Festivallaune

Liquicity 18

Eine neue Art von Urlaub

Der Festivaltrend zieht sich durch viele Länder und lässt Festivals wie z.B. Tomorrowland stetig wachsen. Tausende von Menschen strömen zu riesige Feld- oder Betonlandschaften, zu Wiesen oder zu Flugplätzen, die in eine Festivallandschaft verwandelt werden. Die Stages sind oftmals richtige Kunstwerke, die einen individuellen Spirit verbreiten mit ihrer Architektur, Beleuchtung und ihrer Größe. Selbst einfach gehaltene Stages werden mit spacigen Festivalgänger mit Ganzkörperanzügen, Glitzer Make-Ups, Zauberstäben, Seifenblase, Jogginghosen, Tüllröcken, Gummistiefeln, Bandanas, Gesichtsaufklebern, Feenflügel, Blumenketten, Cowboyhüten, Pailettenjacken, Latzhosen, Capes, Kronen (uvm.) geschmückt. Natürlich laufen auch „normal gekleidete“ Leute übers Gelände, die genau wie Glitzerfanatiker ihr Teil zur Festivalgemeinde beitragen, auch wenn es nur ein Lächeln auf dem Gesicht ist. Wenn das Lächeln für kurze Zeit verschwindet, wenn man an dem Bereich der Dixi-Klos vorbeigeht, so kommt es beim Fühlen der Bässe und der Musik schnell wieder zum Vorschein. Die Festivalluft ist durchmischt mit dem miefigen Geruch der Campingplätze, , dem Schweiß der tanzenden und grölenden Menge, dem Qualm tausender Kippen, dem Duft der Essensbuden und dem Geruch der umliegenden Natur – was gibt es schöneres?

Karussell aufm Festival 

#Festivalvibes

Ist man auf einem Festival, lebt man für einige Tage in einer Alternativwelt, in der man frei und ungezwungen ist. Es ist eine Art Hippielifestyle, den man als Festivalgänger lebt. Egal wer du bist, du bist aufgenommen in die Festivalgemeinschaft, denn du bist mit jedem einzelnen durch deine Leidenschaft zur Musik verbunden. Die Musik ist das Bindeglied und das,was die Massen bewegt. Alle lassen ihre Hüften schwingen, reißen ihre Arme indie Luft und atmen die „positive Vibes“ ein.

Auf meinem letzten Festival habe ich getanzt als würde ich das letzte Mal in meinem Leben tanzen. Ich muss ausgesehen haben wie eine wildgewordene Irre, die ihren Körper nicht mehr kontrollieren kann, aber ich habe nichts wahrgenommen außer der Musik und der Bewegungen der Massen in dem riesigen Zelt. Neben mir tanzte ein Mädchen, das genauso durchgeschwitzt war wie ich und das mich glücklich anlächelte. Es ergab sich, dass wir mit einigen anderen in einer Art Kreis tanzten. Es hat unglaublich Spaß gemacht mit diesen fremden Menschen das Gleiche teilen zu können, obwohl wir uns nicht kannten. Ich kannte weder ihre Namen noch konnte ich ihre Sprache sprechen, aber durch diesen gemeinsamen Moment, waren wir kulturunabhängig und schwebten in einem Raum ohne Barrieren. Ich fühlte mich als ein anonymer Mensch unter Tausenden, aber ich  fühlte mich nicht einsam – eher im Gegenteil. Gedanken wie „Was denken andere über mich?“, fallen weg, denn niemand stellt Erwartungen an dich, wer du bist oder was du machst, zu Mindestens dachte ich mir das, denn im Alltag habe ich oft das Gefühl, dass mich dieser Gedanke mich hemmt in meinem Tun . Du kannst einfach sein.  
Das Wichtigste ist jedoch, dass du die Reise mit Personen antrittst, denen du vertrauen kannst, denn selbst in dieser friedlichen Atmosphäre braucht es jemanden, auf den man sich verlassen kann. Freunde machen ein Festival erst komplett.
Wenn ich mich sicher und vertraut fühle, dann kann ich das auch selbstbewusst nach außen tragen. Die Anonymität in der Masse kann ich aufrechterhalten, ohne mich einsam zu fühlen oder ich kann sie abstreifen wie eine Hülle und mich nach außen öffnen. Es ist ein Tanz zwischen Abgrenzung und Annäherung, zwischen Vertrautheit und Fremdheit, zwischen Zaghaftigkeit und Neugier. Ich kann mich von der Welle tragen lassen und weiß zugleich, dass ein kleines Boot hinter jeder Welle wartet und mich zurück ans Ufer bringt, wenn es mir zu viel wird. 
Doch wenn du tanzt denk‘ nicht nach, sondern lebe den Moment! 
Beim Tanzen lässt man die Musik aus seinem Körper auf die Tanzfläche strömen,während man beim Singen die Musik einatmet und durch seine Adern fließen lässt. Normalerweise singe ich unter der Dusche oder im Auto zur Musik meiner Musikbox(weil Radiomusik ist nur in Ausnahmefällen erträglich), aber auf einem Festivalgibt es kein „Ich traue mich nicht“. Wie in einem Bällebad lässt man sich in die Melodie hineinfallen. Wie in einem Rausch bewegt sich mein Körper durch das Vibrieren des Bodens und durch der durchdringende Bass, der in meinem Zwerchfellabgefangen wird. 

Kein Druck lastet auf mir, ich kann einfach loslassen, unkontrolliert ich selbst sein.

Zwischen Glücksgefühlen und Dixi-Klos

Die Füße sind taub vom Tanzen, die Klamotten sind bis auf die Unterhose nass geschwitzt, die Dosenravioli sind in deinem Magen geblieben und alle sind glücklich und zufrieden.
Das ist das Geheimnis der Festivalgemeinde – alle kommen aus dem Grund eine gute Zeit zu haben. Seien es die Künstler, die meist eine grandiose Bühnenshow hinlegen oder der freundliche Zeltnachbar, der auf ein Bierchen vorbeikommt. Es ist ein Ort der „Free Hugs Schilder“ und der guten Laune.
Natürlich sind Festivals ebenso Orte, wo man sich über Dixi Klos aufregt (die man sich mit tausenden Menschen teilen muss), sieht wie abschreckend Drogenkonsum sein kann, Mitleid mit den Sanitätern hat und wo man sich wünscht, dass das Frischegefühl nach der Dusche länger anhält. Das Duschen ist je nach der Organisation eines Festivals ein Grauen oder ein Geschenk. Doch selbst wenn die Duschen nicht den eigenen, hygienischen Ansprüchen entspricht, dann ist es in dem Fall egal. In dem Moment, wo das Wasser den Körper hinunterläuft, fühlte ich mich jedes Mal wie neugeboren, denn für einige Zeit roch ich nach Blumenduft, anstatt nach Schweiß.
Im Zelt miefte es am nächsten Tag nach verbrauchter Luft, die einem in der Nacht jegliche Flüssigkeit aus dem Körper gesogen hat, sodass ich mit einer staubtrockenen Kehle und geschwollenen Augen aufwachte. Außerdem sind die Zeltnachbarn eine Partygemeinde für sich geworden, die bis spät in die Nacht Randale auf dem Zeltplatz gemacht haben, was vielen anderen den Schlaf gekostet hat.
Doch ohne dieses Campingerlebnisse, über die ich am Ende des Tages immer lachen kann, wäre es nicht das Gleiche! Das gehört zu dem Festival-Hippie-Lifestyle dazu.

Zu guter Letzt gibt es bei mir meistens noch ein selbstgemachtes Phänomen, was mich jedes Mal wieder auf die Palme bringt. Meine Festivaltasche ist wie mein Urlaubskoffer vollgepackt bis beinahe der Reißverschluss aufplatzt und trotzdem vergesse ich meistens die wichtigsten Dinge. Hauptsache ich habe alle meine Schminksachen und meinen Festivalschmuck dabei, alles andere fügt sich schon. So dachte ich zu Mindestens, als ich meine Tasche packte, was mich abends im Zelt wieder eingeholt hat, da ich meine Fleesedecke vergessen habe und gefroren habe.
Was tut man nicht alles für ein Outfit mehr in der Tasche?
Mit dem Festival- Hype entstehen auch neue Fashion Styles.
Je auffälliger, verrückter, bunter, detailreicher,aufregender, desto besser, oder? Das ist sicherlich Geschmackssache, aber die künstlerischen Outfits oder extravagantes Augen-Make-Ups geben der Festivalgemeinde einen unvergesslichen Touch. Wie ein Besucher im Museum schlenderte ich über die umfunktionierten Äcker und betrachtete aufwendig gestylte Menschen, die wie Figuren in einem Kunstwerk vor mir erschienen sind. Einerseits wirkt es surreal auf einer umgewandelten Kuh- oder Pferdeweide gestylte Frauen und Männer zu sehen, die den Acker mit sich im Takt bewegenden Schritten ebnen, andererseits hat dieser vereinte Gegensatz von Natur und kreierter Künstlichkeit eine inspirierende Wirkung auf mich, gerade weil es nicht ins Bild passt. 
Anmerkung:Die Fashionstyles sind natürlich festivalabhängig, denn auf anderen Äckern muss man sich gegen die willkürlichen Wetterlaunen rüsten – raus mit den Gummistiefeln, der Regenjacke und der Buddelhose und rein in die Schlammschlacht!
Anstatt einer Glitzerwelt und Feenstaub, gibt es hier nur Schlamm im Stiefel und Alkoholfahnen aufm Acker! 


