Nie wieder Wochenende

Seit Kindheitstagen liebe ich Hörbücher, die Krimi, Liebes – und Fantasiegeschichten erzählen und mich mit ihrer Kreativität faszinieren. Verschiedenste Stimmen – ob enthusiastisch oder beruhigend – haben mich täglich begleitet.
Später habe ich Interviews und Lifestyle Podcasts für mich entdeckt, doch ob es fiktive Erzählungen sind oder reale Lebensgeschichte:
Es gibt Stimmen, die einen emotional berühren oder die einen anstoßen sich selbst zu hinterfragen.

Brich‘ dein Herz
Eine dieser Stimmen gehört der australischen Reisebloggerin und Fotografin Sorelle Amore. Sie ist für mich eine charakterstarke, inspirierende Frau und ein Vorbild, da ihre Willensstärke der Grund ist, warum sie ihr Glück gefunden hat und die beste Version ihrer Selbst geworden ist.
Einige Worte von ihr sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

In einem Video schildert sie eine Situation im Supermarkt*:
Eine Verkäuferin sprach sie beim Einpacken der Lebensmittel mit den Worten,“ Endlich ist es Freitag, oder?“, an. Und Sorelle schaute sie verwirrt an, da sie den Sinn hinter der Aussage nicht verstanden hat. Für sie war der Freitag kein besonderer Tag – „I did’nt get her point“. Denn für sie gibt es kein Ende der Woche, auf das sie hinarbeiten muss, da sie mit ihrer Arbeit nicht aufhören will. Die Abrechnung am Ende der Woche fehlt, denn der Freitag vergeht für sie genauso schnell wie der Montag.

„Ja, endlich ist es Wochenende!“, wäre meine Antwort gewesen.
Doch was bedeutet das eigentlich? Nur in zwei Tagen der Woche bin ich zufrieden mit meinem Leben? Nur wenn ich frei habe werde ich mein Job des Geldes wegen mögen?Das Jobleben scheint wie eine Bürde zu sein, die man nicht loswerden kann.
Warum sehe ich es als Pflicht an zu meiner Arbeit/meinem Studium/meinem Projekt zu gehen?
Ist es nicht die größere Bürde meine spaßige Zeit auf die arbeitsfreien Stunden zu reduzieren?
Ich bin in der glücklichen Lage mir aussuchen zu können, was ich aus meinen noch geschätzt 65 Jahren auf dieser Welt mache.
Immer wenn die Pflicht das Weckerklingeln abstellt und nicht die eigene Hand, die ihre Pflichten zu ihrem Werkzeug macht, dann ist ein guter Arbeitstag verloren gegangen. Meine Arbeit soll den Zweck haben meine Fähigkeiten auszubauen, mich weiterzubilden und mich zu fordern.
Ist es nicht am wichtigsten über sich selbst hinauswachsen zu können, um Neues lernen zu können?
Ob im Privatleben oder im Arbeitsalltag, ich brauche diesen verschwommenen Blick der Zeit, denn ich will das Zeitgefühl verlieren und mich nicht von einer Minute zur nächsten retten.
Jeder hat Tage, Wochen oder auch Monate, die einem endlos vorkommen, da es in der Phase tausend schönere Dinge geben könnte als sie acht Stunden auf der Arbeit zu verbringen. Die Arbeitspersönlichkeit ist schließlich eine andere, denn wenn es mir schlecht geht interessiert das keinen – in dem Fall muss ich meinen Job machen, professionelle Gefühle annehmen und eine Persönlichkeit sein, die erwünscht ist.

Ich gestalte mein Leben, zu dem Privaterlebnisse und Arbeitsleben gleichermaßen zählen, so wie ich mich am wohlsten fühle.


Seine Energie in Sinnlosigkeit zu verlieren kann frustrierend und schmerzhaft sein, denn egal was ich für eine Leistung in Augen eines anderen erbracht habe, mein Job ist für mich nur etwas wert, wenn ich hinter ihm stehe.
Ob der Job ein vernünftiger, risikoreicher, monotoner, lustiger, künstlerischer, ruhiger, lauter oder verrückter Job ist egal so lange er für mich stimmig ist.
Meine Zeit ist zu kostbar, um sie einem Job zu widmen, der mir nicht zurückgibt, was ich in ihn investiere. Meine Investition ist mein Können, mein Fleiß und mein Mut. Genau wie Sorelle möchte ich mich nicht am Wochenende festkrallen als wäre der Rest meiner Woche ein schwere Krankheit, von der ich mich erholen muss.

