist.

Ich gestalte mein Leben, zu dem Privaterlebnisse und Arbeitsleben gleichermaßen zählen, so wie ich mich am wohlsten fühle.


Seine Energie in Sinnlosigkeit zu verlieren kann frustrierend und schmerzhaft sein, denn egal was ich für eine Leistung in Augen eines anderen erbracht habe, mein Job ist für mich nur etwas wert, wenn ich hinter ihm stehe.
Ob der Job ein vernünftiger, risikoreicher, monotoner, lustiger, künstlerischer, ruhiger, lauter oder verrückter Job ist egal so lange er für mich stimmig ist.
Meine Zeit ist zu kostbar, um sie einem Job zu widmen, der mir nicht zurückgibt, was ich in ihn investiere. Meine Investition ist mein Können, mein Fleiß und mein Mut. Genau wie Sorelle möchte ich mich nicht am Wochenende festkrallen als wäre der Rest meiner Woche ein schwere Krankheit, von der ich mich erholen muss.

„Sei bereit die Herzen deiner Chefs, deiner Familie oder das Herz von dir selbst zu brechen, wenn es sich nicht richtig anfühlt was du machst. Du denkst es wäre die eine Chance die du hast, aber du hast unendliche Möglichkeiten das beste aus dir zu machen“, sagt sie. Die Zwanziger seien voller Unruhen und Entscheidungen, aber auch die Zeit der Abenteuer.
„Komm‘ nicht zur Ruhe, sondern traue dich loszulassen“
ist meine Interpretation ihrer Message aus ihrer „Life Lesson“ Podcast Folge, die meiner Meinung nach nicht nur auf die 20er Altersgruppe beschränkt ist.

Die Braut, die sich nicht traute
Das war der Startschuss für mich mich nicht mit einem durchschnittlichen Gefühl zufrieden zu geben. Mein erstes Semester an der Uni als Englisch und Französisch Student war durchwachsen. Schnell habe ich das Universitätsleben am Campus, die Hörsäle, Dozenten und meine Uni- Freunde ins Herz geschlossen. Das was mich stutzig machte, waren die Inhalte der Hauptfächer und die unsichtbare Jobperspektive. Obwohl ich mich freute die Fremdsprachen wieder wöchentlich hören, schreiben und sprechen zu können, verunsicherten mich die schwammigen Informationen zu dem Studienfach. Ich bin stolz beide Sprachen zu können, aber ist das meine beruflichen Bestimmung den Fokus ausschließlich auf die Sprachen zu legen?
Ab der Hälfte des Semesters habe ich gemerkt, dass die Vorfreude auf die Vorlesungen abgenommen hat. Mir fiel es schwerer aus dem Bett zu kommen und zur Uni zu pendeln, ich habe selten bis gar nicht gelernt und gemerkt, dass ich nicht zu 100% motiviert und konzentriert war. In den Vorlesungen recherchierte ich nach Berufsangeboten für den Studienabschluss, suchte Erfahrungsberichte auf der Uni Website und schaute mir meine Fächer für die höheren Semester an. Viele Antworten blieben offen und ich fühlte mich nicht überzeugt. Warum hatte ich das Gefühl, dass ich etwas Größeres verpasse?
Mein Bauchgefühl hat mich also mit der Entscheidung konfrontiert:
„Bleiben oder bleiben lassen?“

Erst nach der schönen, aber auch lehrreichen Erfahrung an der Uni habe ich gelernt, dass ich nicht verpflichtet bin meine erste Wahl „durchzuziehen“.
Wozu soll ich ich etwas beenden, ohne davon überzeugt zu sein?
Mein Mut etwas auszuprobieren hat sich ausgezahlt, denn nun weiß ich, dass das Sprachenstudium nicht meine Erfüllung ist, wodurch mir der Jobwechsel im Nachhinein leichter fällt.
Ohne diese Erfahrung könnte ich diese Option nicht ausschließen und dieser eine Traum würde immer im Raum stehen.
Die Sicherheit zu wissen, was ich nicht will, ist eine Bereicherung für mein Wissen über mich selbst und der Anstoß, das was ich will, zu suchen.
Als sprunghafter und von vielen Dingen begeisterter Mensch brauche ich eine Sicherheit zum Festhalten, um nicht unterzugehen im Chaos meiner Träume.