Denk an all‘ das, was dich glücklich macht und lass‘ das Kribbeln in dir leben wie dein Lieblingssong in deinem Kopf. 

Kritik und Kultur

„Was machen die Menschen schon auf Festivals außer Tanzen, Drogen nehmen und Müll hinterlassen?“
Schattenseiten hat jeder Trend und es stimmt, dass keine innovativen, intellektuell hochwertige Diskurse ausgetragen werden, die die Welt verändern. Der ein oder andere nimmt Drogen und räumt seine Plastiktüten nicht weg, sondern lässt sie liegen, was ziemlich schade ist oder klaut auch Wertgegenstände anderer. Nicht jeder achtet auf seine Mitmenschen, die Umwelt oder auch auf sich selbst, aber das ist Bestandteil des Alltags und der Festivaltage zugleich, was verbesserungsbedürftig ist, um es freundlich zu formulieren. Das auszublenden wäre eine sehr starke Verzerrung dieser Art von Festivität, da es nicht nur einen Blickwinkel auf diese Freizeitaktivität gibt. Dieser „Urlaubs-Trend“ist kritisch zu betrachten meiner Meinung nach wie so viele, beispielsweise wie der boomende Kreuzfahrttourismus. Als Teilnehmer dieser Veranstaltung kann ich für mich selbst nur darauf achten meine sieben Sachen bei mir zu behalten, meinen Müll wegzuräumen und dankbar dafür zu sein mir diese drei Tage voller Konzerte gönnen zu können.  

Einerseits können Festivals eine Partyszenerie im „Project X“ Stil sein, andererseits sind sie auch kulturelle Großveranstaltungen (im traditionellen Sinne auch Festspiele)*.
Sind sie eine Art interaktive Kulturveranstaltungen? Eine Mischung aus Kirmes, Konzerte und Campingplatz ist ein Festival, an dem Festivalgänger in jeder Hinsicht teilnehmen können und ihre Zeit in der mehrtägigen Inszenierung selbst gestalten können. Es ist eine Flucht aus der ernsthaften Realität und lässt einen in eine neue Realität eintauchen, die permanent auf Spaß ausgerichtet ist. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Dort tanzen die Fans vor der Stage, da hinten kreischen andere ihr Adrenalin aus dem Körper raus, während sich das Fahrgeschäft in atemberaubender Geschwindigkeit um die eigene Achse dreht und am Ende des Geländes sitzen mehrere Freundesgruppen auf ihren Campingstühlen, sippen an ihren Bierdosen und kochen Nudeln auf einem Campingkocher. Wo du auch hinschaust, es macht sich eine Zufriedenheit breit, die auf der Liebe zur Musik gründet. Musik ist eins der wichtigste kulturellen Erben, die von Generation zu Generation weitergetragen werden und die über soziale Konstruktionen wie z.B. Nationalitäten hinaus gehen. Ein Festival ist eine Plattform für den Austausch von Musikliebhabern, Musikkultur und Entertainment.

Hurricane ’17

Was ist diese Zeit für mich?


Die dreitägige Festivalzeit ist eine intensive Zeit, da man quasi Extremsport betreibt  und zugleich von Eindrücken überschüttet wird, weswegen Festivals auch nur temporäre Vergnügen sind. Drei Tage Festival sind vollkommen ausreichend für den Körper (und vor allem für die Ohre, Stimmbänder und Füße), jedoch habe ich jedes Mal neue, unvergleichliche Erinnerungen geschaffen, die kein Strandurlaub je ersetzen könnte. Die ganze Zeit an der frischen Luft Spaß haben, lässt den Kopf frei werden.
Für mich ist die Festivalkultur, die die empfundene Normalität der eigenen, kulturellen Gesellschaft  verwischt und eine neue Diversität von Kulturen zusammenfügt, eine Art Friedenszeit. Die Festivalkultur entsteht durch die Festivalgemeinde, deren Teilnehmer als Grundvoraussetzung die Liebe zur Musik teilen, wodurch eine direkte Verbundenheit resultiert, was das kurzweilige Zusammenleben ungezwungen und locker gestaltet.  Vor den Bühnen, in unmittelbarer Nähe zu den Stars und ihrer Musik, können alle beim Tanzen und Mitsingen Dampf ablassen und Party machen, wonach die meisten durch die körperliche Aktivität ziemlich ausgeglichen sind, was ebenfalls zu einer entspannten Atmosphäre beiträgt. 
Sicherlich ist man abeschnitten von der Außenwelt, die sich mich ernsthaften Problemstellungen auseinandersetzt, aber gerade in dieser friedlichen Atmosphäre kann ich reflektieren was sich in dieser Außenwelt, in der ich lebe, abspielt und wie der friedliche Aspekt der Festivals in diese Welt mitgenommen werden kann. 
An Festivaltagen scheinen alle Anwesenden, die sich zu der Festivalmasse zugehörig fühlen, auf ihre Gemeinsamkeiten zu achten, anstatt auf ihre Unterschiede fokussiert zu sein.  
Wie können wir unseren Alltag mit dem Festivalgefühl der Ausgelassenheit und Freiheit schmücken?


Liquicity 18

*https://www.duden.de/rechtschreibung/Festival

A w A k E

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Awake, restless, serious, pensive.


1. Schlafensgehzeit!
Eingekuschelt in meine beiden Decken, liege ich in meinem Bett. Entweder habe ich noch eine Folge meiner Lieblingsserie geschaut oder ein paar Seiten in meinem aktuellsten Buch gelesen, bevor ich meine Augen geschlossen habe. Mein Körper fühlt sich schlaff und erschöpft an, braucht wie jede Nacht eine Erholung vom Tag. Wer kennt es nicht, dass das Gehirn trotz des Erschöpfungszustandes des Körpers erst so richtig aufdreht? Der Wunsch nach dem Schlaf wird nicht erfüllt, da sich plötzlich Erinnerungen aus dem Verstand schälen, die ursprünglich als verarbeitet gegolten haben. Als zweite Abendüberraschung malt das Gehirn sich zukünftige Szenarien aus, an die man selbst tagsüber nicht denken wollte. Eine innere Unruhe entsteht und Bilder blitzen vor dem inneren Auge auf, die einen aufwühlen. Eine Zeit lang lasse ich mich von den Gedanken mitreißen und wälze mich im Bett umher in der Hoffnung auf einer Seite die Ruhe wiederzufinden. „Ich bin müde und will endlich schlafen!“, denke ich. Sich aufzuregen macht es allerdings nur noch schlimmer.

Was kann ich tun?

Leider gibt es keinen Ausschalter der Gedanken, aber es wird Zeit gegen die aufwühlenden Gedanken anzugehen. Die schnelle Abfolge von Blitzgedanken gilt es zu verlangsamen. Oft hilft es mir mich auf meine Sinne zu konzentrieren und mir etwas vorzustellen, was mich beruhigt. Meistens ist es ein Wasserfall, der in mir beginnt zu rauschen. Ich sehe wie das Wasser an den Felswänden entlang fällt, höre die Wasserströme, rieche den Geruch von nassen Steinen und Algen, schmecke das frische Wasser und fühle die Kälte und das Nass der Wassertropfen in meinem Gesicht. Meine Gedanken kreisen nur noch um den Wasserfall, der meine anderen Gedanken davonplätschern lässt. Gelingt es mir nicht, gehe ich meine Sinne mehrere Male durch und versuche mich an einer Art Selbsthypnose. An schlechten Einschlaftagen hilft mir der Versuch jedoch nicht. Jedes kleinste Geräusch und kleinster Lichtstrahl kann störend sein. Wenn nicht Mal Lesen hilft, obwohl die Augen vor Müdigkeit am Austrocknen sind, dann wird das Einschlafen noch lange dauern. Jede Minute Schlaf kommt einem vor wie ein Goldschatz, wenn man Probleme beim Einschlafen hat. Inzwischen hängt sogar ein Säckchen mit Lavendel neben meinem Bett, da der Geruch eine beruhigende Wirkung auf mich hat. Fehlen mir vielleicht nächtliche Rituale? Sollte ich anstatt einen Regentanz eine Art Schlaftanz veranstalten oder Gute-Nacht Lieder singen?

