Veganismus – accidentally vegan!

Im letzten Jahr war ich im Dezember in London (, sie ist meine absolute Lieblingsstadt). Ich habe dort etwas Unvermeidliches getan – ich bin Metro gefahren. In der Metro hängen genau wie in Deutschland Werbeplakate aus. Da ich alles aus London in mir aufsaugen wollte wie ein Staubsauger, um mich von der wunderschönen Stadt inspirieren zu lassen, habe ich meine Umgebung genauer wahrgenommen als ich das in der deutschen Bahn mit Ohrstöpseln machen würde. Ich schaute mir aufmerksam die Wände an. Ein Plakat war jedoch anders als die anderen. „Veganuary! Try vegan for one month!“, las ich auf dem grünen Plakat. Schon des Öfteren habe ich mir Gedanken über meinen Fleischkonsum gemacht. Den Besuch eines Hähnchenmaststalls in der 10. Klasse habe ich nie ganz verarbeitet und allgemein war es mir schon über einen langen Zeitraum unangenehm gewesen ein „Fleisch- Junkie“ zu sein. Zu Milchprodukten hatte ich ebenfalls kein gutes Verhältnis. Milch schmeckte mir nie besonders gut und nach dem Verzehr von Jogurt oder Käse hatte ich oft einen Blähbauch oder ein Völlegefühl. Einen Laktose- Intoleranz- Test hatte ich bereits gemacht – er war negativ. Als ich dann die „Veganuary- Campain“ las, dachte ich mir „warum nicht?“. Ich besuchte die Website, die auf dem Plakat aufgeführt war. Um die Statistiken des Veganuary Teams mit Informationen zu füttern, gab ich meine Daten auf der Website an –  ich gab an welches Geschlecht, welches Alter und welches Herkunftsland ich habe. Als ich das getan hatte, habe ich den 2. Januar 2018 als meinen Starttag festgelegt, da ich wusste, dass ich am 1. Januar ein richtiges Kateressen brauchen würde und sündigen würde.
Der 2. Januar fing dann damit an, dass ich mich überhaupt nicht vorbereitet hatte. Morgens vor der Arbeit habe ich eine trockene Scheibe Toast gegessen, da ich weder auf mein neues, veganes Leben vorbereitet war noch hatte ich ein Gespür davon was vegan ist und was nicht. Ich war überfordert. Mit der Zeit hat sich das gelegt und ich weiß inzwischen mit dem Begriff „vegan“ etwas anzufangen. Ich wusste vorher natürlich, was „vegan sein“ bedeutet. Im veganen Ernährungsstil werden keine tierischen Produkte verzehrt. Bevor ich diesen Ernährungsstil ausprobierte, war mir nicht bewusst wie Tierprodukt lastig mein Leben vorher war.

Bei meiner „Veganismus-Geschichte“ ist anzumerken, dass ich mich eher als halben Veganer definieren würde. Ich ernähre mich jetzt überwiegend vegan, doch ab und zu greife ich auch auf tierische Produkte – unter anderem Fleisch- zurück. Für mich schmeckt z.B. Fleisch einfach gut. Essen ist für mich eine kulturelle und auch lebensqualitative Angelegenheit. Das bedeutet für mich nicht, dass Kultur oder Lebensqualität in Bezug aufs Essen nicht tierproduktfrei ablaufen könnte, aber ich denke davon sind wir auf der Erde noch Welten entfernt. Veränderung geschieht schon im Leben des Einzelnen und diesen Schritt möchte ich wagen. Mein Leben lang auf z.B. Fleisch verzichten könnte ich jedoch trotzdem nicht.  Seitdem ich vegan bin kann ich diese Momente des Fleischkonsums besser genießen und ich schätze sie im Vergleich zu vorher viel mehr wert. Der Vorteil daran ist, dass wenn ich mal Fleisch esse, das es dann Biofleisch oder Fleisch aus der Region ist, da ich genauer und gewissenhafter die Produkte aussuche.Wieso rechtfertige ich mich für mein „Halb-Veganismus“? Ich habe das Gefühl, das sich aus vergangenen Erfahrungen zusammensetzt, mit diesem Verhalten auf Unverständnis zu stoßen. „Ganz oder gar nicht“ oder „Wenn man etwas anfängt, dann sollte man es auch durchziehen“ sind dabei Sätze, die mir im Kopf herumschwirren. Wieso habe ich für mich diesen Kompromiss gefunden? Es ist ein ganz simpler Grund: Wenn meine Eltern mit mir zusammen Burger selber machen und ich verzichten „müsste“, obwohl ich nicht verzichten möchte, dann wäre es ein Zwang und keine Erfüllung mehr. Wenn es mich glücklich macht an jenem Freitagabend mit meiner Familie Burger zu essen- warum sollte ich mir das verbieten? Dieses Argument lässt sich auch auf den täglichen Fleischkonsum anwenden, wo bei mir allerdings mein Gewissen dazwischenfunkt. Ich denke dann an die Masttierhaltung, an die Lebensumstände der Tiere (, die keine sind), an die Leben der Tiere, an die enorme Belastung der Umwelt und an das Wohlergehen meines eigenen Körpers, wenn ich Tierprodukte konsumiere. Ein gemäßigter Konsum erlaubt mir für mich diesen Kompromiss einzugehen.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir leichtfällt. Es ist Teil meines alten Verhaltensmusters, denn es war normal für mich jeden Tag eine Scheibe

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Wurst auf meiner trockenen Scheibe Toast zu haben. Es gibt so viele Dinge, die ich immer noch nicht umweltbewusst umsetze, aber ich versuche mich mit meinem „Halb- Veganismus“ auf die für mich richtige Bahn zu bewegen. Ich esse nicht wöchentlich Fleisch. In manchen Monaten werde ich gar kein Fleisch verzehren.  Aber meine „ab und zu“ Regel bleibt bestehen.

(Fleisch ist in dem Fall ein Beispiel- es bezieht sich auch auf Käse, Eier etc.)

http://www.veganuary.com

Inspirierende Dokumentation zum Thema Gesundheit & Konsum:
„What the Health“ von Kip Andersen und Keegan Kuhn (Netflix)
-> Die Website dazu mit Fakten, Rezepten etc.: http://www.whatthehealthfilm.com

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