Das Böse

Unendliche Leere. Ein staubiger Raum. Der Boden knarrt, wenn Füße ihn mit den Zehnspitzen berühren. Die Diele bedeckt den Erdboden. Es riecht muffig und man sieht den Staub in der Luft tanzen als wäre er eine kleine Fee. Das Fenster ist geschlossen, schon seit Jahren blieb es unberührt. So scheint es jedenfalls, da eine Art Staubfilm das Holz bedeckt, dessen blaue Farbe langsam aber sicher abbröckelt und die natürliche Farbe des Holzes zum Vorschein bringt. Der Sonneneinfall durch das Fenster erschafft eine noch stickigere Luft als man vorerst erwartet, wenn man den Raum betritt. Nichts ist in dem Raum vorzufinden. Kein Blümchen ziert das Fensterbrett, kein Bilderrahmen hat sich an die Wand verirrt. Ein Schaukelstuhl hätte in das Bild des Raumes gepasst, mehr aber auch nicht. Gähnende Leere erfüllt den Raum, gewährt nichts anderem einen freien Platz. Die stehende Luft im Raum ummantelt einen, vermag jede träge Seele zum Schlaf verlocken. Ein unscheinbarer Raum, der gedankenlos zu sein scheint. Ein vergeudeter Fleck Erde. Ein Ort der vollkommenen Ruhe. Nur ein Hauch von Wahnsinn ist zu spüren. Man lauscht der Ruhe, erhofft sich eine andere Frequenz als die der Ruhe wahrzunehmen. Stundenlag wippt ein Körper vor und zurück. Vor, zurück. Vor, zurück. Das Fenster scheint schalldicht zu sein, denn es lässt keinen fremden Laut durch sich hindurchdringen. Bloß die Diele knarrt durch das Wippen des Körpers. Eine Art von Langeweile kriecht wie eine zischende Schlange auf den Körper zu, erfasst ihn und umwickelt ihn ganz fest. Fühl dich nicht leer, zischt die Schlange, denk drüber nach. Ach- ist der Gedanke ausgesprochen verliert er seinen Reiz. Das Fenster umgarnt den Körper sich doch anzunähern, einen Blick zu wagen. Müde rafft sich der Körper auf, die Schlange um den Hals geschlungen. Die ersten Meter waren schon zu viel. Der Körper sackt in sich zusammen. Das Fenster ist so nah entfernt und doch unendlich weit entfernt, es kann nur einen Blick auf die Leere verschaffen. Es wurde zu wenig Gebrauch von dem Fenster gemacht. Wie soll es denn überhaupt noch funktionieren? Der Körper ist sich selbst überlassen in dem Raum, was ihn nicht weniger gefährlich macht. Selbst die Schlange kann ihn nicht bändigen. Sie ist nur ein ständiger Begleiter, kein Zustand von Dauer. Erfinderisch veranlagt dieser Körper. Versuchte er doch tatsächlich die Dielen aus dem Boden zu reißen, um eine Stütze zum Aufstehen zu haben. Jeder Versuch das Fenster zu erreichen war jedoch vergebens. Niemand da, der ihn verstehen könnte in seiner Not. Vor dem Fenster ist doch alles ganz klar aufgezeigt. Eines Tages erinnerte sich der Körper sogar an eine Art Einweisung in diesen Raum. „Fenster sollen stets benutzt werden, damit die Scharniere nicht rosten, aber das Innere des Raumes soll ohne Ausnahme unberührt bleiben. Tut sich ein Gegner auf und berührt das Innere des Raumes so soll es unverbindlich zerstört werden“, krächzte eine dunkle Stimme aus einem Lautsprecher. Die Erinnerungen hallten in dem Körper nach, hinterließen jedoch keine Regung, nicht mal ein Zucken. Oh an dem einem Tag, ja so kam ein Gedankenstrom in dem Körper auf, da war doch tatsächlich etwas zu sehen am Fenster. Das heißt nicht das es niemals etwas zu sehen gäbe, aber doch war der Körper blind für die Dinge, die das Fenster ihm früher zeigte. Der Körper wendete sich so eines Tages ab und wurde nach einigen Jahren einfach zu schwach um jemals wieder durch das Fenster gucken zu können. Wie dem auch sei – an dem einen Tag war etwas sonderbares geschehen. Wie jeden Tag lebte der Körper ruhig vor sich hin, er kauerte in seiner Lieblingsecke im Raum. Doch plötzlich wanderte ein Schatten direkt vom Fenster in den Raum hinein. Sofort sprang der Körper auf, trippelte nervös auf der Stelle, begann dann panisch von Ecke zu Ecke zu springen. Die Dielen heulten bei jeder Berührung auf, erzeugten eine Lautstärke wie Sirenen, genauso scharf, genauso klingelnd im Ohr. Pure Angst verbreitete sich im Körper. Der Boden vibrierte und ließ Putz von der Decke runterrieseln als würde es schneien. Die Leere des Raumes gewährleistete keinerlei Sicherheit vor der Dunkelheit. Ein Ablenkungsmanöver musste her, aber wie? Der Ruhepalast wurde schlagartig zum Gefängnis, da der Schatten alles Wohlige verschluckte. An die Wand gedrückt spürte der Körper wie die Panik nachließ, die Schmerzen den Körper durchflossen, einnahmen und vergessen ließen, dass es nur Dunkelheit gibt, wo es Licht gibt. Im Schlund der Dunkelheit wurde der Körper schließlich ohnmächtig, wehrlos und ergab sich seinem Schicksal. Nur noch das Fenster konnte ihm die Antwort auf die Herkunft des Schattens geben, aber was sollte es da schon zu sehen geben? Außerhalb des Fensters befand sich nur belangloses, eine andere Art von Leere, die laut und ungezähmt ist. Freie Körper ohne Schlangen, die niemals die Ruhe erfahren würden wie der Körper es in dem Raum erfahren hatte. Nun froh sein sollte der Körper, meinte der Körper über sich selbst, froh, eines besseren belehrt worden zu sein, nicht bloß Illusionen der Wirklichkeit zu glauben, sondern wirklich zu sein. Erst die Angst machte die Erkenntnis möglich. Das Fenster soll doch verrosten, bestimmte der Körper an jenem Tag, es soll verrosten. Wahnsinnig? In wie weit? Verwirrt wippt der Körper vor und zurück. Vor und zurück. Unendliche Leere in dem Körper. Kein Ausdruck verbirgt sich mehr in dem Körper, wie tot wandelt er in seiner dunklen Gegend umher, inzwischen kam dem Körper die Dunkelheit wie das Tageslicht vor, es merkte gar nicht wie es für immer im Schatten geblieben ist.Das

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