Selbst wenn ich es dann geschafft habe, heißt es nicht automatisch, dass man ausgeschlafen ist. Saß ich gestern gar nicht auf der Couch und habe Netflix geschaut, sondern war ich feiern und habe einen über den Durst getrunken? So fühlt es sich nämlich an. Darf ich meinen Körper nicht zwingen zu schlafen, sondern sollte ich mich fügen und den Schlafmangel akzeptieren? Steht am nächsten Tag ein großes Ereignis an und ich kann vor Aufregung nicht einschlafen, dann habe ich einen Grund, warum ich es nicht kann, was mich auf eine seltsame Art und Weise beruhigt.  Ist die Frage „Warum?“ beantwortet, stellt sich ein sicheres Gefühl ein, denn ich meine zu Wissen, was in mir vorgeht. Kann ich keinen Grund nennen, warum ich weder gut einschlafen kann noch warum ich nicht erholsam schlafe, dann verbreitet sich ein unsicheres Gefühl in mir. Wenn es keine offensichtliche Ursache ist, muss ich tiefer in mich hineinschauen. Wie so oft muss ich mich selbst mit Gedankengängen konfrontieren, um die Quelle der Unruhe auszumachen. Ich stelle Theorien auf, denn vorerst muss ich herausfinden ob ich wegen vergangenen oder aktuellen Ereignissen unruhig bin. Die abendlichen Gedankengänge müssen nicht negativ sein. An manchen Tagen habe ich sogar das Gefühl, dass der Tag nicht ausreicht, da ich gewisse Gedanken nicht zu Ende gedacht habe, die ich gerne zu Ende gebracht hätte. Der Schlaf unterbricht dann meinen „Flow“ an Gedanken. Erst wenn sie sich zu Gedankenschleifen entwickeln und mich grübeln lassen, dann wirkt sich das kontraproduktiv auf meinen Schlaf aus.

Der Schlaf ist eine Wissenschaft für sich. Täglich schlafe ich 8-9 Stunden, die wie im Fluge vergehen, wenn ich dann einschlafen konnte und nicht ständig in der Nacht aufwache. Was sich kurzweilig anfühlt, ist ein großer Teil meines Lebens. Ein Wimpernschlag und 8 Stunden meines Tages sind vergangen als würde es sie nicht gegeben haben. Die restlichen 16 Stunden sind meine aktive Teilnahme am Tag – so denke ich zu Mindestens. Was ist, wenn mein Unterbewusstsein mich lenkt wie in meinen Träumen? Es fühlt sich an als würde ich selbstgesteuert denken und handeln, aber kommt es nicht wie beim Träumen aus den Tiefen meines Bewusstseins? Was steuert mich? Ich möchte nicht dauerhaft unkonzentriert zu sein. Beispielsweise vergesse ich gelegentlich die Namen von mir schon lange bekannte Menschen, was durchaus peinlich werden kann. Es fühlt sich an als wäre mein Gedächtnis ein Sieb, nur dass dieser Sieb nicht nur überflüssiges Wissen aussiebt, sondern auch wichtige Termine aussortiert.  Bin ich müde und sind meine Augen getrübt, mache ich schneller Fehler und könnte mich in unangenehme oder gefährliche Situationen bringen. Wenn ich die Straße überquere, ohne den Verkehr aufmerksam zu verfolgen, kann ich mit höherer Wahrscheinlichkeit angefahren werden. Der Schlaf ist meine eigene Absicherung meiner Konzentrationsfähigkeit, meiner Laune und meiner Belastbarkeit. Fehlt er, so gerät mein biologisches System ins Wanken, da es sich nicht erholen konnte.
Mein Wachzustand ist die einzige Möglichkeit meine bewusste Gehirnaktivität zu nutzen.
Diese Autonomie möchte ich mir nicht von meinem Schlafmangel nehmen lassen.
Es ist die fehlende Schlafroutine, die mich wanken lässt. Es heißt: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ Ich denke, vor allem der Körper ist ein Gewohnheitstier, denn seine Bedürfnisse sollen bestenfalls gleichermaßen und regelmäßig erfüllt werden. Kaum habe ich eine Woche eine geregelte Schlafengeh- und Aufstehzeit schlafe ich besser – ist das immer der Fall? Der Schlaf ist unberechenbar, so wie meine Gefühle.


2. Der Film „Wach“
Apropos Schlafen und Wach sein:
Vor einigen Tagen habe ich auf Youtube den Film „Wach“ von Kim Frank, produziert vom ZDF/Das kleine Fernsehspiel und Funk, geschaut.
In dem Drama starten die 17-jährigen Freundinnen Charlotte (C.) und Nike das Experiment ohne Drogen so lange wach zu bleiben, wie sie können. Es ist ihr Ausbruch aus dem Ghetto, in dem sie wohnen, aus ihrer Perspektivlosigkeit und aus ihrer scheinbar sinnlosen Existenz. Die Schlaflosigkeit der beiden ist anfangs ein Rausch von Macht über sich selbst, der jedoch nicht die Realität verdrängen kann. Auf der Kamera dokumentieren die beiden ihre Erlebnisse, die ihre Höhen und Tiefen im Leben aufdecken.

C. und Nike dokumentieren ihr Wach- Experiment mit der Kamera. Es wirkt wie ein Dokumentarfilm durch die subjektive Kameraeinstellung von C. und Nike im Wechsel, die den Zuschauer das Gefühl gibt im Geschehen involviert zu sein. Teilweise werden jedoch auch Sequenzen von Videos oder Interviews eingeblendet, wo ein Voice-over von C. miteingespielt wird oder die Kameraführung wechselt in Totale Aufnahmen.Die Voice-overs und die eingebledeten Videos (etc.) sind fester Bestandteil des Filmes und sind die ausschlaggebenden Momente, in denen existenzielle Fragen
Was ist meine Rolle als junger Mensch auf dieser Welt?
und aktuelle, tabuisierte Themen
Flüchten wir uns in den Konsum und in Pronos, als das wirkliche Leben zu leben?
angesprochen werden.
Der Film setzt sich mit dem gesellschaftlichen Konsumverhalten in Bezug auf Werbung, Profit und der resultierenden Veränderung des Verständnisses des eigenen Lebens auseinander. Es wird auch die Lieblosigkeit in Beziehung und die Vermarktung von Sex thematisiert. In erster Linie geht es jedoch um die beiden Protagonistinnen die aus der unteren Gesellschaftsschicht kommen und aus ihrem Leben ausbrechen wollen, um sich zu finden und ihr Leben mit Bedeutung zu füllen. Allerdings wird meiner Meinung nicht genug auf die eingeblendeten Informationen, z.B. Tiervideos, dokumentarische Videos, Lehrvideos etc., eingegangen. An der Stelle wäre eine längere Ausführung der Kritik angebracht, genau wie es mich als Zuschauer interessieren würde, was die Beweggründe der Protagonistin sind, diese Gedanken zu haben, was nur teilweise erkennbar ist.

Die wechselhafte Kameraführung hingegen macht die Handlung spannender und als Zuschauer kann man sich besser in die Lage der Protagonisten versetzen, die in elektrisierende als auch in gefährliche Situationen geraten. Neben der erzeugten Spannung durch die Kamera, ist der Film in einem eher dunkleren Licht gedreht, was eine bedrückende und erwartungsvolle Stimmung bewirkt.
Zu guter Letzt finde ich, dass die beiden Schauspielerinnen die Charaktere, ihre intensiv Freundschaft und auch die Zwiespältigkeit zwischen Freude und Verzweiflung gut darstellen.

Resümierend finde ich, dass die provokativen Denkanstößen reflektierter dargestellt werden könnte, aber ich finde die Kritik interessant und habe sie in meine Gedanken aufgenommen. Wenn du Filme magst, die sich außerhalb der Norm bewegen und einfach mal etwas anderes ist, dann ist dieser ein guter für dich. Wenn du abends nicht schlafen kannst, wach und unruhig bist, dann schau‘ diesen Film und sei mit den Protagonisten zusammen wach.