Nach langem Grübeln habe ich für mich entschieden meine Zweifel ernst zu nehmen, um mir eine andere Chance eröffne. Ich war bereit mein Herz zu brechen.
Ich bewarb mich für mich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin bei mehreren Krankenhausunternehmen, wo ich schließlich auch einen Job bekommen habe. Mein zweiter Neuanfang sollte mich in die medizinische Branche führen, die mich schon immer fasziniert hat.
„Oh- das ist ja was ganz anderes!“, ist die normale Reaktion, wenn ich von meinem Jobwechsel erzähle. Die meisten sind genauso neugierig wie ich, was mich in den Krankenhäuser erwartet. Wie werde ich damit umgehen können täglich Leid um mich zu haben? Was wird das für ein Gefühl sein jemanden gesund pflegen zu können?
Für die nächsten drei Jahre lege ich meine Studienpläne auf Eis, um diese Fragen beantworten zu können.
Medizinerin oder Psychologin? Zwei meiner längsten Berufswünsche sind zufällig die angesagtesten Studiengänge an den Universitäten. Der Numerus Clausus, die schwierigen Auswahlverfahren, die ewig langen Wartesemester und die Unsicherheit, ob ich das Studium überhaupt schaffen würden, stellten sich mir in den Weg. Die unzähligen Hürden waren allgegenwärtig, weswegen ich es verworfen hatte zu versuchen. Bin ich schlau genug, belastbar genug, ehrgeizig genug, mutig genug?
Wie die Braut, die sich nicht traut, habe ich meiner Feigheit die Kraft gegeben mich von meinem Traum abzubringen. Die Ausbildung ist für mich der Weg zur Gewissheit, die mich (hoffentlich!) entspannen wird. Um mich dem Lernstress im Studium hingeben zu können, meine Motivation aufrecht erhalten zu können und um mir eine Selbstsicherheit zu geben, brauche ich die Gewissheit bereit für diesen Beruf zu sein. Als Gesundheits- und Krankenpflegerin kann ich abgehärtet und mit erster Berufserfahrung in das Studium einsteigen und habe eventuell lerntechnisch einen Vorteil. Es wird Zeit sich zu trauen!
Und wer weiß, was aus meinem Etappenziel noch wird.

Lieber Traumjob..
Von meinem Traumjob erhoffe ich mir lediglich, dass er mich existenziell absichert und mich zufrieden macht. Ist das zu zu viel von mir selbst verlangt?
Naiv wäre es zu glauben jeden Arbeitstag im Paradies zu verbringen, wo alle Yoga zusammen machen und einen Gesprächsball herumreichen, um über ihre Gefühle zu reden. Schön wäre es! Die Realität ist, dass Missverständnisse, Konflikte und unangenehme Situationen alltäglich passieren, die für mich nur aushaltbar sind, wenn ich weiß, dass diese Phase vorüber geht. Nur durch ständige Konfrontation weiß ich wie ich mit Stresssituationen umgehen kann, die mich auch nach der Arbeit beschäftigen. Sicherlich werde ich viele Arbeitspäckchen mit nach Hause tragen, aber diese können nur wieder verschwinden, wenn ich mit dem Beruf zufrieden bin.
Wichtig ist es für mich, dass die Arbeitskollegen kein Päckchen davon sind. Natürlich gibt es immer jemanden, den man nicht unbedingt einladen würde im Nirgendwo zelten zu gehen, um über Gott und die Welt zu reden und um einen „Digital Detox“ zusammen zu machen. Ein toxischer Arbeitsplatz kann nicht dazu führen, dass ich mit mir selbst im Reinen bin, da ich andauernd „detoxen“ müsste. Wenn ich in einem stetigen (nicht zu klärenden) Konflikt gefangen wäre und ich keine Ausweichmöglichkeit hätte, wäre dieser Konflikt plötzlich der Mittelpunkt meiner Arbeit, ohne dass ich das willentlich beeinflussen könnte. Meine Kreativität und Konzentration würde gehemmt werden.
Diese Grundspannung könnte zu keiner positiven Entladung führen – eher im Gegenteil.
Mein Job ist meine größte Lebensinvestition, dadurch dass meine Existenz von ihm abhängt und da er auch mein privates Glück beeinflusst.
Naiv wäre es zu glauben, dass der Erfolg nicht ausschlaggebend für die Zufriedenheit ist. Der Erfolg ist natürlich abhängig von den Zielen, die man sich steckt, aber er ist ein bedeutender Einflussfaktor, den ich für mich noch definieren muss.
Mir ist bewusst, dass meine Anforderungen eine momentane Wunschvorstellung sind, die erst im Laufe meines Lebens gefestigt werden können.
Die Berufswelt ist hart und anstrengend, verlangt einem alles ab und trotzdem nerve ich mich selbst, wenn ich ständig meckere und mich häufig über banale Dinge aufrege. Mein Beruf ist wie meine erlernten Sprachen Teil meiner Persönlichkeit, die ich kontinuierlich positiver gestaltet möchte.