„Sei bereit die Herzen deiner Chefs, deiner Familie oder das Herz von dir selbst zu brechen, wenn es sich nicht richtig anfühlt was du machst. Du denkst es wäre die eine Chance die du hast, aber du hast unendliche Möglichkeiten das beste aus dir zu machen“, sagt sie. Die Zwanziger seien voller Unruhen und Entscheidungen, aber auch die Zeit der Abenteuer.
„Komm‘ nicht zur Ruhe, sondern traue dich loszulassen“
ist meine Interpretation ihrer Message aus ihrer „Life Lesson“ Podcast Folge, die meiner Meinung nach nicht nur auf die 20er Altersgruppe beschränkt ist.

Die Braut, die sich nicht traute
Das war der Startschuss für mich mich nicht mit einem durchschnittlichen Gefühl zufrieden zu geben. Mein erstes Semester an der Uni als Englisch und Französisch Student war durchwachsen. Schnell habe ich das Universitätsleben am Campus, die Hörsäle, Dozenten und meine Uni- Freunde ins Herz geschlossen. Das was mich stutzig machte, waren die Inhalte der Hauptfächer und die unsichtbare Jobperspektive. Obwohl ich mich freute die Fremdsprachen wieder wöchentlich hören, schreiben und sprechen zu können, verunsicherten mich die schwammigen Informationen zu dem Studienfach. Ich bin stolz beide Sprachen zu können, aber ist das meine beruflichen Bestimmung den Fokus ausschließlich auf die Sprachen zu legen?
Ab der Hälfte des Semesters habe ich gemerkt, dass die Vorfreude auf die Vorlesungen abgenommen hat. Mir fiel es schwerer aus dem Bett zu kommen und zur Uni zu pendeln, ich habe selten bis gar nicht gelernt und gemerkt, dass ich nicht zu 100% motiviert und konzentriert war. In den Vorlesungen recherchierte ich nach Berufsangeboten für den Studienabschluss, suchte Erfahrungsberichte auf der Uni Website und schaute mir meine Fächer für die höheren Semester an. Viele Antworten blieben offen und ich fühlte mich nicht überzeugt. Warum hatte ich das Gefühl, dass ich etwas Größeres verpasse?
Mein Bauchgefühl hat mich also mit der Entscheidung konfrontiert:
„Bleiben oder bleiben lassen?“

Erst nach der schönen, aber auch lehrreichen Erfahrung an der Uni habe ich gelernt, dass ich nicht verpflichtet bin meine erste Wahl „durchzuziehen“.
Wozu soll ich ich etwas beenden, ohne davon überzeugt zu sein?
Mein Mut etwas auszuprobieren hat sich ausgezahlt, denn nun weiß ich, dass das Sprachenstudium nicht meine Erfüllung ist, wodurch mir der Jobwechsel im Nachhinein leichter fällt.
Ohne diese Erfahrung könnte ich diese Option nicht ausschließen und dieser eine Traum würde immer im Raum stehen.
Die Sicherheit zu wissen, was ich nicht will, ist eine Bereicherung für mein Wissen über mich selbst und der Anstoß, das was ich will, zu suchen.
Als sprunghafter und von vielen Dingen begeisterter Mensch brauche ich eine Sicherheit zum Festhalten, um nicht unterzugehen im Chaos meiner Träume.