3.Die Jagd nach Hormonen
ein von mir geschriebener Innerer Monolog von C. aus dem Film „Wach“
Wir haben keine Kontrolle über unseren Schlaf oder über das Einschlafen, sondern nur über das Wach sein. Es ist eine Illusion, die Kontrolle über sein Verhalten zu haben, denn wir werden ständig beeinflusst. Bist du unglücklich, dann musst du dir ein neues Lebensgefühl erkaufen, bist du unzufrieden mit dir selbst, kaufst du dir neue Klamotten, fühlst du dich einsam, schaust du dir deine Likes auf Instagram an. Im Leben gilt es nichts zu pauschalisieren, jeder Mensch ist individuell und reagiert auf unterschiedlichste Reize und ist auf andere Art und Weise beeinflussbar, doch im Grunde jagen wir unsere Hormone. Dopamin fürs Glück, Melatonin für den Schlaf, Adrenalin für den Kick – sie erhalten uns und unseren Stoffwechsel am Leben, doch sie sind der Ursprung der Sucht. Ist es die Werbung, die uns in den Konsumrausch führt? Sind wir es nicht selbst, die ständig auf der Suche nach Rausch sind? Sind es die Ängste, die mich nachts wach liegen lassen? Gefühle mit Drogen betäuben, zerstreut die Probleme nicht. Unsicherheiten mit Kleidung zu kaschieren, verändert deine innere Haltung nicht. Ängste mit Ablenkungen zu verdrängen, löst sie nicht in Luft auf. Wir alle wissen es und tun es trotzdem.. Selbst wenn wir glücklich und zufrieden wäre, dann könnten wir nicht genug kriegen. Erst nach dem Kauf der neuesten Schuhe könnten wir aufatmen, denn erst dann ist unser Gefühl ein leichteres.
„Jede Minute wird in Deutschland ein Kind geboren.
Einer mehr dem eingeredet wird er braucht das neue iPhone [..].
Einer mehr der sich selbstverwirklichen muss.
Du kannst schön sein, wenn du den Lippenstift kaufst.
Du kannst jemand sein wenn Du diese Klamotten kaufst. Dieses Auto. Dieses Haus. Hoffnungen machen Sie uns. Falsche Hoffnungen. Und wir fallen drauf rein.“
(Zitat C., 18:42; Film Wach)
Unser Glück braucht nicht nur seinen  eigenen Wert, sondern wir müssen es mit materiellem Glück verbessern. Ohne Konsum fühle ich mich leer, denn es fehlt der Rausch. Vom täglichen Hoffen auf den nächsten Tag, der ein bessere zu werden verspricht, werde ich müde, anstatt wach. Egal ob es ein guter oder schlechter Tag war- ich brauche meinen Schlaf, denn ich brauche eine Denkpause. Hoffnungen habe ich in meinen Schlaf gesetzt, der mich in eine andere Dimension getragen hat, weit weg von meiner wachen Realität. Das Unterbewusstsein hat die Macht und bastelt aus meinen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen einen 8 stündigen Film, der in mir abgespielt wird. 8 Stunden Zuschauer seiner Selbst sein, dann fängt es wieder an: Das Verlangen nach mehr. Ich brauche den Konsum, um mich selbst zu vergessen. Die Jagd nach Hormonen hört nie auf. Doch dieses eine Mal wollte ich wach sein und meine wache Realität fühlen, anstatt ihr mit Leere zu begegnen. Nike und ich werde das Wachsein für uns selbst durchziehen, denn wir wollen ab heute selbstbestimmt sein. Ich will mich selbst jagen, ohne mich einzuholen, will mich selbst bestrafen, ohne mir weh zu tun. Es ist mir egal, was mit uns passiert, so lange ich meinen Puls fühle, Nikes Lächeln durch die Linse meiner Kamera sehen kann, den Rauch meiner Kippe schmecke und die Kälter der Nacht auf der Haut fühlen kann. Mein Bewusstsein soll in eine andere Art Rausch geraten: In den Rausch der Freiheit. Ergibt es Sinn in dieser schnelllebigen Welt stehen zu bleiben? Wir verdecken alle Uhren, als würde es die Zeit nicht geben, denn wir bleiben wach. Da ist niemand mehr, der Nike und mir die Zeit vorschreiben kann, in der wir leben, niemand mehr, der uns mit Regeln erdrücken kann. Die Zeit schränkt uns nur ein, macht uns Hoffnung, dass wir heilen, aber ich bleibe stehen, denn ich will mich erleben, ohne auf die Uhr zu schauen. Normalerweise schaue ich auf Uhr, doch es ist gleichgültig welches Datum oder welches Jahr ist, denn es fühlt sich an, als würde nichts passieren. Unsere Wohnung ist im gleichen Plattenbau wie sonst, mein Weg zur Schule ist der gleiche, wir rauchen immer noch den gleichen Scheiß, das Geld fehlt in unseren Portemonnaies und wir warten auf Veränderungen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto unbedeutender fühle ich mich. Was soll aus uns Kindern werden, deren Leben seit Beginn ihrer Lebenszeit keinen Sinn in ihrem Leben sehen? Es scheint als hätten wir bereits die dunkelsten Abgründe gesehen, aber was ist wenn das erst der Anfang war? Diese Angst umschließt mich, denn ich sehe in diesen Abgründen keine Zukunft. Ich will gesehen werden, raus aus dieser Scheiße und nicht in diesem Zyklus gefangen sein. Existenz und Leben verschmelzen zu einem, allerdings ist meine Existenz seit meiner Geburt gegeben und diese mit Leben zu füllen ist meine Entscheidung. Ständig bombardiere ich mein Gehirn mit Fragen, suche nach dem Sinn und meiner Erfüllung im Leben. Doch ich finde keine Antworten. Ich bin eine Suchende und gehe das Risiko nur auf weitere Leere zu treffen. Ich bin Carlotta und ich bleibe wach.

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Tired. Sleepy. Dreaming.

Dinner for one – Pastaprobleme

Wenn ich in diesem Sommer nicht kraftlos unter unserem Ventilator auf der Couch gelegen habe, dann habe ich schöne Sachen erlebt.
Bis mein Studium im Oktober beginnt, hatte ich demnach Zeit mir vorzunehmen, was ich will. Zuerst war das ein seltsames Gefühl keine Verpflichtung zu haben. Wie fühlt es sich an jeden Tag Wochenende zu haben? Ich bin es nicht gewöhnt nichts zu tun und mir graulte es ein wenig davor. Wofür würde ich jeden Tag aufstehen?
Von Zeit zu Zeit war es für mich einfacher an mir vorbei zu leben, denn in meiner Freizeit wollte ich mich nicht mehr mit mir beschäftigen, da der Alltagsstress mir schon genügte. Wieso sollte ich mir zusätzlich emotionalen Stress aufbürden?  Ich merkte wie ausgelaugt ich war, denn ich brauchte Ruhe. Diese Ruhe wollte ich mir jedoch nicht geben. Zweifel an meiner Routine wollte ich einfach nicht zulassen, denn dann würde ich zu viel nachdenken. Der einzige Weg auszubrechen, wäre es, mir eine Veränderung zu schaffen, doch ich wollte nicht aus meinem sicheren Versteck kriechen. Diese Gedanken überforderten mich. Ich fühlte mich machtlos und feige, doch ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte, um aus meinem Versteck zu kommen. Hinterfrage ich einen Bereich in meinem Leben, geraten die anderen ebenfalls ins Wanken.
So dachte ich zu Mindestens vor einigen Monaten…

Meine Freizeit, die im Juli begonnen hat und bis Oktober weiterhin anhält, war der „Day One“ als mein neues Ich.  Ich erstellte mir im Kopf einen Schlachtplan. Die wichtigste Frage, die mich seit dem jeden Tag begleitet, ist: „Was will ich wirklich?“ Und ich merkte wie schwierig das ist. Wie kann ein Mensch, der vor dem Supermarktregal steht und nicht weiß ob er die kleinen Fussili Nudeln oder die langen Spagettinudeln essen möchte und deswegen bestimmt fünf Minuten vor dem Regal steht, entscheiden wie das Leben in den nächsten Monaten weitergehen soll?

Denn wenn ich die Fusilli Nudeln nehmen sollte, dann würde ich keine Tomatensauce machen wollen, denn dafür würde sich die Spagettinudeln besser eignen. Allerdings würde ich dann einen Auflauf machen müssen, wofür ich mich für weitere Gemüsesorten entscheiden müsste, was das ganze verkomplizieren würde. Also würde ich klassische Spagetti mit Tomatensauce essen. „Oder will ich doch lieber einen Auflauf machen? Mein Appetit lenkt mich eher zum Auflauf mit einer hellen Sauce und Brokkoli als Gemüse hin, aber ist es mir der Aufwand dann wert nochmal zur Gemüseabteilung zu laufen, wo ich eben erst war?“, würde ich mir denken, während ich beide Nudelpackungen in der Hand halten würde.
Diese Gedankenschleifen könnte ich ewig weiterführen, aber das würde zu Nichts führen und erst Recht nicht zu einer Entscheidung. Das Nudeldilemma veranschaulicht den Schwierigkeitsgrad, der besteht, wenn eigene Entscheidungen abgewägt werden müssen. Im Nudelfall könnte ich einfach beide Nudelsorten kaufen und mich später entscheiden, aber am Ende kann es nur ein Gericht werden, was ich mir koche. Es ist wichtig dabei ein Ziel vor Augen zu haben. Wenn ich etwas kochen möchte, dann brauche ich ein Rezept. Normalerweise würde ich in einem Kochbuch nachschauen, um ein Rezept gewohnheitsmäßig nach zu kochen, aber es soll schließlich mein eigenes Rezept werden.

Das Wichtigste, was ich in Bezug auf Entscheidungen gelernt habe, ist, dass der Bauch meist der Schlüsselpunkt ist. Wie beim Essen und bei der Liebe, so gehen ebenfalls Entscheidungen durch den Magen. Wenn mein Bauch kribbelt und sich unbeschwert anfühlt, dann ist es ein gutes Omen für die Entscheidung. Wenn mein Magen sich allerdings etwas flau anfühlt und sich bei dem Gedanken zusammenzieht und erst später wieder entspannt, dann weiß ich, dass ich meine Optionen nochmal überdenken sollte. Dabei spielt auch die körperliche Verfassung eine große Rolle. Seitdem ich mich mehr auf die Bedürfnisse meines Körpers einstelle, habe ich das Gefühl auch etwas von ihm zurückzubekommen, denn vorher kämpften wir eher gegeneinander, als dass wir friedlich zusammenlebten. Natürlich gibt es Ausnahmen, jedoch bemühe ich mich bei meinen Entscheidungen neben meinem Bauchgefühl mein körperliches Wohlbefinden zu berücksichtigen, denn ich möchte mich rundum gut fühlen können. Mein Ziel ist es, herauszufinden, was mich glücklich macht und dieses Ziel werde ich ohne meinen Körper, an denen mein Gehirn (meine Seele, meine Gedanken, meine Persönlichkeit usw.) überlebensbedingt gebunden ist, nicht erreichen können. Meine Entscheidungen sind abhängig von meiner psychischen als auch physischen Verfassung, die ich intuitiv bewerte. Bin ich krank, bleibe ich Zuhause. Das ist die logische Schlussfolgerung. Wäre da nicht der Wille, der sich nicht klar herauskristallisiert. Will ich überhaupt Pasta essen oder muss ich mir doch ein Rezept für Pizza heraussuchen? Um meinen Willen zu verstehen, helfen mir Theorien nicht weiter. Was die Welt mir zu bieten hat kann ich nur ausmalen, aber wissen kann ich es erst, wenn ich sie gesehen habe. Wie heißt es doch gleich? „Probieren geht über studieren.“

Mein Rezept für diesen Sommer war es, so viel zu erleben wie es nur möglich ist, da ich keinen Idee aufschieben wollte . Das war meine Motivation nach der ich mein Rezept zusammenstellte, um mich glücklich zu fühlen. Kein Zeitfenster würde mich einschließen, denn meine Pläne, waren nur abhängig von meinen eigenen Entscheidungen. Vor einiger Zeit fühlte ich mich eingeengt von Verpflichtungen und meinen Funktionen unterlegen, doch nun sehe ich Pflichten als meine eigenen Entscheidungen an. Eingesperrt sein, kann ich nur von meiner Angst nichts außerhalb meiner Gewohnheiten zu finden, was ich kann und was mich erfüllt. Bringt mich diese Angst voran?
Diesen Sommer erkannte ich, dass ich jeden Tag nur für mich selbst aufstehe. Niemand würde mich aus dem Bett zerren können, wenn ich es nicht wollte, da nur ich den Entschluss fassen kann, jeden Tag erleben zu wollen. Die Angst vor meinen veränderten Verantwortungen  hat mich gestoppt, doch es ist meine alltägliche Herausforderung meine Angst beiseitezuschieben. Jeder Tag, den ich für mich annehme, ist der erste Schritt zu neuen Entscheidungen.  Bist du bereit für dein eigenes Rezept?

Und nun heißt es, die Ärmel hochkrempeln und bon Appétit!

Sydney, I love you!

Last year my best friend started her working holiday in Australia. She’s still traveling with her boyfriend around the country. Last year the idea grows in my mind to visit her. I don’t want to spoiler – but my dream came true.
I’ll never forget how excited I was when I entered the plane. My first stop was Paris, from Paris I’ve been transferred to Abu Dhabi and my last arrival was Sydney. Before I started my journey I thought that I would be very lonely on plane, because for 27 hours I’ll only have myself to trust in. What if I’m overtaxed and begin to panic?  Surprisingly, I felt well and I kept an overview on the great airports even if I tingled for excitement. On plane I was luckily able to sleep and I improved my Mario Card skills. Finally, I arrived at  Sydney airport.

My heart skipped a beat when I saw my best friend and her boyfriend again after six months.  They welcomed me with a koala soft-toy and wombat poop (chocolate balls) which made me laugh, because I didn’t realize immediately that it’s no real poop. After a 27hours flight it’s justified, or not? Not only my mind needed time to recover from the long flight. Also my body had to recover its balance. The ground wobbled under me and I felt drunk. My „drunkenness“ didn’t get better when I closed my eyes and everything revolved around inside my head.
By train we drove to our Airbnb apartment and I took a refreshing shower. After we exchanged the latest news I slept like a baby on my air mattress. I had no jet lag at all!

The next day we went to the Sydney Opera House and its botanic garden. I imagined the Opera house differently, because its white color seemed to be matt-polished on television, but the three waves were covered with mosaic. Additionally, the mosaic wasn’t only white. The color of the Opera House is a mixture of beige an white. After I admired the world-wide celebrated architecture of the Opera, my friends showed me around in the botanic garden. It is my favorite place in Sydney. You are suddenly outside of town even if you see next to you gigantic skyscrapers. The busy crowd and the noise disappeared right in the moment when I stood on this piece of nature. I took a deep breath. The sun tickled on my nose and on my shoulders. (Luckily, I am a good girl which uses sun cream! If I wouldn’t have used it, my skin could be mistaken as a tomato’s skin). Palm trees taller than the Sydneytower, tropical plants and exotic flowers surrounded the footpaths. The view on Sydney’s harbour and the harbour bridge was overwhelming. My dream came true, but it seemed like I was still dreaming. While we went around the garden I was touching every tree that I haven’t seen yet. I also hugged one tree like I did in elementary school. This situation has leaved its mark on me, because my teacher whispered:“Hug this tree and feel how it transfers its energy in you. Can you sense the signals from nature? Feel like you grow together with this tree.“ At the latest now you’re thinking that I’m crazy (or you think my teacher in elementary school is crazy)! Maybe I am (or my teacher), but I’m convinced that trees are empowering me.  It was important to me to capture my Australia memories with all of my senses.
Hugging a tree in Australia – Check.

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Botanic Garden


We only stayed three days in Sydney, because we planned to drive down the Great Ocean Road to Melbourne. So, how can I see most of Sydney’s precious places in three days? It’s all about the will! The next day we left the city to say „hello“ to the Blue Mountains. On the train we played the game „Black stories“ (I can only recommend it! We became addicted to it). After two hours playing games in the train we arrived at the Blue Mountains train station. On foot we needed a further hour until we arrived in the Blue Mountains National Park. I felt sweaty, but happy when I saw the Blue Mountains. After you fought yourself a way through the tourists you have a fantastic view over the sea of tropical trees and the impressive Blue Mountains. Also, the three sisters are worth to be seen from the platform. They were our next stop. We followed the crowd a way down to the three sisters. It is possible to go in the edge of one of the sisters. Honestly, it was too windy to keep my eyes open all the time, but it was a great experience. We hiked a hundred of steps downstairs until we found ourselves on a footpath through the forest. After a few kilometers we had a short break at a beautiful cascade before we continued our way to the 52° steepest passenger railway in the world. On the so called „Scenic Railway“ you are allowed to adjust your seated position up to 20 degrees! You can adjust the „Original“  (52 degrees), laid back or the „Cliffhanger“ (64 degrees) position. I was joking around, so I adjusted the lever in the „Cliffhanger“ position. I thought I could change the position also during the ride (now I know that this thought never made any sense!). I formulate it like that – We survived! It was fun, but scary. The person who have been seated in the row before me could have felt my shoes pressing on her/his shoulders (sorry for that). Next time I’ll also chose „Cliffhanger“, because of the adrenaline-kick, but  I’ll try to keep my shoes away from foreign shoulders.

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Blue Mountains (3 Sisters)

 

The next and last day in Sydney was a hard one for my feet, because I got blisters on them. How could that happened although I’ve worn my hiking shoes (Converse/Chucks)? We marched trough the streets and malls of Sydney and I searched for all kind of inspirations. I love it to explore something without a plan, because I’m more open for adventures. Often the spontaneous decisions are the best one! We landed at the Sydney Tower which is not a „must-have-seen“ place. The tower wasn’t the adventure I was looking for, but nevertheless the 360° view over Sydney was charming. Especially seeing the world’s greatest natural harbour from above was impressive.  The Harbour Bridge  was our next destination. It is the only connection to the other side of Sydney. We were too lazy to walk over the whole bridge, but it had no influence on the view. I felt so tiny on the bridge with the enormous steel girders.