Nach langem Grübeln habe ich für mich entschieden meine Zweifel ernst zu nehmen, um mir eine andere Chance eröffne. Ich war bereit mein Herz zu brechen.
Ich bewarb mich für mich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin bei mehreren Krankenhausunternehmen, wo ich schließlich auch einen Job bekommen habe. Mein zweiter Neuanfang sollte mich in die medizinische Branche führen, die mich schon immer fasziniert hat.
„Oh- das ist ja was ganz anderes!“, ist die normale Reaktion, wenn ich von meinem Jobwechsel erzähle. Die meisten sind genauso neugierig wie ich, was mich in den Krankenhäuser erwartet. Wie werde ich damit umgehen können täglich Leid um mich zu haben? Was wird das für ein Gefühl sein jemanden gesund pflegen zu können?
Für die nächsten drei Jahre lege ich meine Studienpläne auf Eis, um diese Fragen beantworten zu können.
Medizinerin oder Psychologin? Zwei meiner längsten Berufswünsche sind zufällig die angesagtesten Studiengänge an den Universitäten. Der Numerus Clausus, die schwierigen Auswahlverfahren, die ewig langen Wartesemester und die Unsicherheit, ob ich das Studium überhaupt schaffen würden, stellten sich mir in den Weg. Die unzähligen Hürden waren allgegenwärtig, weswegen ich es verworfen hatte zu versuchen. Bin ich schlau genug, belastbar genug, ehrgeizig genug, mutig genug?
Wie die Braut, die sich nicht traut, habe ich meiner Feigheit die Kraft gegeben mich von meinem Traum abzubringen. Die Ausbildung ist für mich der Weg zur Gewissheit, die mich (hoffentlich!) entspannen wird. Um mich dem Lernstress im Studium hingeben zu können, meine Motivation aufrecht erhalten zu können und um mir eine Selbstsicherheit zu geben, brauche ich die Gewissheit bereit für diesen Beruf zu sein. Als Gesundheits- und Krankenpflegerin kann ich abgehärtet und mit erster Berufserfahrung in das Studium einsteigen und habe eventuell lerntechnisch einen Vorteil. Es wird Zeit sich zu trauen!
Und wer weiß, was aus meinem Etappenziel noch wird.

Lieber Traumjob..
Von meinem Traumjob erhoffe ich mir lediglich, dass er mich existenziell absichert und mich zufrieden macht. Ist das zu zu viel von mir selbst verlangt?
Naiv wäre es zu glauben jeden Arbeitstag im Paradies zu verbringen, wo alle Yoga zusammen machen und einen Gesprächsball herumreichen, um über ihre Gefühle zu reden. Schön wäre es! Die Realität ist, dass Missverständnisse, Konflikte und unangenehme Situationen alltäglich passieren, die für mich nur aushaltbar sind, wenn ich weiß, dass diese Phase vorüber geht. Nur durch ständige Konfrontation weiß ich wie ich mit Stresssituationen umgehen kann, die mich auch nach der Arbeit beschäftigen. Sicherlich werde ich viele Arbeitspäckchen mit nach Hause tragen, aber diese können nur wieder verschwinden, wenn ich mit dem Beruf zufrieden bin.
Wichtig ist es für mich, dass die Arbeitskollegen kein Päckchen davon sind. Natürlich gibt es immer jemanden, den man nicht unbedingt einladen würde im Nirgendwo zelten zu gehen, um über Gott und die Welt zu reden und um einen „Digital Detox“ zusammen zu machen. Ein toxischer Arbeitsplatz kann nicht dazu führen, dass ich mit mir selbst im Reinen bin, da ich andauernd „detoxen“ müsste. Wenn ich in einem stetigen (nicht zu klärenden) Konflikt gefangen wäre und ich keine Ausweichmöglichkeit hätte, wäre dieser Konflikt plötzlich der Mittelpunkt meiner Arbeit, ohne dass ich das willentlich beeinflussen könnte. Meine Kreativität und Konzentration würde gehemmt werden.
Diese Grundspannung könnte zu keiner positiven Entladung führen – eher im Gegenteil.
Mein Job ist meine größte Lebensinvestition, dadurch dass meine Existenz von ihm abhängt und da er auch mein privates Glück beeinflusst.
Naiv wäre es zu glauben, dass der Erfolg nicht ausschlaggebend für die Zufriedenheit ist. Der Erfolg ist natürlich abhängig von den Zielen, die man sich steckt, aber er ist ein bedeutender Einflussfaktor, den ich für mich noch definieren muss.
Mir ist bewusst, dass meine Anforderungen eine momentane Wunschvorstellung sind, die erst im Laufe meines Lebens gefestigt werden können.
Die Berufswelt ist hart und anstrengend, verlangt einem alles ab und trotzdem nerve ich mich selbst, wenn ich ständig meckere und mich häufig über banale Dinge aufrege. Mein Beruf ist wie meine erlernten Sprachen Teil meiner Persönlichkeit, die ich kontinuierlich positiver gestaltet möchte.



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