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Harbour Bride (View from the metro station)

 

Back in the city we spent some time at Darling Harbour. From the Opera House you can take a ferry to the harbour where lots of shops and restaurants are located. By night it is the perfect place to calm down. Sitting near by the water while sea gulls arguing about crumbs can be very relaxing. Colorful lights were shining on the water’s surface. Our last destination was the Holy (Guca-)Moley Bar. Mini-golf is normally not one of my favorite sports to do, but the Holy Moly Bar made it attractive again! The golf paths were crazy decorated and every path had a theme. For example the last hole were inside a throne. It wasn’t a random throne – it was the „Game of Thrones“- throne made of golf clubs. The other reason why the Holy Moly Bar is worth seeing ,is that the Cocktails are very delicious. They also had creative names like „Sugar Caddy“ or „Bayonce“. It is a nice place because someone was so passionated in creating mini-golf paths that you can just be enthusiastic about mini-golf even if you don’t like it. What a nice ending of a wonderful time in Sydney!

To be continued.. 

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Botanic Garden

 

 

Es sind nur Haare!

Seit zwei Jahren habe ich nun kurzeHaare. Seit dem probierte ich wild Frisuren aus und färbte meine Haare hellblond, dann fast weißlich und grau. Es sind nur Haare, aber irgendwie auch nicht.

Meine Haare abzuschneiden war ein kurzer und schmerzloser Akt. Meine Friseurin fragte noch ob ich mir wirklich sicher sei diesen Schritt zu tun, bevor sie meinen braunen Pferdeschwanz abschnitt. Ich war mir zu 100% sicher. Erst zum jetzigen Zeitpunkt realisiere ich, dass ich mir bevor ich meine langen Haare aufgab mir viele Gedanken darüber gemacht habe. Mit meinen langen Haaren gab ich die Sicherheit auf mich hinter ihnen zu verstecken, was ich oft getan habe. In unangenehmen Situationen konnten die Haare als Schutzvorhang dienen, um z.B. Blicke abzuwenden oder einen Gesichtsausdruck zu verbergen. Mit meinen kurzen Haaren lockte ich mich selbst aus meiner Komfortzone heraus. Für mich sind meine

 

Haare in der Hinsicht wichtig, dass sie mir die Möglichkeit bieten mich ständig zu verändern. Die Haare formen mein Aussehen, doch wie ich merke richtet sich die äußerliche  Form nach meinem innerlichen Empfinden. Mein Anblick gefiel mir nicht mehr im Spiegel, da mir die Person im Spiegel nicht mehr gefiel. Kaum hatte ich mich von meinem braunen, „splissigen “ Unheil getrennt, hatte mich die Neugier gepackt wie ich meine innerliche Veränderung angehen konnte.

 

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Die Veränderung der Haare lässt sich sicherlich auch auf andere Beispiele übertragen. Die Kleidung eines Menschen verrät ebenfalls etwas über sein Innenleben. Ist dieser Mensch modebewusst? Ist die Kleidung des Menschen ein Erkennungsmerkmal für eine bestimmte Gruppe(-nzugehörigkeit)? Welchen Beruf hat diese Person (bei Arbeitskleidungen) ? Und noch viele weitere Fragen können durch den Blick auf die Kleidung getroffen werden, auch wenn die Antworten zunächst oberflächlicher Natur sind so lange man die Person n

icht persönlich kennt. Wenn ich mich nicht mehr wohl in meiner Kleidung fühle, weil ich mich mit ihr nicht mehr identifizieren kann, dann habe ich ebenfalls den Drang mich neu einzukleiden. Diese Entscheidung ist aber zunächst abhängig von den finanziellen Möglichkeiten als auch von dem Willen sich von Erinnerungsstücken zu trennen. Die Veränderung passiert für mich nicht kurz und schmerzlos wie bei einer Haarveränderung, da meine weggegebene Kleidung nicht nachwachsen kann, wenn ich sie wieder haben möchte.

Was für Auswirkungen hat mein Aussehen auf meine Gedankenwelt?

Ich fing an für mich selbst selbstsicherer zu werden. Dieser Prozess hört bis heute nicht auf, denn Selbstsicherheit steht und fällt mit der eigenen Selbstakzeptanz und der eigenen Wahrnehmung, die sich jederzeit ändern kann. Zudem distanzierte ich mich von allen Langhaar-Besitzern. Lange Haare kennzeichneten für mich bis dato ein typisches Mädchen, was ich nicht mehr sein wollte. Es ist dabei gleichgültig ob ein Mädchen seine Haare bewusst züchtet*, um sie als eigene Qualität anzusehen oder ob es dem Mädchen schlicht weg gefällt langes Haar zu tragen.  Für meine Freundinnen, die in meinen Augen „typische Langhaar-Besitzer“ sind, sind ihre Haare ihr Hauptaugenmerk. Früher verstand ich es nicht, warum jemand seine Haare um keinen Preis jemals abschneiden würde. „Wie kann man nicht die Neugier haben sich mit seinem Aussehen auszuprobieren? Sind sie sich zu fein?“, dachte ich. Mit dem Abschneiden meiner Haare begann ich zu verstehen: “ Warum sollte jemand seine Haare verändern wollen, wenn er mit sich so zufrieden ist wie er ist?“ Eine Zufriedenheit, die aus dem Inneren auf das Äußere einwirkt.

Mein Hauptargument meine Haare abzuschneiden war, dass sich meine langen Haaren auf meiner Kopfhaut anfühlten als würden sie mich einengen. Ich wollte mich frei und luftig um den Kopf fühlen. Plötzlich konnte ich mich hinter nichts verstecken, sodass ich ebenfalls versuchte meine Gedanken nicht mehr zu verstecken. Es war als würde ich näher zu mir finden wollen.
Ich wollte anders sein als die Mädchen aus meinem (damaligen Schul-)Jahrgang, die (bis auf ein paar Ausnahmen) stolze Langhaar-Besitzerinnen waren. Mit meinem neuen Aussehen fühlte ich mich neu. Ich wünschte mir von meiner Umgebung neu wahrgenommen zu werden. Die Kinder, die ich in einem Hort betreue, fragten warum ich eine Jungsfrisur trage und meine Freunde witzelten, dass ich auch als Junge durchgehen könnte. Ich rechnete mit diesen Bemerkungen und es gefiel mir durch sie Gespräche entfachen zu können. „Definiere ich mich als Frau durch die Länge meiner Haare?“, begann ich mich und die anderen zu fragen.
Wieso sind typische Mädchen für mich langhaarig? Und wieso habe ich eine feste Vorstellung von der „Typischen Frau“, wenn doch jede Frau für sich bestimmt, was es für sie heißt eine Frau zu sein? Wie definiere ich mich selbst als Frau?

Alles nur wegen einer Haarfrisur! Es mag albern klingen, aber meine Haare haben für mich die Funktion mich aufzuheitern. Wenn ich mit mir selber unzufrieden bin, was aus meinem Inneren rührt, dann kann ich als „Trost“ meine Haare verändern. Die innere Haltung zu ändern ist eine langfristige Aufgabe, hingegen Haare innerhalb einer Sekunde komplett anders sein können. Die Verwandlung des Aussehens ist mein Bedürfnis mich auszuprobieren. Was ist für mich der richtige Weg, um mit mir selbst zufrieden zu sein? Ich hoffe eines Tages anzukommen und zu erkennen wie ich innerlich als auch äußerlich am Besten ich selbst sein kann. Jetzt möchte ich meine Haare wieder züchten, um erneut eine Langhaar-Besitzerin zu werden. Und wer weiß- vielleicht brauchte mein altes Ich von vor zwei Jahren und mein jetziges Ich diese Erfahrungen, um diese Erkenntnisse zu erlangen. Und in zwei Jahren werde ich mit langen Haaren neben meinen langhaarigen Freundinnen sitzen und mir nicht mehr vorstellen können wie es war als ich kurze Haare hatte.

*Haare wachsen zu lassen nenne ich „Haare züchten“ oder Haarzucht, weil es nach meiner Erfahrung mit Ruhe, Geduld und Emotionen verbunden ist, sich um seine Haare zu kümmern.

 

Von Büchner zum Baden

#Tagebuch

Das Gefühl eine innere Leere zu haben und doch alles auf einmal zu fühlen, ist eine  innere Unruhe, die weder mit Musik hören noch mit dem Zeichnen zu bekämpfen ist. Die Dauerschleife im Kopf rattert munter weiter. Das Gefühl, das niemand auf der Welt einen versteht, ist präsent. Ich fühle mich alleine. Andauernd wird dieses Gefühl ausgelöst und schwirrt dann wie eine Alarmglocke über meinem Kopf, die mir sagt, dass ich hier nicht hingehöre. Ich fühle mich als wäre ich ständig auf der Durchreise, obwohl ich stets jede Woche an den selben Orten bin, den selben Menschen begegne, die immer gleichen Gedanken habe. Wäre ich auf der Durchreise, dann hätte ich vielleicht ein spannendes Leben. Jeden Tag würde ich neue Dinge erleben, neue Eindrücke von Natur und Menschen sammeln können, tief durchatmen können. Wie Büchner zu seiner Lebenszeit sagte: „Die Finsternis wogte über mir, mein Herz schwoll in unendlicher Sehnsucht[..]“. Eins meiner Lieblingszitate von Büchner stammt aus Dantons Tod, wo Danton auf Julies Frage „Glaubst du an mich?“, antwortet, „Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab, wir sind sehr einsam“(Akt 1, Z.10.14). Diese Einsamkeit ist die Art Einsamkeit, die ich spüre. Selbst wenn ich in Begleitung bin, selbst wenn ich ich mich einer Person hingebe, so ist diese Mühe nur ein Akt der Äußerlichkeit, da der Schutz der eigenen, sensiblen, dicken Haut keine Tiefgründigkeit zulassen kann. Es ist vergebens gegen das Gefühl anzukämpfen, da man in Zweisamkeit keiner Einsamkeit entfliehen kann. Was ist das in mir, was mich so leblos macht?

Das einströmende Wasser in die Badewanne hört sich an wie ein sprudelnder Wasserfall, der seine blau glänzenden Tränen an einen Fluss abgibt, der sich durch die Täler schlängelt und die Erde befeuchtet. Die Sehnsucht pflanzt sich hinter meiner Stirn im Zentrum des Denkens an. Den Wasserdampf auf meinem Gesicht spürend, stelle ich mir vor aus dem Zugfenster zu schauen und die Weiten der Felder vor mir zu sehen. Das Rattern der Zugräder auf den Schienen löst in mir ein entspannendes Gefühl aus, obwohl ich meistens nur das Ruckeln spüre, anstatt es zu hören, da ich meine Ohren gewohnheitsmäßig mit den Schallwellen der Musik betäube. Der Geruch vom Sommer, vom frischgemähten Gras, vom angezündeten Grill kriecht in meine Nasenlöcher und für einen Moment kehrt in mir eine Ruhe ein. Schnell öffne ich meine Augen, um mich zu vergewissern, ob ich den Wasserhahn zudrehen muss, damit die Badewanne nicht überläuft. Noch benebelt von den lebhaften Sommerträumen schaue ich in die Badewanne, die fast bis zum Rand mit Wasser befüllt ist und über und über mit Schaum bedeckt ist. Die einst geschenkte Badekugel kann heute ihre Premiere feiern und macht der Beschreibung des „Schaumbads“ alle Ehre. Es ist eine Ausnahme, dass ich überhaupt in Erwägung gezogen habe zu baden, da ich ein absoluter Duschmensch bin. Einmal im Jahr kann ich mich jedoch dazu aufraffen ein Bad zu nehmen und heute sollte wohl dieser Tag sein. Nachdem ich nachdenklich in den Schaum gestarrt habe, streife ich mir meine Kleidung ab, lege sie auf den Boden und drücke auf „Play“, sodass eine Melodie des ersten Liedes meiner Playlist den Raum erfüllt. Zögerlich wage ich mich in das warme Badewasser hinein. Zuerst versinken die Füße, dann die Oberschenkel, dann der Bauch samt Bauchnabel, dann die Arme und schließlich die Schulter in dem orangenen Wasser. Nur mein Kopf guckt noch aus dem Schaumbad heraus. Nach einiger Zeit des ruhigen Liegens im Badewasser schwebt der eigene Körper nur in den Wasseratomen als würden sie sich an die eigenen Form anschmiegen wie die Luft es tut. Einerseits entspannt die Wärme des Wassers die von der Woche erschöpften Glieder, andererseits erscheint meiner Haut die dauerhafte Wärme fremd. Ich möchte schwitzen, kann es aber nicht, da ich ja im Wasser liege. Plötzlich spüre ich wie meine Brust auf und ab tanzt. Der Rhythmus meines Herzschlages ist deutlich in der Hebung und Senkung des Brustkorbes wahrzunehmen. Mein Herzschlag hat alles andere als eine beruhigende Wirkung auf mich- im Gegenteil: Ich hasse das Geräusch und das Pumpen des Herzens. Wenn ich einen Herzschlag höre, dann habe ich immer Angst, dass dieses Geräusch unerwarteter Weise abrupt stoppt( Drama baby, Drama). Während meines Versuches eine Entspannungsphase aufzubauen, driften meinen Gedanken wieder ab. Ich versuche wieder an die Sommergefühle in mir heranzukommen. Mir hat diese Ruhe gefehlt. Einen Moment Ruhe brauchte ich für mich. Diese Ruhe macht mir Angst, aber manchmal gewinnt der Körper  gegen den Kopf. Ich versuche meine Gefühle zu akzeptieren.

Die Hitze der Badewanne fängt an meinen Kreislauf anzugreifen. Ich entscheide mich aus der Badewanne auszusteigen, da die Hitze wie ein Bauklotz auf meiner Brust liegt und meine Atemwege zuschnürt. Ruckartig erhebe ich mich aus der schaumigen Brühe, bemerke aber erst im Stand wie wackelig meine Beine von der Hitze geworden sind. Langsam neige ich meinen Kopf zum Spiegel, in dem ich mein Gesicht und meinen schaumbedeckten Körper wiedererkenne. Das Badeerlebnis ist zu Ende. Heilfroh aus der Wanne heraus zu sein, wickle ich meinen Körper in meinen Bademantel, ziehe in meinem Zimmer meine Jogginghose und ein T-Shirt an und lege mich in mein warmes Bett. Bevor ich einschlafe denke ich noch weiter, bis mein Gehirn endlich den Ausschalter gefunden hat.

 

Veganismus – accidentally vegan!

Im letzten Jahr war ich im Dezember in London (, sie ist meine absolute Lieblingsstadt). Ich habe dort etwas Unvermeidliches getan – ich bin Metro gefahren. In der Metro hängen genau wie in Deutschland Werbeplakate aus. Da ich alles aus London in mir aufsaugen wollte wie ein Staubsauger, um mich von der wunderschönen Stadt inspirieren zu lassen, habe ich meine Umgebung genauer wahrgenommen als ich das in der deutschen Bahn mit Ohrstöpseln machen würde. Ich schaute mir aufmerksam die Wände an. Ein Plakat war jedoch anders als die anderen. „Veganuary! Try vegan for one month!“, las ich auf dem grünen Plakat. Schon des Öfteren habe ich mir Gedanken über meinen Fleischkonsum gemacht. Den Besuch eines Hähnchenmaststalls in der 10. Klasse habe ich nie ganz verarbeitet und allgemein war es mir schon über einen langen Zeitraum unangenehm gewesen ein „Fleisch- Junkie“ zu sein. Zu Milchprodukten hatte ich ebenfalls kein gutes Verhältnis. Milch schmeckte mir nie besonders gut und nach dem Verzehr von Jogurt oder Käse hatte ich oft einen Blähbauch oder ein Völlegefühl. Einen Laktose- Intoleranz- Test hatte ich bereits gemacht – er war negativ. Als ich dann die „Veganuary- Campain“ las, dachte ich mir „warum nicht?“. Ich besuchte die Website, die auf dem Plakat aufgeführt war. Um die Statistiken des Veganuary Teams mit Informationen zu füttern, gab ich meine Daten auf der Website an –  ich gab an welches Geschlecht, welches Alter und welches Herkunftsland ich habe. Als ich das getan hatte, habe ich den 2. Januar 2018 als meinen Starttag festgelegt, da ich wusste, dass ich am 1. Januar ein richtiges Kateressen brauchen würde und sündigen würde.
Der 2. Januar fing dann damit an, dass ich mich überhaupt nicht vorbereitet hatte. Morgens vor der Arbeit habe ich eine trockene Scheibe Toast gegessen, da ich weder auf mein neues, veganes Leben vorbereitet war noch hatte ich ein Gespür davon was vegan ist und was nicht. Ich war überfordert. Mit der Zeit hat sich das gelegt und ich weiß inzwischen mit dem Begriff „vegan“ etwas anzufangen. Ich wusste vorher natürlich, was „vegan sein“ bedeutet. Im veganen Ernährungsstil werden keine tierischen Produkte verzehrt. Bevor ich diesen Ernährungsstil ausprobierte, war mir nicht bewusst wie Tierprodukt lastig mein Leben vorher war.

Bei meiner „Veganismus-Geschichte“ ist anzumerken, dass ich mich eher als halben Veganer definieren würde. Ich ernähre mich jetzt überwiegend vegan, doch ab und zu greife ich auch auf tierische Produkte – unter anderem Fleisch- zurück. Für mich schmeckt z.B. Fleisch einfach gut. Essen ist für mich eine kulturelle und auch lebensqualitative Angelegenheit. Das bedeutet für mich nicht, dass Kultur oder Lebensqualität in Bezug aufs Essen nicht tierproduktfrei ablaufen könnte, aber ich denke davon sind wir auf der Erde noch Welten entfernt. Veränderung geschieht schon im Leben des Einzelnen und diesen Schritt möchte ich wagen. Mein Leben lang auf z.B. Fleisch verzichten könnte ich jedoch trotzdem nicht.  Seitdem ich vegan bin kann ich diese Momente des Fleischkonsums besser genießen und ich schätze sie im Vergleich zu vorher viel mehr wert. Der Vorteil daran ist, dass wenn ich mal Fleisch esse, das es dann Biofleisch oder Fleisch aus der Region ist, da ich genauer und gewissenhafter die Produkte aussuche.Wieso rechtfertige ich mich für mein „Halb-Veganismus“? Ich habe das Gefühl, das sich aus vergangenen Erfahrungen zusammensetzt, mit diesem Verhalten auf Unverständnis zu stoßen. „Ganz oder gar nicht“ oder „Wenn man etwas anfängt, dann sollte man es auch durchziehen“ sind dabei Sätze, die mir im Kopf herumschwirren. Wieso habe ich für mich diesen Kompromiss gefunden? Es ist ein ganz simpler Grund: Wenn meine Eltern mit mir zusammen Burger selber machen und ich verzichten „müsste“, obwohl ich nicht verzichten möchte, dann wäre es ein Zwang und keine Erfüllung mehr. Wenn es mich glücklich macht an jenem Freitagabend mit meiner Familie Burger zu essen- warum sollte ich mir das verbieten? Dieses Argument lässt sich auch auf den täglichen Fleischkonsum anwenden, wo bei mir allerdings mein Gewissen dazwischenfunkt. Ich denke dann an die Masttierhaltung, an die Lebensumstände der Tiere (, die keine sind), an die Leben der Tiere, an die enorme Belastung der Umwelt und an das Wohlergehen meines eigenen Körpers, wenn ich Tierprodukte konsumiere. Ein gemäßigter Konsum erlaubt mir für mich diesen Kompromiss einzugehen.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir leichtfällt. Es ist Teil meines alten Verhaltensmusters, denn es war normal für mich jeden Tag eine Scheibe

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Wurst auf meiner trockenen Scheibe Toast zu haben. Es gibt so viele Dinge, die ich immer noch nicht umweltbewusst umsetze, aber ich versuche mich mit meinem „Halb- Veganismus“ auf die für mich richtige Bahn zu bewegen. Ich esse nicht wöchentlich Fleisch. In manchen Monaten werde ich gar kein Fleisch verzehren.  Aber meine „ab und zu“ Regel bleibt bestehen.

(Fleisch ist in dem Fall ein Beispiel- es bezieht sich auch auf Käse, Eier etc.)

http://www.veganuary.com

Inspirierende Dokumentation zum Thema Gesundheit & Konsum:
„What the Health“ von Kip Andersen und Keegan Kuhn (Netflix)
-> Die Website dazu mit Fakten, Rezepten etc.: http://www.whatthehealthfilm.com

Flower-Power

Blumen aus Alufolie

Es würde knistern
Wenn ich es würd‘ berühr’n
Es würde zerknicken
als würd‘ ich’s wollen zerstör’n

Sie steht dort in der Fensterbank
Von Weitem unantastbar
Ich geh‘ langsam den Gang entlang
Von Nahem so unlesbar

Es würde verwelken
Wenn ich’s würd‘ anhauchen
Es würde mich mit sich zieh’n
Ich würd‘ gern tiefer tauchen

Sie steht dort in der Fensterbank
Von Weitem ist sie fremd
Ich schau‘ sie mir Mal näher an
Ihre Blätter erscheinen krank

Es würde nur wachsen
Wenn ich würd‘ glauben
Es würde nur tanzen
Wenn ich würd‘ Angst mir rauben

Tag und Nacht steht sie auf der Fensterbank
Ich geh‘ jedes Mal den Gang entlang
Und als ich merkte ich heile,
da eilte ich zur Blume
Schaute hoffend auf sie drauf
Nach einem langen Winter,
da ging die Knospe auf

Natur der Blume

Meine Oma ist eine Blumennärrin. Sie hat wie sie selbst sagt einen „grünen Daumen“. Früher habe ich nie verstanden, was sie besonderes in den Blüten von Orchideen gesehen hat. Inzwischen kann ich sie ganz gut verstehen. Orchideen sind echte Schönheiten, die es in so vielfältigen Arten zu sehen gibt. Dank meiner Oma war ich schon mehrere Male im Orchideenhaus. Es ist jedes Mal eine schöne Erfahrung von der Natur zu lernen. Auch wenn Pflanzen mir nicht antworten oder Ratschläge fürs Leben geben, so geben sie mir doch eine gewisse Kraft.

 

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Berggarten, Herrenhausen (Hannover)

Die Blogckade

Kaskade oder Blockade? Schon im letzten Jahr habe ich mir vorgenommen aus meinem Blog „mein Projekt“ zu machen. Wenn ich es aus einem negativen Standpunkt betrachte, dann bin ich gescheitert. Mein Blog ist genauso leer wie vor ein paar Monaten. Klar, ich habe so einige Beiträge veröffentlicht, aber es war nicht „mein Projekt“. Es hat sich nicht so angefühlt. An jedem Tag warte ich auf den einen Geistesblitz, der mich erfasst oder eine Inspiration, die meine Kreativität stimuliert. In so vielen Monaten gehe ich leer aus. Wie kann ich überhaupt erwarten, dass ich einen Schreibfluss habe, wenn ich bloß auf ihn warte, anstatt meine Gedanken selbst zu provozieren? Es könnte allerdings sein, dass ich davor Angst habe meine Gedanken zu veröffentlichen. Die Frage „Was denken die anderen über mich?“ ist tief in mir verwurzelt, auch wenn es an sich gesehen keinen Grund gibt mir den Kopf über die Köpfe von fremden Menschen zu zerbrechen.

Was machen eigentlich Autoren, wenn sie eine Schreibblockade haben? Schreiben sie wirklich darüber, dass sie eine Blockade haben? Bin ich jetzt ein Autor, weil ich das mache? Wahrscheinlich eher nicht. Ich bin ein „Blogger“ oder versuche einer zu sein. Tue ich das? Was möchte ich eigentlich mit meinem Blog „erreichen“? Im Prinzip möchte ich mit dem Blog an sich nichts erreichen. Ich freue mich, wenn andere Leute Interesse zeigen und das lesen, was ich geschrieben haben. So oft frage ich mir „Was habe ich zu sagen? Gibt es was zu sagen?“, aber vielleicht sollte ich diese hinterfragende Seite in mir in dem Moment stumm stellen. Der Blog ist für mich da, wenn ich etwas teilen möchte. Selbst, wenn es niemand lesen würde, ich habe dann den Mut aufgebracht mich mitzuteilen (und wenn es nur mit mir selbst ist). Der Blog ist Teil meiner eigenen Therapie, die manchmal eher stagniert und manchmal fortschreitet. Meine „Blogckade“ hat sich über einen doch längeren Zeitraum gezogen, da ich das Gefühl hatte viel zu viel zu sagen zu haben. Mein Kopf ist immer noch überladen. Meine Gedanken sind immer noch unsortiert. Im Gegensatz zu den „Blogckade“ Zeiten, kann ich kurzzeitig ein Thema in meinem Kopf festhalten – so wie jetzt.

Ich schreibe auch erst seit kurzem wieder Tagebuch, was mir enorm hilft meine Gedanken zu sortieren. Es ist ein langer Prozess, aber jeder klare Gedanke kann ein Schritt zu einer reflektieren Lösung zu kommen. Ich lese mir, wenn ich wieder ein Überangebot an Gedanken und Gefühlen habe, meine alten Tagebucheinträge durch und reflektiere, was sich in mir verändert hat. Immer wieder fällt mir dabei auf wie viel in mir und in meiner Umgebung passiert ist. Durch die ständige Verarbeitung von inneren und äußeren Reizen vergesse ich immer wieder, wie viel sich in der kurzen Zeit für mich geändert hat. Die eigene, kleine Welt ist stetig im Wandel, was zur Selbstverständlichkeit wird, doch was für einen selbst eine große Leistung sein kann.

Die Blockade bezog sich nicht nur aufs Schreiben, sondern auch aufs Zeichnen und Malen. Ich bin wirklich froh, dass ich diese Blockaden im Kopf teilweise überwunden habe (fürs Erste).

 

Psycho1
Spaltung der Dimensionen

Zeuge der Z

Ich Ich wollte dir nur Liebe geben Doch jetzt steh‘ ich da Ganz ohne Plan Es ist so gewollt Wir passten einfach nicht Es ist so wie Fasten Diese Momente ohne dich Ich kann keine Liebe geben Keine Schwächen ansprechen Keine Nähe zulassen Doch dein‘ Glauben nicht vergessen Du suchtest in mir Halt Berührtest mich […]